Strom zum Nulltarif:  Förderprogramm soll  mehr Bönener zur Solaranlage bringen

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Keine Frage der Ästhetik: „Früher wurde mal darüber diskutiert, ob Solarmodule auf dem Dach hässlich aussehen“, sagt Christian Kamp. Heute sei das für viele kein Thema mehr. Die Vorteile überwiegen. Immerhin gibt es bereits 424 PV-Anlagen in der Gemeinde.

Bönen – Hat Ihr Dach mehr drauf? Diese Frage auf einem Werbebanner der Solarmetropole Ruhr für das Förderprogramm für Photovoltaik-Anlagen (PV) war der Auslöser für Christian Kamp, sein Hausdach am Südkamp mit einer Solaranlage auszustatten. Damit spart er komplett die Stromkosten. Zudem wurde er für seine Entscheidung mit Fördergeld in Höhe von 300 Euro belohnt.

Das Programm wurde bereits zum zweiten Mal mit 3000 Euro aufgelegt. „Die 300 Euro sind ein schöner Nebeneffekt, aber ausschlaggebend waren sie nicht“, sagt Kamp. „Alle reden von erneuerbaren Energien. Wir wollten da auch etwas tun.“ 

Sein Einfamilienhaus hat er vor fünf Jahren gebaut. Es nutzte bereits Solarpanels für die Warmwasserbereitung. Die Idee, auch für die Stromgewinnung umweltfreundliche Sonnenenergie zu nutzen, nahm nach und nach immer mehr Gestalt an. 

„Allerdings war es gar nicht so einfach, eine kompetente, unabhängige Beratung zu dem Thema zu bekommen“, erinnert sich Kamp. „Wenn ich im Internet recherchierte, bekam ich oft Antwort von Firmen, die mir gleich eine Anlage verkaufen wollten.“ 

Dann wurde er über das Plakat auf die Internetseite der Solarmetropole Ruhr aufmerksam. „Dort werden alle Fragen rund um die Photovoltaik-Anlage beantwortet. Mit einem Konfigurator kann man ausrechnen, wie viel Dachfläche nötig ist und wie viele Module man braucht je nach Strombedarf. 

Im Dachkataster sind alle Häuser der Gemeinde danach bewertet, ob grundsätzlich eine Solaranlage möglich ist. Unser Dach ist nach Süden ausgerichtet, da waren die Voraussetzungen ideal.“ 

Monatlich 120 Euro Stromkosten gespart

Die Familie entschied sich schließlich für das Angebot einer Bönener Firma, die die Anlage installierte. „Die Kosten lagen bei gut 25 000 Euro“, rechnet Kamp vor. „Bis dahin hatten wir als Vier-Personen-Haushalt monatlich durchschnittliche Stromkosten in Höhe von 120 Euro. Die fallen jetzt weg.“ 

Weiterhin zahlt er monatlich 15 Euro Zählergebühr für den Stromanschluss an die GSW. In 16 bis 17 Jahren, schätzt Kamp, habe sich die Anlage amortisiert. „Als die Anlage im Februar installiert wurde, war das Wetter denkbar ungeeignet. Es hat nur geregnet“, erinnert sich der Solaranlagenbesitzer. „Aber jetzt rennt sie richtig.“ 

Nachts oder wenn die Sonne mal nicht scheint, muss die Familie natürlich nicht auf Strom verzichten. „Wir haben eine Batterie, die überschüssigen Strom speichert, der Rest geht ins Netz. Wir wollen damit ja keine Gewinne machen, sondern am Ende eine schwarze Null schreiben.“ 

Die Batterie im Hauswirtschaftsraum speichert den überschüssigen Strom der Solaranlage für dunkle Zeiten.

Grundsätzlich habe seine Anlage eine Leistung von zehn Kilowatt Peak, sie sei aber auf sieben Kilowatt Peak gedrosselt. Das sei die gesetzliche Vorgabe. Sonst würde insgesamt von den Bönener Solaranlagen zu viel Strom produziert. 

Eine weitere Option für die Zukunft sei die Möglichkeit, Elektroautos mit eigenem Strom zu betanken. „Im Moment sind unsere Autos noch relativ neu, aber später können wir uns durchaus vorstellen, ein oder zwei E-Autos anzuschaffen“, sagt Kamp. Die könnten dann nicht nur zu Hause an die Steckdose, sondern auch an anderen Stromtankstellen kostenlos auftanken. „Das Stromguthaben in meinem Speicher würde dann auf andere Tankstellen übertragen.“ 

Das Antragsverfahren für die Fördermittel der Ausbau-Initiative Solarmetropole Ruhr sei in Kontakt mit dem Klimamanager der Gemeinde, René Böhm, problemlos und unbürokratisch gelaufen. „Die ausführende Firma muss dazu den Nachweis erstellen, dass die Anlage ordnungsgemäß installiert ist.“ Inzwischen hat Kamp die Fördersumme in Höhe von 300 Euro erhalten. 

„Seit Mai gibt es zusätzlich ein Förderprogramm vom Land für die Anschaffung eines Stromspeichers – 200 Euro pro Kilowatt Peak Leistung“, sagt Kamp. „Bei einer Leistung von 9,8 Kilowatt Peak, wie sie unser Speicher hat, hätte sich das für uns mit knapp 2000 Euro Fördersumme schon gelohnt. Aber das kam für uns leider zu spät.“

Das Förderprogramm 

Die Solarmetropole Ruhr ist eine Ausbau-Initiative des Regionalverbands Ruhr (RVR) und des Handwerks Region Ruhr, um langfristig den Klimaschutz in der Region voranzutreiben. 

15 Pilotkommunen nehmen an dem Förderprogramm teil, unter anderem Bönen. Ein erstes Förderprogramm, das jeweils 300 Euro an die ersten zehn Antragsteller vergab, die eine Photovoltaik-Anlage (PV) installierten, ist inzwischen abgeschlossen. Nun hat die Gemeinde nun in Zusammenarbeit mit dem RVR den Fördertopf für neu errichtete Anlagen um weitere 3000 Euro aufgestockt, sodass zehn weitere Antragsteller berücksichtigt werden können. 

Aktuell sind 424 PV mit einer Leistung von 7989 Kilowatt-Peak in Bönen registriert. Das entspricht der Energiemenge bei einem Solarertrag von etwa 1825 durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalten. 

Wer an dem Förderprogramm teilnehmen möchte, findet die Antragsunterlagen auf der Internetseite www.solar.metropole.ruhr und www.boenen.de in der Rubrik Klimaschutz. 

Auskünfte erteilt René Böhm per E-Mail an rene.boehm@boenen.de oder telefonisch unter der Rufnummer 93 33 54.

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