Schule und Kita in Bergkamen betroffen

Tönnies-Mitarbeiter und weitere "Baustellen": Infektionsgeschehen im Kreis Unna nimmt wieder Fahrt auf

Coronavirus - Infektionswelle bei Fleischverarbeiter Tönnies
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Gesundheitsdezernent Uwe Hasche ist besorgt. Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens mache der Kreis Unna gerade die Rolle rückwärts – so wie Anfang März, sagte er gestern Mittag in einer spontan anberaumten telefonischen Pressekonferenz. Das allein vertieft bei Hasche die Sorgenfalten aber noch nicht. Vielmehr sind es die aktuellen „Hotspots“, die ihn bedrücken.

Kreis Unna - So sind von Freitag bis Montagvormittag neun bestätigte Corona-Fälle im Kreis hinzugekommen. Insgesamt gibt es somit seit 1. März 733 Infizierte, 58 kämpfen momentan noch mit dem Virus.

Zudem leben einige Arbeiter und Angestellte des Unternehmens Tönnies im Kreis Unna, zwei von ihnen wurden bereits positiv auf Covid-19 getestet. Dabei handelt es sich um einen Mitarbeiter aus Lünen und einen aus Bergkamen. In der Familie des Lüneners wurden zudem drei weitere Infektionen vom Labor bestätigt. 

Bergkamener Schulleiterin lobt Verhalten der Familie

Von den Angehörigen des Bergkameners lagen gestern noch keine Abstrichergebnisse vor, das Gesundheitsamt rechnet heute mit den Ergebnissen. Zur Sicherheit wurde aber den Schülern zweier Klassen der Freiherr-von-Ketteler-Schule und den Kindern einer Gruppe der Awo-Kita Sonnenblume empfohlen, vorerst zuhause zu bleiben. Die Kinder des Erkrankten besuchen diese Einrichtungen. 

Schulleiterin Heike Prochnow lobte die Umsicht dieser Familie. Sie habe gleich reagiert, ihre Töchter schon am Freitag zuhause behalten und die Schule informiert. An der Freiherr-von-Ketteler-Schule wurden vorsorglich 45 Kinder einer zweiten und dritten Klasse vom Unterricht freigestellt, weil zwei Mitschülerinnen als Erstkontakt des infizierten Vaters gelten. 

In dieser Kita bleibt eine Gruppe vorsorglich wegen Coronaverdacht daheim.

In der Kita Sonnenblume gilt dies für ein Dutzend Knirpse einer Gruppe, in der ein Geschwisterkind der beiden betreut wird. „Wir haben die Empfehlung des Gesundheitsamtes, so zu verfahren. Das ist eine rein freiwillige Maßnahme“, sagte Rektorin Prochnow. Das gelte auch für die beiden Klassenlehrerinnen und zwei Kolleginnen, die in diesen Klassen tätig waren. 

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Testergebnisse sollen Dienstag vorliegen

„Ich hoffe sehr, Kinder und Kolleginnen am Mittwoch wieder begrüßen zu dürfen“, so Prochnow. Für den heutigen Dienstag sei das Ergebnis der Tests angekündigt. Die Schulleiterin will die Kinder einladen, bis zum Abschied in die großen Ferien am Freitag noch einmal zu kommen.

 „Aus der Klassenpflegschaft haben wir vernommen, wie froh die Kinder waren, wieder Normalität und Struktur im Alltag zu haben“, sagte die Leiterin. Diese Kinder werden sich nach der großen Pause ja wiedersehen. Damit die Viertklässler, deren Wege sich teils trennen, die Schule mit einem freudigen Ereignis verlassen, sind klassenweise Abschiedsfeiern in der Turnhalle organisiert. In der Kita Sonnenblume reagierten die Eltern wohl ähnlich besonnen und zeigten Verständnis für die Maßnahmen.

26 Mitarbeiter von Tönnies leben im Kreis Unna

Problematisch ist es für die Gesundheitsamtsmitarbeiter, die im Kreis lebenden Tönnies-Kräfte überhaupt herauszufiltern, wie Uwe Hasche berichtete. Die Informationen flössen nur zäh und oft unvollständig von Rheda-Wiedenbrück nach Unna. 

Stand gestern waren es 26, die mit Ausnahme von Holzwickede und Schwerte in allen kreisangehörigen Kommunen verteilt leben, also unter anderem in Bönen. „Es ist sehr schwierig, die Adressen zu ermitteln“, erzählte Uwe Hasche. 

Fast im Stundentakt träfen neue Listen von Tönnies im Kreishaus ein, oft stimmten Adressen oder Telefonnummern der angegebenen Personen aber nicht. Die Ordnungsämter in den Städten und Gemeinden müssten zurzeit Detektivarbeit leisten, um Quarantäneverordnungen zustellen zu können. „Bei uns haben sich auch schon Mitarbeiter gemeldet, die auf keiner Liste standen“, berichtet der Dezernent. 

Deshalb bittet er alle Tönnies-Mitarbeiter, sich zum Abgleich im Gesundheitsamt in Unna zu melden, insbesondere dann, wenn sie bereits positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. „Uns würde es zudem helfen, wenn wir auch wüssten, welche Mitarbeiter negativ getestet wurden. Damit könnten wir einiges an Ermittlungsarbeit sparen.“ 

Keine Sammelunterkünfte

Mit Tönnies-Mitarbeitern, die unter prekären Umständen in Sammelunterkünften leben, habe der Kreis wenig zu tun. „Die meisten, die hier leben, gehören zu den Stammmitarbeitern“, erklärte Hasche. Die Abstrichaktion in Rheda-Wiedenbrück ist nach seiner Kenntnis abgeschlossen, er und seine Kollegen warten derzeit auf weitere Ergebnisse. 

Neben dem Ausbruch in der Fleischfabrik gebe es aber noch zwei weitere „Baustellen“: In einer Grundschule in Schwerte wurde bei einem Lehrer das Virus festgestellt. Daraufhin wurden die Schüler dreier Klassen unter Quarantäne gestellt, sowie zwei Kontaktpersonen aus dem Kollegium. Die Kinder des Pädagogen besuchen des Weiteren eine Kita in Schwerte, die beiden Gruppen, die sie besuchen, wurden vorsorglich geschlossen. Dort sollen ebenso wie in der Grundschule heute die Kinder und Mitarbeiter getestet werden. In Lünen hat sich eine Schülerin des Lippe-Berufskollegs mit Corona angesteckt. 

Testkapazitäten werden wieder hochgefahren

Ihre neunköpfige Lerngruppe wurde daraufhin in Quarantäne geschickt, an der Einrichtung soll heute gleichfalls getestet werden. Die Schülerin selbst wohnt allerdings im Nachbarkreis. Diese neuen Fälle beunruhigen Uwe Hasche. „Ich mache mir große Sorgen, dass der eine oder andere geplante Sommerurlaub nun ins Wasser fällt. Corona ist eine höchst gefährliche Krankheit. Und wenn ich sehe, wie viele Menschen inzwischen weder auf Abstandsregeln achten, noch Masken tragen, bekomme ich Bauchschmerzen.“ 

Der Kreisdezernent appelliert eindringlich an die Menschen, Hygiene- und Abstandsregeln weiter einzuhalten und den Mund-Nasen-Schutz zu tragen. „Ich frage mich inzwischen, ob die Lockdown-Lockerungen vielleicht doch zu früh gekommen sind.“ Der Kreis habe jedenfalls seine Testkapazitäten wieder hochgefahren.

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