Verfahren vorm Amtsgericht

Todesdrohung nach Masken-Streit in Praxis: Bönener (35) im Clinch mit Arzthelferinnen

Der Bönener kam trotz Corona-Pandemie ohne Mund-Nasen-Schutz in die Arztpraxis. Die Aufforderung zu gehen machte den 35-Jährigen wütend.
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Der Bönener kam trotz Corona-Pandemie ohne Mund-Nasen-Schutz in die Arztpraxis. Die Aufforderung zu gehen machte den 35-Jährigen wütend.

Die Aufforderung, eine Arztpraxis in Unna zu verlassen, wenn er keine Maske tragen wolle, machte einen 35-Jährigen aus Bönen so wütend, dass er eine Todesdrohung ausstieß. Vor Gericht konnte er sich nun erst spät zum Geständnis durchringen.

Bönen/Unna – Der Zwischenfall ereignete sich am Morgen des 26. März in einer Praxis in der Unnaer City. Trotz Maskenpflicht betrat der Bönener die Räumlichkeiten ohne Mund-Nasen-Schutz. Eine Arzthelferin sagte ihm, dass er gehen müsse. Daraufhin entgegnete er, dass er das nicht mache, er keine Maske habe und sie ihm eine geben müsse. Er geriet in Rage und schleuderte ihr entgegen: „Schade, dass Corona Dich nicht getötet hat.“

Das brachte die Kollegin der Frau auf den Plan. Sie folgte dem 35-Jährigen, der sich zu allem Überfluss auch noch in der Etage geirrt hatte und somit in der falschen Praxis gelandet war, in den Flur, um ihn zur Rede zu stellen. Und das machte den erst richtig wütend. Ihr drohte er: „Corona hat Dich nicht getötet. Dann mache ich das. Geh rein, sonst mache ich Dich kaputt.“ Tatsächlich bekam sie es mit der Angst zu tun.

„Ich war ziemlich entsetzt, und Angst hatte ich auch“

Jetzt musste sich der 35-Jährige wegen Bedrohung vor dem Amtsgericht verantworten – und dachte zumindest zunächst gar nicht daran, den Vorwurf einzuräumen. „Ich habe nichts gemacht“, beteuerte er immer wieder und stellte sich vielmehr als Opfer von zwei sehr unfreundlichen Arzthelferinnen dar. Er habe lediglich gesagt: „Nicht Corona macht uns kaputt. Die Menschen machen sich selbst kaputt.“

Die nach wie vor sichtlich beeindruckte Arzthelferin, die er im Treppenhaus so massiv bedrohte, schilderte einen anderen Ablauf und bestätigte den Vorwurf. „Ich war ziemlich entsetzt, und Angst hatte ich auch. Ich habe hinterher gedacht: Wärst Du mal lieber nicht hinterhergegangen.“ Und sie gab später offen zu: „Ich hatte auch Schiss, als ich aus der Praxis kam, als ich nach Hause gefahren bin.“

Plötzlich Zeit zum Nachdenken

Trotz dieser Aussage und mahnender Worte der Richterin blieb der 35-Jährige vorerst bei seiner Einlassung. Daher sollte die zweite Arzthelferin gehört werden. Sie musste jedoch warten, bis ihre Kollegin vom Gericht aus in der Praxis eintraf. So entstand Wartezeit, die ihn offenbar zur Besinnung brachte. Vor Eintreffen der Zeugin räumte der Bönener das Ganze ein, sprach von gesundheitlichen Problemen, die manchmal zu Aussetzern führten. Auch entschuldigte er sich bei der anwesenden Zeugin und kündigte an, dass auch noch telefonisch bei ihrer Kollegin zu tun.

Das späte Geständnis bewahrte den Angeklagten vor einer Verurteilung. Das Verfahren wurde vorläufig gegen Zahlung von 400 Euro Geldbuße eingestellt.

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