Unwetter in Bönen

Feuerwehr und Helfer kämpfen mehr als 24 Stunden gegen die Wassermassen

Die extremen Wassermassen hatten das Hochwasserrückhaltebecken neben der Speckenstraße in eine Seenlandschaft verwandelt.
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Land unter in Bönen: Das Hochwasserrückhaltebecken musste jede Menge Wasser fassen.

Es waren Hochleistungen, die die ehrenamtlichen Kräfte der Bönener Feuerwehr am Mittwoch und Donnerstag vollbracht haben. Unermüdlich pumpten sie Keller leer, machten überflutete Straßen wieder befahrbar und schützten die Bewohner der Gemeinde vor noch mehr Unheil. Zudem unterstützten sie ihre Kameraden in Bergkamen. Zu insgesamt 91 Einsätzen wurden die Bönener Einsatzkräfte gerufen, die sie mehr als 24 Stunden auf Trab hielten. Verpflegt wurden die Feuerwehrleute von den Mitgliedern des DRK-Ortsvereins.

Hilferufe erreichten die Rettungskräfte fast aus der gesamten Gemeinde. Die Schwerpunkte ihrer Einsätze lagen jedoch an der Straße Am Piplingsgraben und der Fröndenberger Straße. Dort pumpten die Einsatzkräfte stundenlang Keller aus. „Als wir gegen 1.30 Uhr einen großen Teil der Mannschaft nach Hause geschickt haben, hofften wir noch, dass wir vor Arbeitsbeginn ein paar Stunden Schlaf bekommen“, berichtet Feuerwehrsprecher Timo Rinkewitz.

Das machte ein erneuter Notruf um 2.30 Uhr zunichte, der die Mannschaft zur Speckenstraße rief. Die Retter befürchteten, dass dort durch die Wassermassen, die sich angesammelt hatten, ein Damm brechen könnte. Sie pumpten das Wasser in das Regenrückhaltebecken mit 9000 Litern pro Minute. „Hört sich viel an, ist aber, als wollte man ein Fass mit einem Strohhalm leer trinken“, schildert Rinkewitz. Also schickten die Kollegen in Unna eine größere Pumpe zur Unterstützung. Dennoch dauerte der Einsatz bis Donnerstagnachmittag.

Fazit des Lippeverbands

Der Lippeverband gab aber Entwarnung. „Von einem drohenden Dammbruch waren wir dort noch sehr weit entfernt“, gibt eine Sprecherin an. Durch den Starkregen habe es vielmehr einen Rückstau und Wasseransammlungen in der kleinen Seseke gegeben. „Das Wasser wird nun kontrolliert in das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) gepumpt“, erklärte sie. Die Situation sei absolut unter Kontrolle. Das Rückhaltebecken könne die Wassermassen sehr gut aufnehmen. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Bezirksregierung waren ihre Kollegen am Donnerstag vor Ort, um bei einer sogenannten gezielten Nassabnahme zu überprüfen, wie die Stauanlage bei einem solchen Hochwasser reagiert.

Um das Pumpwerk zu schützen, hatte der Lippeverband am Mittwoch im Vorgriff auf das zu erwartende Starkregenereignis eilig einen Erdwall davor aufschütten lassen. Das Wasser stieg allerdings rasch an dem provisorischen Schutz, sodass die Feuerwehr dort vorsorglich tätig wurde. Die Speckenstraße blieb auch am Donnerstag noch gesperrt.

Fazit der Gemeinde

Vom Unwetter beschädigt wurden zwei Pkw. Und obwohl der Sachschaden in und an den Häusern immens sein dürfte, ist Bönen wohl mit einem blauen Auge davon gekommen. Verletzt oder gar getötet wurde niemand. Auch konnten die Menschen in ihren Häusern und Wohnungen bleiben, wie die Verwaltung berichtet. „Nach den mir aktuell vorliegenden Informationen waren keine Evakuierungen beziehungsweise Unterbringungen notwendig“, gibt Fachbereichsleiter Robert Eisler an.

Bilanz des Kreises

Insgesamt rückten 1285 Rettungskräfte (51 in Bönen) der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerkes (THW), des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und anderer Hilfsorganisationen am Mittwoch und Donnerstag zu 1038 Einsätzen im gesamten Kreisgebiet aus. Laut Kreisverwaltung war vor allem die technische Hilfe der Feuerwehrmitglieder beim Leerpumpen von gefluteten Kellern gefragt. 20 Einsätze waren auch am Donnerstagnachmittag noch nicht beendet. In Bönen mussten die Retter 91 Mal aktiv werden, in Bergkamen 280 Mal und in Kamen 125 Mal.

Betroffen von der Wetterkatastrophe waren zudem die gemeindlichen Pumpstationen. Sie wurden ebenfalls geflutet und mussten im Laufe des Donnerstags wieder instand gesetzt werden.

Aufräumarbeiten

Michael Nießner und seine Frau Annelise hatte es von den Anwohnern an der Beethovenstraße in der Nummer 79 am Mittwoch wohl am härtesten getroffen (wir berichteten). Die braune Brühe in seinem Keller reichte bis zum Oberschenkel. Am Tag nach dem großen Regen ist das Wasser weitgehend abgeflossen, zurückgeblieben sind Schlamm und Unrat. Jetzt wird das ganze Ausmaß des Schadens sichtbar. „Der Versicherung haben wir den Schaden schon gemeldet und machen jetzt eine Schadensliste“, berichtet er. Die wird wohl lang werden. „Wir haben zum Glück Hilfe aus der Familie und sind schon fleißig dabei, den gesamten Keller auszuräumen. Das muss wohl alles auf den Sperrmüll.“

Die Verwaltung hat sich bereits mit der Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft (GWA) Kreis Unna in Verbindung gesetzt. „Für den zu erwartenden Anfall an zerstörtem Hausstand aus den Kellern sind zusätzliche Sperrmüllabfuhrtermine geplant“, berichtet Eisler. Wann genau die Bönener ihren beschädigten Hausrat an die Straßen stellen können, wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Im Rewe-Markt in Bönen kam das Wasser durch die Decke.

Glück im Unglück hatte Adam Karwoth, Inhaber des Rewe Marktes in der Ortsmitte. Während des Starkregens lief das Wasser an einigen Stellen des Marktes plötzlich durch das Dach. „Die Tiefkühlabteilung war am stärksten betroffen“, berichtet Adam Karwoth. „Aber wir konnten das mit Wannen und Eimern auffangen und mussten nicht schließen.“ Schlimmer war da schon das Warenlager des Geschäfts betroffen. „Auf 2000 Quadratmetern lagern Waren im Keller“, erläutert Karwoth. „Wir haben zwei Pumpen, die normalerweise dafür sorgen, dass Wasser aus der Kanalisation nicht hochgedrückt wird. Aber bei diesen Wassermassen haben sie das nicht mehr geschafft. Das Wasser stand bis zu zehn Zentimer hoch. Unser Glück: Alle Waren werden auf Europaletten gelagert, und die sind mindestens 12 Zentimeter hoch. Es hätte schlimmer kommen können“, zieht er Bilanz.

Die Pumpen hatten über Nacht das meiste Wasser abgepumpt. Der Keller ist nicht trocken, aber begehbar. Begehbar war am Donnerstag auch wieder die Unterführung zu den Bahnsteigen am Bahnhof Bönen. Das Wasser, das am Mittwochabend wandhoch stand und den Zugang zu den Gleisen unpassierbar gemacht hatte, war abgelaufen. Zugreisenden half das aber wenig. Denn fast alle Züge fielen aufgrund schwerer Schäden in anderen Regionen von NRW aus.

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