Steigender Betreuungsbedarf: Rat stimmt Container-Kita zu 

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Das ehemalige Rathaus am Postplatz soll schon bald zur Kita umfunktioniert werden.

Bönen – Mit zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen stimmte der Gemeinderat nach langen Diskussionen schließlich der Nutzung des ehemaligen Rathauses auf dem Postplatz als Kindertageseinrichtung für eine Nutzungsdauer von 10 Jahren zu.

Ursprünglich hatte die Planung eine „Übergangslösung“ und eine Überlassung der leer stehenden Immobilie von fünf Jahren an den Kreis vorgesehen. 

Eingeladen hatte die Verwaltung die Leiterin des Fachbereichs Familie und Jugend im Kreis Unna, Katja Schuon, und Oliver Sonnack, zuständig für die Kindergartenbedarfsplanung beim Kreis, damit sie den Ratsmitgliedern zur aktuellen Situation vor der Abstimmung Rede und Antwort stehen. 

Bekanntlich baut die Awo eine neue vierzügige Kita in der Borgholzsiedlung. Bis die bezugsfertig ist (geplant ist die Fertigstellung zum 1. August 2020), soll der leer stehende Container am Postplatz zum Einsatz kommen – nach einem entsprechenden Umbau. Schließlich sind die Anforderungen an einen Kindergarten ganz anders als an ein Verwaltungsgebäude. 

In der Haupt- und Finanzausschusssitzung am 27. Juni hatten die Ausschussmitglieder kurzfristig erfahren, dass sich die Voraussetzungen für eine Förderung durch das Land ändert. Voraussetzung ist nun, dass die Gemeinde die Immobilie dem Kreis für zehn Jahre überlässt. 

Von einer Übergangslösung mochte da auch Katja Schuon nicht mehr sprechen. „Wir bekommen derzeit so viele Anfragen für Kitaplätze in Bönen, dass wir bereits die nächste Kita planen müssen“, so Schuon. Die würde dann nach dem Umzug der Awo-Kita in den Neubau in der Borgholzsiedlung am Postplatz einziehen. 

Wie kommt der erhöhte Bedarf zustande? Oliver Sonnack, zuständig für die Bedarfsplanung in den drei Kommunen Bönen, Holzwickede und Fröndenberg, betonte, dass die Entwicklung bei den Bedarfszahlen nicht linear sei. „Wir ziehen dazu nicht die Geburtenstatistik von IT NRW (dem statistischen Landesamt) heran, sondern die Einwohnermeldezahlen.“ 

Bedarf an Kita-Plätzen steigt stark an

In Bönen steige der Betreuungsbedarf so stark an, weil immer mehr junge Familien mit Kindern vorwiegend aus dem Ruhrgebiet zuzögen und immer früher ein Betreuungsplatz angefragt werde. „Wenn der Trend so weiter geht, dann müssen wir schon jetzt die nächste Kita in Bönen planen“, machte Katja Schuon deutlich.

„Wir wollen den Eltern in Bönen Betreuungsplätze anbieten. Aber bereits jetzt fehlen uns über 50 Kita-Plätze zum 1. August.“ Sie geht nach der derzeitigen Entwicklung davon aus, dass der Bedarf in Zukunft weiter steigen wird. Das umgebaute Gebäude an der Poststraße könnte dann weiter als Kita genutzt werden, so dass sich die veranschlagten Umbaukosten von rund 650 000 Euro amortisieren würden. 

Ratsmitglieder kritisieren: Informationen zu kurzfristig

Friedhelm Lange gab zu bedenken, dass ein Container, der als nicht mehr tauglich für die Verwaltung aufgegeben wurde, nun langfristig als Kita dienen soll. „Wie sind die baulichen Vorraussetzungen im Bereich Hygiene und Akustik? Bei einem Kindergarten sind die Ansprüche anders als bei einem Verwaltungsgebäude?“ 

„Wir haben bereits Erfahrung mit Containern“, so Schuon. Statik und Wärmedämmung des Rathauscontainers müssten noch geklärt werden. Da sei der beauftragte Architekt in Kontakt mit der Gemeinde. Sollte der Umbau allerdings nicht möglich sein, dann gebe es keine Alternative, machte Schuon auch ganz deutlich. Ein Neubau würde viel zu lange dauern. „Wir brauchen die Betreuungsplätze jetzt.“ 

Wie der Kindergarten im Rathauscontainer später aussehen wird, auch dazu gibt es noch keine konkreten Pläne, wie einige Ratsmitglieder kritisierten. Dr. Gerrit Heil (Bündnis 90/Die Grünen) monierte: „Ich bin skeptisch, weil wir viel zu spät und nur kurzfristig Informationen zu dem Projekt bekommen.“ 

Letztlich stimmte der Rat mehrheitlich der Überlassung des Containers für zehn Jahre zu – und beugte sich dem Argument des Zeitdrucks, um betroffene Eltern nicht im Regen stehen zu lassen.

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