Vorfall in Bönen

Staupevirus im Kreis Unna: Infizierter Waschbär blieb 24 Stunden eine Gefahr im Wald

Apathisch und ohne üblichen Fluchtreflex: Der offenbar mit Staupe infiziert Waschbär im Mergelbergwald.
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Apathisch und ohne üblichen Fluchtreflex: Der offenbar mit Staupe infiziert Waschbär im Mergelbergwald.

In Bönen und Umgebung grassiert eine tödliche Tierseuche: die Staupe. Infizierte Tiere sollten schnellstens unschädlich gemacht werden - theoretisch. Ein Bericht über die Praxis:

Bönen - Die Staupe ist eine hochansteckende Virusinfektion. Für erkrankte Tiere – speziell Hunde – gibt es keine Rettung, nur eine vorherige Impfung kann sie schützen. Seit einiger Zeit grassiert die Staupe in Bönen. Jäger fanden Mitte November einen kranken Fuchs sowie zwei Waschbären. Die Tiere wurden von ihrem Leiden erlöst und zur Untersuchung der Bezirksregierung übergeben. Die Veterinäre bestätigten den Staupe-Verdacht.

StaupeVirusinfektion
BetroffenHunde, Katzen, Füchse, Waschbären, Marder, Bären
KrankheitsverlaufHohes Fieber, Durchfall, Erbrechen, Atemwege befallen
VorbeugungImpfstoff vorhanden

Staupe im Mergelbergwald: Waschbär rührt sich nicht mehr

Am Montag saß im Mergelbergwald ein augenscheinlich schwer kranker Waschbär direkt neben dem Weg im Laub. Er bewegte lediglich den Kopf und schreckte auch bei Spaziergängern und Hunden nicht auf, die an ihm vorbei gingen. Das fehlende Fluchtverhalten des Wildtieres war sehr auffällig und ist ein typischer Hinweis auf Krankheiten wie Staupe.

Staupe unterschätzt? Lange Leitung bei den Behörden

Das Bönener Ordnungsamt fühlte sich trotz der Seuchengefahr nicht verantwortlich, wie ein Anruf im Bönener Rathaus ergab. Zumindest wollte der Mitarbeiter dort aber die passende Stelle informieren. Das sei der für dieses Revier zuständige Bejagungsbeauftragte, hieß es. Wer genau das ist, wurde aber nicht angegeben.

Am Nachmittag hatte sich noch nichts getan. Dazu sei noch niemand gekommen, hieß es. Schließlich gäbe es eine Corona-Pandemie, um die sich die Mitarbeiter kümmern müssten. Ein kranker Waschbär sei da nachrangig, schließlich sei das die natürliche Auslese der Natur, erfuhr die Anruferin. Der Mitarbeiter wolle nun aber selbst beim Kreis Unna anrufen, ergab ein erneuter Anruf bei der Bönener Behörde. Der Anruf beim Jäger war offenbar nicht erfolgt – trotz des Hinweises auf die mögliche Staupe-Infektion. Die geht sehr schnell auf Hunde über, wenn sie an einem kranken Tier oder dessen Körperausscheidungen schnuppern.

Vermeintlich toter Waschbär bleibt trotz Staupe lange im Mergelbergwald liegen

Später am Nachmittag meldete sich das Ordnungsamt zurück: Der zuständige Mitarbeiter beim Kreis sei jetzt informiert und wolle sich kümmern. Bei einer Nachfrage dort stellte sich heraus, dass der angesprochene Sachbearbeiter einen Außentermin hatte und nicht erreichbar war. Seine Kollegin wusste nichts von dem Fall. Auch einer der Bönener Jäger oder der Hegering waren trotz mehrfacher Versuche telefonisch nicht zu erreichen.

Am nächsten Morgen lag der Waschbär noch an der selben Stelle – auf den ersten Blick inzwischen verstorben. Da der tote Körper weiterhin eine Gefahr für andere Waldbewohner und insbesondere für Hunde darstellt, sollte er dringend beseitigt werden. Erst ein Anruf beim Bönener Jäger Hans-Peter Stratemann, der den ersten mit Staupe infizierten Fuchs entdeckt hatte, war erfolgreich. Der Osterbönener ist zwar nicht für den Mergelbergwald zuständig, informierte aber einen Jäger, der den Kadaver am Dienstagmittag aus dem Wald holte.

Hinweisgeberin blieb ratlos zurück

Der kleine Waschbär lebte bis dahin wohl noch, wie sich später herausstellte. Eine Spaziergängerin hatte das Tier am Dienstagvormittag gesehen, da hatte er noch den Kopf gehoben und sie angeschaut. Auch sie hatte daraufhin verschiedene Stellen angerufen, etwa des Ordnungsamt der Gemeinde und die Polizei. Beide verwiesen darauf, einen Jäger anzurufen. „Ich kenne aber keinen“, so die Bönenerin.

Mehr als 24 Stunden muss das Tier demnach tödlich krank und hoch ansteckend an Ort und Stelle verbracht haben, in dem gerade bei Hundebesitzern sehr beliebten und stark frequentierten Mergelbergwald. „Schon aus Tierschutzgründen muss da schneller gehandelt werden“, sagte Yvonne Schulz-Garbe von der Kreisjägerschaft. „Ein Tier sollte keinesfalls so lange leiden müssen.“

Die Gefahr einer Staupeinfektion sei zudem immens. Schulz-Garbe rät dazu, sich sofort an die örtlichen Jäger zu wenden, falls jemand ein krankes Tier, einen Fuchs oder einen Waschbär, entdeckt. Keinesfalls dürfen die Tiere angefasst werden. Auch die Polizei helfe in der Not weiter. „Zwar sind wir nicht zuständig, die 110 zu wählen ist aber nicht komplett falsch“, sagte Polizeisprecher Christian Stein. Die Beamten würden an verantwortliche Stelle weiterleiten.

Fachleute erwarten wegen Staupe erheblichen Wildtierverlust

Fachleute gehen davon aus, dass die Staupewelle den Waschbär- und en Fuchsbestand in Bönen, vielleicht sogar im gesamten Kreis Unna, vernichten wird. Während der aus Nordamerika eingewanderte Waschbär eher als Plage angesehen wird, weil er die heimischen Tierarten bedroht, Nester plündert und Jungtiere frisst, gilt der Fuchs als nützlich. Er frisst Mäuse, Kaninchen und Aas.

Hundebesitzern ist hingegen dringend empfohlen zu prüfen, ob ihr Liebling einen Impfschutz hat. Für die Vierbeiner endete die Staupe fast immer tödlich.

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