Tischler Lukas Grebe ist als Bestmeister geehrt worden

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Lukas Grebe arbeitet gerne kreativ.

Bönen – Ein Esstisch sollte das Zentrum im Haus sein, ein Platz, an dem die ganze Familie zusammenkommt. „Ein guter Tisch hält ein Leben lang“, sagt Lukas Grebe. Und da, wo gelebt wird, dürften Spuren bleiben im Holz, findet er. Für den Tischler ist das Naturmaterial der beste Werkstoff überhaupt – nachwachsend, klimafreundlich und vielseitig. Seinen Beruf hat er also ganz richtig gewählt, und vielleicht macht das den 31-Jährigen so erfolgreich. Er wurde jetzt als Bestmeister des Jahrgangs 2019 im Kammerbezirk Dortmund geehrt.

In der Werkstatt von Gernot Grebe hinter dem Möbelhaus Köhling an der Bahnhofstraße in Bönen riecht es wunderbar nach geschnittenem Holz. Ein antiker Tisch hat bereits die Hälfte seiner Lasur verloren, feine Späne liegen auf der Sägebank. In den Regalen lagert Holz in etlichen Arten, Längen und Dicken. Ein Ort, an dem Ideen entwickelt und Lösungen gefunden werden, an dem Neues entsteht: Dort fühlt Lukas Grebe sich wohl. „Wir sind hier schon ziemlich kreativ. Klar bauen wir auch Fenster und Türen ein, doch es wird mehr, dass wir Einzelstücke für unsere Kunden anfertigen“, sagt Lukas Grebe.

Er selbst hat eine Vorliebe für Möbel aus recyceltem Material und jede Menge gute Idee dafür. In einer Scheune bewahrt er dafür altes Holz auf, dem er mit Geschick und Fantasie ein neues Dasein schenkt. „Holz ist lebendig. Allein die Struktur der Maserung findet man bei keinem Stoff, den ein Mensch produziert hat“, schwärmt der Handwerksmeister. 

„Holz ist außerdem ein klimaneutraler Werkstoff. Was viele nicht wissen: Ein Baum speichert CO2 in seinen Zellen. Wird daraus ein Möbelstück, bleibt es darin gebunden. Wird das Holz verbrannt oder zerfällt, wird CO2 hingegen wieder freigesetzt“, erklärt der Fachmann. Er macht sich viele Gedanken um dieses Thema. „Am liebsten würde ich überall Bäume pflanzen“, sagt er. 

Seine Begeisterung für das Material Holz ist offenbar ererbt. Sein Vater ist ebenfalls Tischlermeister. Vor rund zehn Jahren hat Gernot Grebe sich selbstständig gemacht, zunächst in Unna. Vor sechs Jahren zog der Bönener dann mit seinem Betrieb in die Gemeindemitte. Sohn Lukas mochte den Beruf seines Vaters schon immer, dennoch entschied er sich zunächst für eine Ausbildung als Koch. „Die Arbeit hat mir auch Spaß gemacht, und ich koche heute noch gerne“, sagt der künftige Familienvater, der im Juni sein erstes Kind erwartet. Als sein Vater den eigenen Betrieb eröffnete, war für ihn jedoch klar, dass er dort miteinsteigen möchte.

Zwei Jahre zwischen Tischlerei und Schule gependelt

Die Kochlehre schloss er aber zunächst noch erfolgreich ab und begann kurz darauf die zweite Ausbildung als Tischler im Unternehmen seines Vaters. Trotz einer absolvierten Ausbildung musste Lukas Grebe noch einmal ganz von vorne anfangen, aber es hat sich gelohnt. Schon die Gesellenprüfung schloss er 2105 als Bester seines Jahrganges im Kreis Unna ab. 

Drei Jahre sammelte Lukas Grebe zunächst Berufserfahrung, dann meldete er sich an der Meisterschule an. Für Lukas Grebe bedeutete das, zweimal pro Woche direkt nach der Arbeit die Schulbank in Soest, Dortmund oder Bochum drücken zu müssen und zusätzlich jeden dritten Samstag. Viel Freizeit blieb ihm dabei nicht. Auf die Ausbildereignungsprüfung bereitete sich Grebe zudem in einem viermonatigen Vollzeitkursus vor. Und schließlich musste er sich neben den täglichen Aufgaben einer ganz besonderen Herausforderung stellen und ein Meisterstück entwickeln. Etwa ein Jahr tüftelte Lukas Grebe an einem formverleimten Schreibtisch, bei dem er etliche Schichten Furnier in eine geschwungene Form bringen musste. Das fertige Stück überzeugte – zusammen mit den Ergebnissen des theoretischen Teils – die Prüfer bei der Handwerkskammer zu Dortmund. Sie bescheinigten ihm bereits im vergangenen Jahr eine ausgezeichnete Arbeit. 

Anfang März wurde diese nun noch einmal besonders gewürdigt. Lukas Grebe und seine Familie wurden zur Ehrungen der Besten bei Meisterfeier ins Konzerthaus nach Dortmund eingeladen. Zu den ersten Gratulanten gehörte dabei der Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann. „Handwerk auf höchstem Niveau und die Befähigung, junge Menschen hochwertig auszubilden: All das wird mit dem Meisterbrief gezeigt und ist unentbehrlich für unsere Wirtschaft und Gesellschaft“, hob der Politiker dabei hervor. 

Zwei, die sich ergänzen

Für Lukas Grebe ist das durchaus ein Ansporn, sich um die Azubis in seinem Betrieb zu kümmern. Nachwuchssorgen kennen die Grebes nämlich im Gegensatz zu vielen anderen Handwerkern nicht. „Wir haben immer wieder Praktikanten, die sich den Beruf anschauen möchten, und im August fängt ein neuer Azubi bei uns an“, berichtet der frischgebackene Ausbilder. 

Er möchte die Tischlerei später übernehmen und weiterführen, in der zurzeit sechs Mitarbeiter beschäftigt sind. Dass dort zwei Generationen Hand in Hand arbeiten, ist für ihn überhaupt kein Problem. „Es macht Spaß, zusammenzuarbeiten, auch wenn zwangsläufig mal die Fetzen fliegen. Ich denke, mein Vater und ich ergänzen uns sehr gut“, stellt der 31-Jährige fest. Während sich Gernot Grebe nämlich unter anderem auf Haussanierungen und Neubauten spezialisiert hat, begeistert sich Lukas Grebe vor allem für den Möbel- und Innenausbau. „Ich glaube einfach, dass ein schönes Zuhause glücklich macht“, ist der junge Tischlermeister überzeugt. Sein eigenes Haus entsteht gerade in Hamm – aus Holz natürlich.

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