Endlich wieder shoppen!

Händler freuen sich, dass sie öffnen dürfen – Kunden nutzen das Angebot

Eingang Ernsting‘s Familie Bönen Mitarbeiterin Sabine Data legt Kundin Anmeldezettel vor
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Ohne Anmeldung geht nichts: Sabine Data lässt sich an der Tür von Ersting’s Family die Daten aufschreiben.

Bönen – Seit Dezember mussten die Türen vieler Einzelhändler im Lockdown geschlossen bleiben. Es war eine lange Durststrecke mit starken Umsatzeinbußen. Seit Montag dürfen auch in Bönen weitere Einzelhändler die Türen wieder aufmachen und Kunden zum Termin-Shopping in ihre Geschäfte lassen.

Freude und Erleichterung herrscht bei Händlern und Kunden. Die wissen: Virtuell kaufen mit „Click & Collect“ ersetzt eben doch nicht den Einkaufsbummel. Deshalb standen am Montagmorgen zahlreiche Kaufwillige vor den Ladentüren in der Ortsmitte und freuten sich über etwas mehr Shopping-Freiheit.

Zu Hause auf dem Sofa mit dem Tablet shoppen geht auch, das haben viele in der Krise entdeckt, aber schöner ist das Shoppen vor Ort. Da kann man die Ware anfassen, anprobieren und oft noch mehr entdecken, was nicht auf dem Zettel stand. Deshalb machten sich bereits am ersten verkaufsoffenen Tag etliche Kunden auf den Weg, nach Monaten wieder einen richtigen Laden zu betreten und nach Notwendigem, Nützlichem oder Schönem Ausschau zu halten.

Kindersachen sind gefragt

Besonders vor dem von der Awo-Tochter DasDies betriebenen Second-Hand-Kaufhaus „Stöberei“ herrschte am Montagvormittag schon Andrang. Vor dem Laden luden Mitarbeiter erst mal jede Menge Waren ab, um das Angebot nach Monaten wieder zu ergänzen mit Hausrat und Kleinmöbeln. Die Kundschaft, die in der Regel keine Kundenkonten bei den großen Onlinehändlern hat, hatte schon sehnsüchtig auf die Öffnung gewartet. Hausrat, aber auch Kindersachen sind gefragt.

Neue Ware für die Stöberei: Mitarbeiter von DasDies füllen die Regale.

Vor der Shoppingrunde ist aber erst einmal eine Anmeldung obligatorisch beim Betreten aller Läden, die jetzt das sogenannte Termin-Shopping anbieten dürfen. Schließlich sind wir immer noch bei einem Inzidenzwert über 50. Dazu muss aber nicht zwingend ein Termin vorab vereinbart werden, es reicht, wenn der Kunde an der Tür nach einem Termin fragt. Ist die Grenze der Besucher erreicht, muss der Kunde warten oder einen Termin ausmachen.

Anmeldung mit Adresse und Telefonnummer ist obligatorisch

Ohne Maske, Handdesinfektion und Eintragen von Namen, Adresse und Telefonnummer in eine Besucherliste geht gar nichts. Hier wird auch vermerkt, von wann bis wann sich der Kunde im Laden aufhält. Im Falle einer Infektion soll so die Kundenliste zurückverfolgbar sein. „Da gibt es aber auch Unverständnis von Kunden, weil sie nicht einfach hereinspazieren dürfen und ihre Daten hinterlassen müssen“, berichtet Heike Nikolai, Filialleiterin der „Stöberei“. Gerade Kunden mit Migrationshintergrund verstehen offensichtlich aufgrund der Sprachbarriere schlichtweg nicht, warum sie ihre Telefonnummer angeben müssen, und sind verunsichert.

Wenn diese Hürde genommen ist, dürfen sich maximal sieben Besucher bis zu 45 Minuten in dem Second-Hand-Laden aufhalten. „Bei uns haben nicht nur die Käufer sehnsüchtig auf die Öffnung gewartet, sondern auch alle, die Sachen bei uns abgeben wollen, die nicht mehr gebraucht werden.“ Nachdem der Laden im Januar 2020 eröffnet wurde und im März der erste Lockdown erfolgte, sind die DasDies-Mitarbeiter jetzt erleichtert, dass es endlich weitergeht.

Eleonore Beier freut sich, dass jetzt wieder Kunden in ihren Modeladen kommen dürfen.

Erleichtert ist auch Eleonore Beier, die zusammen mit ihrer Tochter eine Modeboutique im Bereich der Fußgängerzone betreibt. „Es geht langsam wieder aufwärts“, freut sich die Ladeninhaberin. Zwei Besucher maximal dürfen sich gleichzeitig in dem kleinen Geschäft umsehen. Die Nachfrage sei da. „Viele kaufen, wenn sie unser Angebot genauer in Augenschein nehmen können, nicht nur ein Teil, sondern gleich eine Kombination aus Hose, Shirt und Jacke.“

Warum nicht schon früher?

Auch in der Filiale von Ernstings Family herrschte gleich am ersten Tag Andrang. Maximal drei Kunden dürfen sich hier etwa 15 Minuten umsehen. „Wenn wir keine Folgetermine haben, dann können die Kunden aber auch länger bleiben“, sagt Mitarbeiterin Sabine Data, die sich freut, dass die Kurzarbeit für das Team ein Ende hat. „Das hätte man doch auch schon früher machen können“, findet sie. Gerade Mütter besuchen jetzt den Laden, um Kindersachen zu ersetzen, aus denen der Nachwuchs seit Dezember ‘rausgewachsen ist.

In der Kik-Filiale bei Edeka herrschte am Montag ebenfalls Andrang. „Möchten Sie shoppen gehen?“, luden die Mitarbeiter Passanten ein, eine Runde durch den Laden zu drehen, weil die Besucherkapazitäten zeitweilig auf der Ladenfläche nicht ausgeschöpft war.

Wenn neu erstandene Kleidung nicht passt, weil die Ärmel zu lang sind oder die Hosen gekürzt werden müssen, dann ist Tekin Kul mit seiner Schneiderei da. Er durfte die ganze Zeit öffnen, „das haben aber leider nur wenige mitgekriegt“, erzählt er. Deshalb war auch bei ihm der Lockdown massiv spürbar. „So wenig zu tun hatte ich seit 27 Jahren nicht.“

Elsbeth Fischer ist froh, dass die Kunden wieder in den Buchladen kommen können - auch ohne Termin, allerdings maximal zwei.

Entspannt und sehr froh, dass immerhin zwei Kunden gleichzeitig seit Montag wieder in den Laden kommen, ist auch Elsbeth Fischer bei BuK. „Sonst war es gerade montags unheimlich ruhig, jetzt kehren die Leser zurück und schauen sich um“, freut sich die Mitarbeiterin. Buchläden dürfen ab sofort generell wieder öffnen – natürlich unter Einhaltung der Hygieneregeln.

Nach der zaghaften Rückkehr zu etwas mehr Normalität hoffen die Bönener Einzelhändler nur, dass sie jetzt länger öffnen dürfen und nicht schon wieder der nächste Lockdown droht.

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