Tafel will mit Schließung der Bönener Aussenstelle Druck aufbauen 

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Wollen mit der Schließung von vier Aussenstellen politischen Druck aufbauen: Der Vorstand der Tafel Unna (von links) Patricia Westermann, Roland Lutz (2. Vorsitzender), Ulrike Trümper (1. Vorsitzende) sowie Helge Rosenstengel (Dr. Jürgen Gesling Stiftung).

Bönen - Die Tafel Unna bekommt kurzfristig sechs neue Mitarbeiter vom Jobcenter zugewiesen. Dennoch ändert sich für die Ausgabestelle Bönen nichts. Sie bleibt geschlossen. So will der Tafel-Vorstand den politischen Druck erhöhen.  

Der Wegfall von zahlreichen Mitarbeitern bei der Tafel Unna führte dazu, dass vier kleinere von insgesamt neun Ausgabestellen, darunter auch Bönen, vorerst nicht mehr beliefert werden. „Jetzt hat sich die Situation geändert“, teilte die Tafel-Vorsitzende Ulrike Trümper jetzt mit. Demnach erreichte sie am Freitag ein Anruf des Geschäftsführers des Jobcenters Kreis Unna, Uwe Ringelsiep, dass der Tafel sechs neue Mitarbeiter bewilligt wurden. 

Das ändert die Situation in der Ausgabestelle Bönen jedoch nicht. Montagmittag werden Gerd Wiese und sein Team von ehrenamtlichen Helfern ihren Kunden vor Ort am Eichholzplatz erklären müssen, dass es für sie in Bönen vorerst keine Lebensmittel mehr gibt. „Durch die neuen Förderrichtlinien aus Berlin brechen uns Stellen in großem Umfang weg“, ergänzt der 2. Vorsitzende Roland Lutz. „Dabei können wir nur im Nachgang reagieren. Wir sind nur der Überbringer der schlechten Nachrichten, nicht der Verursacher.“ 

Hatte die Tafel bis vor kurzem noch 30 Mitarbeiter, die über die soziale Teilhabe finanziert wurden und fünf Ein-Euro-Kräfte, hat sich das Verhältnis jetzt umgekehrt: 18 Ein-Euro-Kräfte arbeiten zur Zeit in der Zentrale der Tafel in Unna Königsborn. „Die vom Jobcenter angekündigten sechs Neuzuweisungen sollen Montag oder Dienstag anfangen. Damit könne die Tafel ihre Aufgaben zumindest aufrecht erhalten, sagt Trümper. „Das Jobcenter hat zwar versprochen, dass es weitersuchen wird, aber das müssen wir abwarten.“ Sie wolle auch keine falsche Hoffnungen wecken.

 „Wir haben auch mit Sozialdezernent Torsten Göpfert und Landrat Michael Makiolla über unsere Situation gesprochen“, ergänzt Roland Lutz. Der Landrat habe seine Unterstützung zugesagt und in Aussicht gestellt, dass möglicherweise weitere Zuweisungen folgen könnten. „Wir genießen eine gewisse Priorität, aber bis dahin müssen wir den politischen Druck aufrechterhalten.“ 

Für „Druck“ sollen die Schließungen der vier betroffenen Aussenstellen Bönen, Holzwickede, Fröndenberg und Massen sorgen. Heute werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel in Bönen den Menschen vor der Ausgabestelle am Eichholzplatz mitteilen, dass sie bis auf weiteres raus sind aus dem Verteilsystem. 

Das Angebot, selbst für den Transport der Waren nach Bönen zu sorgen lehnt Trümper nach wie vor ab. Für sie ist nur vorstellbar, dass die Bönener Kunden in die Zentrale nach Königsborn kommen. Das ist aber von den ehrenamtlichern Helfern vor Ort nicht zu stemmen. Wer soll das leisten? „Wir können niemand in die Pflicht nehmen, aber wir hoffen, dass Lösungen vor Ort gefunden werden“, sagt Lutz und nennt in diesem Zusammenhang Bürgermeister, wohltätige Vereine, Parteien und Kirchen als Ansprechpartner. 

Helge Rosenstengel, der Vorsitzende der Dr. Jürgen Gesling Stiftung, der der Tafel 2015 den Umzug in die heutige Sammelstelle, einen ehemaligen Aldi-Markt in Königsborn, ermöglichte, geht noch einen Schritt weiter: „Die Kommunen könnten einmal pro Woche einen Linienbus bezahlen, der die Menschen in die Zentrale und wieder zurück bringt. Übergangsweise bis März ist das ein Kostenpunkt, der die Kommunen nicht überfordern würde.“ 

In der Zwischenzeit meldeten sich Bönener Leser in der Redaktion des Westfälischen Anzeigers, die die Schließung der Bönener Aussenstelle als skandalös bezeichnen und derzeit überlegen, wie ein Netzwerk aufgebaut werden könnte, um die Menschen weiterhin vor Ort mit Lebensmitteln zu versorgen.

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