Streit um Tafel: Freiwillige ermöglichen Übergangslösung

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Christiane Geiger-Caen, Klaus Herbst und Helen Menzies-Eßkuchen (von links) wollen Gerd Wiese und die Bönener Helfer in der Übergangszeit unterstützen.

Bönen - Mindestens drei Monate lang sollte die Ausgabestelle der Unnaer Tafel in der Gemeinde geschlossen bleiben. Jetzt gibt es aber doch eine Lösung, um den Betrieb fortzuführen. 

Ab Dienstag können Berechtigte wieder Lebensmittel in der Awo-Tagessätte bekommen, wie gewohnt von 12.30 bis 14 Uhr. Zumindest vorübergehend ist die Ausgabestelle dienstags statt montags geöffnet.

Die Entscheidung des Unnaer Tafel-Vorstandes rund um die erste Vorsitzende Ulrike Trümper, vorübergehend vier Ausgabestellen – darunter auch die in der Gemeinde (unsere Zeitung berichtete) – konnten viele Bönener nicht nachvollziehen. Auch Helen Menzies-Eßkuchen, Christiane Geiger-Can und Klaus Herbst wollten die Schließung nicht einfach hinnehmen.

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Gemeinsam mit einigen Gleichgesinnten haben sie in den vergangenen Tagen nach einer Lösung gesucht – und diese tatsächlich gefunden. „Wir sind nach Königsborn gefahren, haben uns in der Zentrale informiert und mit Frau Trümper gesprochen“, berichtet Helen Menzies-Eßkuchen.

Zentrale sortiert Lebensmittel aus 60 Geschäften

Trümper hatte bekanntlich angegeben, dass ihr in der Tafel-Zentrale in Unna-Königsborn ab Jahresbeginn zu wenige Mitarbeiter zur Verfügung stünden, um alle neun bisherigen Ausgabestellen im Kreis wie gewohnt aufrecht zu erhalten. Daher habe sich der Vorstand entschieden, die vier kleinsten Ausgabestellen, Bönen, Unna-Masse, Fröndenberg und Holzwickede, vorübergehend zu schließen, so ihre Begründung.

In der Zentrale werden die gespendeten Lebensmittel von fast 60 Geschäften aus dem Kreis sortiert, gepackt und für den Transport zu den Ausgabestellen vorbereitet. Abgeholt und ausgeliefert werden die Waren ebenfalls von den Tafel-Mitarbeitern.

Bis Ende Dezember hat das Team in Unna vor allem aus Kräften bestanden, die durch ein Projekt des Bundes gefördert wurden. Diese Förderung ist ausgelaufen, der Tafel bleiben nur noch drei von bisher 35 geförderten Stellen.

Abholung mit eigenen Fahrzeugen

In den vier betroffenen Ausgabestellen arbeiten hingegen ausschließlich Ehrenamtliche. Deren Hilfsangebote, zum Beispiel die Lebensmittel selbst abzuholen oder zu sortieren, hatte Trümper bisher stets abgelehnt. Die Helfer müssten an fünf Tagen pro Woche jeweils sechs Stunden zur Verfügung stehen und nicht nur stundenweise aushelfen.

Jetzt scheint die Vereinsvorsitzende umzudenken. Helen Menzies-Eßkuchen und ihr Helferzirkel dürfen die Lebensmittel seit gestern in eigenen Fahrzeugen abholen, für Milchprodukte stellt der Verein sogar Kühlboxen zur Verfügung.

Ein schlagkräftiges Argument für den Sinneswandel war dabei sicher die Unterstützung des Kreises Unna, die sich Helen Menzies-Eßkuchen gesichert hat. Ein Mitarbeiter des zuständigen Sachgebietes Gesundheit und Verbraucherschutz hat sie noch am Freitag zur Tafel-Zentrale nach Königsborn begleitet, um sich über die Abläufe und Möglichkeiten zu informieren. Er gab schließlich grünes Licht für das Vorhaben der Bönener.

Ausgabe nun immer dienstags

Einziger Haken an der Sache: Statt montags können die Lebensmittel nun erst dienstags ausgegeben werden. Da Helfer aus Holzwickede und Fröndenberg Busse organisiert haben, die die Bedürftigen aus ihren Kommunen zu einem, von der Tafel zusätzlich eingerichteten Ausgabetag montags nach Königsborn bringen, schaffen es die Mitarbeiter dort nicht, die Lebensmittel für Bönen am gleichen Tag zusammenzustellen.

„Viele unserer ehrenamtlichen Helfer sind noch berufstätig. Sie haben sich ihre Arbeitszeiten so eingerichtet, dass sie montags helfen können. Das jetzt kurzfristig umzulegen, ist schwierig“, erklärt Gerd Wiese. Der Leiter der hiesigen Ausgabestelle und drei seiner Mitarbeiterinnen haben dennoch zugesagt, auch dienstags ausgeben zu wollen. Sie werden ab heute von Helen Menzies-Eßkuchen, Christiane Geiger-Caen, Klaus Herbst und weiteren Mitstreiter unterstützt – zumindest so lange, bis die Unnaer Tafel wieder regulär den Betrieb vor Ort wieder aufnimmt.

„Und das kann schneller gehen, als bisher erwartet“, weiß Klaus Herbst. Er hat sich beim Jobcenter erkundigt und erfahren, dass dort gerade Besetzungsverfahren für geförderte Stellen beziehungsweise Arbeitsgelegenheiten bei der Tafel laufen. 

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