Zig Tausende Abstriche genommen

An vorderster Front: Bönener Rotkreuzler helfen bei Massentest im Tönnies-Umfeld

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Die Bönener Rotkreuzler unterstützten die Kollegen beim Einsatz in einerm Verler Schulzentrum.

Bönen/Verl - Für die massenhaften Coronatests dieser Tage braucht es kundige Helfer. In Bönen gibt's einige davon:

Nach den massenhaften Ansteckungen mit dem Coronavirus in der Fleischfabrik Tönnies in Rheda-Wiedenbrück und dem anschließenden Lockdown für den Kreis Gütersloh wurden nicht nur die Mitarbeiter getestet, auch die Einwohner des Kreises bekamen die Gelegenheit, sich freiwillig testen zu lassen. 

Vor Ort waren auch Mitarbeiter der Ortsgruppe Bönen des Deutschen Roten Kreuzes. Deren Stellvertretender Vorsitzender Timo Beckschäfer arbeitete in vorderster Front und nahm Abstriche. Hier sein Bericht:

Bönener im Heer der Helfer aus ganz NRW

Schon in der ganzen vergangenen Woche waren an verschiedenen Stellen im Kreis Gütersloh Teststellen aufgebaut worden, an denen Hilfsorganisationen aus ganz NRW im Einsatz waren. Die Landes- und die Bezirksregierung koordiniert das Personal. Die Einheit 2 des Kreises Unna mit Helfern vorwiegend aus Bönen und Kamen war für Freitagnachmittag an einem Schulzentrum in Verl eingeteilt. 

Schon an den Testungen im Schmallenbachhaus in Fröndenberg war die Ortsgruppe beteiligt. Um 12 Uhr machten sich die 22-köpfige Gruppe auf den Weg ins Ostwestfälische, um 22 Uhr war sie in Bönen fertig mit den Aufräumarbeiten. Die Bönener waren dafür eingeteilt, die Anmeldung der Testwilligen zu organisieren, die Proben anzunehmen, für die Logistik zu sorgen, damit genügend Schutzanzüge vorrätig sind, und sich um die Verpflegung zu kümmern.

Beckschäfer war mit drei Kollegen für die Abstriche zuständig. Das Quartett ist auch beruflich im medizinischen Bereich tätig, Beckschäfer selbst arbeitet als Krankenpfleger. Durch diese Vorerfahrung solle sichergestellt werden, „dass die Proben richtig genommen werden“, so der Bönener. Er betont aber, dass es kein Problem sei, das Prozedere zu erlernen. Vor Ort begann es mit der Einsatzbesprechung. Die DRKler arbeiteten in Verl mit der Bundeswehr zusammen. 

Ein Sanitätsregiment war schon die ganze Woche über am Schulzentrum, die ehrenamtlichen Katastrophenschützer machen halbe Tage, damit die jeweiligen Arbeitgeber nicht über Gebühr belastet werden. Stündlich wechselten sich die Soldaten mit den ehrenamtlichen Helfern ab. „Wir fühlten uns gut begleitet“, sagt Beckschäfer zur Zusammenarbeit.

„Die Schutzkleidung ist das A und O“ 

Der regelmäßige Wechsel soll dafür sorgen, dass alle durchschnaufen können. „Das macht auch die Qualität der Probenannahmen besser“, meint Beckschäfer. Denn ehe sich die Helfer den zu testenden Personen nähern, schlüpfen sie in ihre Schutzanzüge, kleben Verbindungsstellen zum Beispiel zwischen Handschuhen und Ärmeln ab. Das Team ist daran gewöhnt, braucht dafür etwa fünf Minuten. „Offiziell sind die Anzüge atmungsaktiv, inoffiziell aber eher nicht. Man schwitzt darunter ganz schön“, sagt der 35-jährige Bönener. Er war froh, dass es am Freitag etwas kühler war und das Thermometer nicht, wie in der Woche zuvor, 30 Grad anzeigte. „Die Schutzkleidung ist das A und O“, betont Beckschäfer. „Das Infektionsrisiko ist sehr, sehr gering.“ In diesem Zusammenhang lobt er auch den Kreis Gütersloh, der „bestes Material“ in stets ausreichender Menge zur Verfügung gestellt habe.

Die Bönener Ortsgruppe war am letzten Tag der Testmöglichkeiten in Verl. „Es hat Tage mit langen Schlangen gegeben. Da mussten die Leute eine halbe Stunde warten“, berichtet Beckschäfer. Jetzt sei es eher ein Kommen und Gehen gewesen. Wenn einer mit der Probenentnahme fertig gewesen sei, habe er die Handschuhe gewechselt, dann sei schon der nächsten eingetreten. Vorgenommen wurden tiefe Rachenabstriche. Das Coronavirus sitze nicht im vorderen Mundbereich oder am Gaumen, sondern „da, wo es anfängt, unangenehm zu werden“, erklärt Beckschäfer. So müssen die Tester aufpassen, zwar tief genug anzusetzen, gleichzeitig aber nicht den Würgereflex auszulösen. 

Der entscheidende Moment dauert 30 Sekunden

Der „Eingriff“ selbst geht recht fix. „Die Anmeldung dauert drei Minuten, der Abstrich 30 Sekunden“, so Beckschäfer, der mittlerweile seit 22 Jahren beim Roten Kreuz ist. Wichtig sei eine gute Organisation, „damit die Leute auch ihre Ergebnisse erhalten“. Der Bönener vergleicht das ganze Prozedere mit dem Blutspenden: „Da konnten wir als Rotes Kreuz auf Erfahrungswerte zurückgreifen.“ Die Resultate sollten die Betroffenen, je nach Auftragslage des Labors, rund 48 Stunden später erhalten.

Die Stimmung vor Ort beschreibt Beckschäfer als positiv. Die Verler, die sich testen ließen, wollten wissen, ob sie sich angesteckt haben oder brauchten ein negatives Ergebnis für ihre Urlaubsreise. Sie seien zwar vom Tönnies-Ausbruch und den damit zusammenhängenden Einschränkungen genervt gewesen. „Uns gegenüber sind sie dankbar“. Nachdem am Freitag der letzte Abstrich getätigt wurde, fuhr das DRK-Kreisteam zurück nach Bönen, war aber noch nicht ganz fertig. „Wir haben unter den besonderen Hygienemaßnahmen das Auto wieder hergerichtet. So, als ob es Kontakt gehabt hätte“, sagt der 2. Vorsitzende der Ortsgruppe. Außerdem müsste die Kleidung extra gereinigt werden. Ein Kontakt mit dem Virus sei laut Beckschäfer allerdings sehr unwahrscheinlich. „Aber man macht es trotzdem, es geht um den Schutz der Leute.“

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