Praktisch, einfach, tödlich

Todesfalle Mähroboter: Tierwelt in der Gemeinde bedroht

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Mähroboter gefährden die Tierpopulation in der Gemeinde.

Bönen – Rasenmäherroboter werden in der Gemeinde immer öfter zur Bedrohung für die Tierwelt. Volker Eschrich von der Bönener Naturschutz-AG der VHS weist darauf hin, dass die Roboter Vögeln und Igeln die Nahrung wegnehmen. Insekten, die im Gras leben, werden durch das ständige Abmähen gehäckselt.

Bönen – Überall grünt und blüht es momentan. Es wird also dringend Zeit, sich um den Rasen zu kümmern. Die Mähsaison hat längst begonnen, und immer mehr Gartenbesitzer in der Gemeinde lassen sich dabei helfen – von einem Roboter. Wie von Geisterhand gezogen dreht der seine Runden, leise und präzise und hält dabei den Rasen schön kurz. Eine praktische Sache eigentlich, aber Naturschützer sehen den Einsatz der elektronischen Helfer kritisch. Auch Volker Eschrich von der Bönener Naturschutz-AG der VHS hält wenig von den selbstständigen Mähern. 

Tägliches Schneiden ist ein Problem

Das Dilemma dabei ist der Dauerbetrieb. „Solange die Mäher nicht ständig laufen, sind sie nicht problematisch“, sagt Volker Eschrich. Ein Rasenschnitt pro Woche schade in der Regel nicht. Die meisten Geräte schaffen aber nur bestimmte Schnitthöhen und müssen deshalb aber viel häufiger auf den Rasen. Oft sind sie daher täglich unterwegs. „Im Rasen leben viele Schnacken, Mücken und andere Insekten. Die werden dann gehäckselt“, erklärt der aktive Naturschützer. 

Igel können durch die Mährroboter verletzt werden.

Die Folge: Vögel, Igel und andere Kleintiere finden keine Nahrung mehr. „Die Vogelpopulation in Bönen ist heftig zurückgegangen“, hat Volker Eschrich beobachtet. Allein im vergangenen Jahr seien etliche Jungvögel gestorben, die meisten sind verhungert. „Dazu hat sicher auch die Dürre beigetragen“, so der Bönener. Das Insektensterben sei aber ebenfalls ein weiterer Faktor. „Früher haben Meisen etwa sechs bis acht Junge aufgezogen, heute ist es schon gut, wenn sie zwei bis drei Junge durchbringen.“ 

Tiere finden immer weniger Nahrung

Das ständige Abmähen des Rasens trage dazu bei, dass die Vögel immer weniger Nahrung finden. Weitere Gründe für den Futtermangel sind laut Eschrich zugebaute Flächen, die sterilen Steingärten und nicht zuletzt die Straßenlaternen. „Das sind regelrechte Todesfallen für Insekten“, weiß er. Der Schein der Leuchten lockt sie an, da sie dort Partner vermuten. Und während früher die Leuchten am späteren Abend abgeschaltet wurden, strahlen sie heute die ganze Nacht durch. Die Tierschutzorganisation PETA rät übrigens ebenfalls vom Gebrauch eines Rasenmäherroboters ab. Diese stellen demnach nämlich auch eine große Gefahr für Igel dar. Der Mäher kann schließlich nicht kontrollieren, ob unter Büschen, Hecken oder im hohen Gras ein Igel seinen Tagschlaf hält. Er fährt geräuschlos heran und macht seine Arbeit. Und während andere Wildtiere bei Gefahr flüchten, rollt sich der Igel ein und stellt sich tot. Stößt der Mähroboter gegen das Tier, ist dessen Widerstand so gering, dass der Sensor des Gerätes nicht auslöst. Der Mäher versucht stumpf, weiter zu fahren – auch über das Tier hinweg. Besonders kleinere Igel werden auf diese Weise verletzt oder verstümmelt. 

In der Abenddämmerung oder nachts ist es besonders gefährlich, da der Igel nachtaktiv ist. Deshalb sollten Rasenmäherroboter zu dieser Zeit unbedingt in ihrer „Garage“ bleiben. Aber auch Eidechsen und Kröten werden immer häufiger zu Mähroboter-Opfern.

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