Alexandra Thätner betreut ein Lehrprojekt für Theologiestudenten

Rom statt Jerusalem: Bönenerin muss wegen Corona oft umplanen 

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Die Bönenerin Alexandra Thätner betreut ein Lehrprojekt für Theologiestudenten und ist dafür zur Zeit in Rom unterwegs.

Bönen. Auf dem Aventin, einem der sieben Hügel Roms, hat die Bönenerin Alexandra Thätner seit einigen Wochen ihre Zelte aufgeschlagen. Genauer gesagt, wohnt sie auf dem Gelände des Päpstlichen Athenaeum Sant’Anselmo, der Universität Benediktinerordens. Eigentlich aber wäre sie jetzt in Jerusalem.

Die 27-Jährige hat im Sommer ihr Magisterstudium der katholischen Theologie in St. Agustin abgeschlossen, 2018 verbrachte sie als Studentin zwei Semester in Jerusalem. Nun steht sie auf der anderen Seite und gehört zu dem vierköpfigen Organisationsteam des sogenannten Theologischen Studienjahrs Jerusalem, das für 20 Studierende aus Deutschland und einen aus der Schweiz der verschiedenen christlichen Konfessionen das Programm für die neun Monate ausarbeitet und durchführt. 

Im Pontificio Ateneo e Collegio Sant’Anselmo ist Alexandra Thätner während ihres Aufenthalts in Rom untergebracht.

Die Leitung hat die Professorin Johanna Erzberger, Thätner ist eine ihrer beiden Assistentinnen. Für die Spiritualität ist der auch aus dem ZDF bekannte Pater Nikodemus Schnabel zuständig. „Das sind sportliche Wochen“, sagt die Tischtennisspielerin der TTF Bönen, die seit Anfang September in Rom ist: „Wir müssen viel organisieren und umplanen.“ Corona macht der Gruppe einen Strich durch die Rechnung, seit vergangener Woche sind in Italien beispielsweise auch die Museen geschlossen, deren Besuche ebenfalls auf der Agenda stehen. 

Keine Einreise nach Israel möglich

Ursprünglich wollten Thätner und Co. auch gar nicht nach Rom, es heißt schließlich Theologisches Studienjahr Jerusalem und dort wollten die Teilnehmer wie in jedem anderen Jahr auch hin. Doch eine Einreise war aufgrund der hohen Infektionszahlen in Israel nicht möglich. Seitdem gilt es zu improvisieren. Mit Rom haben es die Theologiestudenten selbstredend auch ganz gut getroffen. Die Geschichte des Christentums ist eng mit der Metropole verbunden – und der Papst wohnt auch gleich um die Ecke. So gehörte ein Besuch des Petersdoms natürlich zu den ersten Exkursionszielen. 

Die Mitte September angereisten Studenten leben ebenfalls im Athenaeum, dem neben der Universität auch das von über 70 Mönchen aus der ganzen Welt bewohnte Kolleg und die weltweite Kurie zugeordnet sind. Neben dem Kennenlernen und Eingewöhnen an die Abläufe vor Ort standen schon einige Lehrveranstaltungen auf dem Plan. Für jeweils eine Woche Präsenzunterricht werden die Dozenten eingeflogen. Zusätzlich gibt es Gastvorträge wie zuletzt von der ehemaligen Bildungsministerin Annette Schavan und vom israelischen Botschafter in Rom. 

Auf den Spuren des Ordensgründers

Außerdem wanderte die Gruppe auf den Spuren des Ordensgründers den Benediktweg, am vergangenen Wochenende war der Besuch der Hafenstadt Ostia geplant, um dort archäologische Ausgrabungen zu besichtigen. Doch daraus wurde wegen der aktuellen Corona-Auflagen nichts. Der Besuch des Forum Romanums blieb auf den Außenbereich beschränkt. Die italienische Regierung hatte angesichts explodierenden Coronazahlen, zuletzt über 30 000 Neuansteckungen am Tag, die Maßnahmen verstärkt. Erst gab es eine Sperrstunde ab Mitternacht, die mittlerweile auf 22 Uhr verkürzt wurde. Rom zählt zur sogenannten gelben Zone. Die Gastronomie hat bereits ab 18 Uhr geschlossen. „Man geht abends nicht mehr raus“, sagt die Bönenerin. 

Die dynamische Lage schränkt die Freizeitaktivitäten ein, die für Unternehmungen außerhalb des Lehrplans bleiben und fordert eine hohe Anpassungsfähigkeit desselben. „Man muss von jetzt auf gleich reagieren, bereit sein, sehr kurzfristig auf die neuen Regelungen zu reagieren“, sagt Thätner mit Blick auf das aktuelle Studienprogramm. „Mittlerweile sind wir nicht mehr bei Plan B, sondern eher bei D, E und F.“ 

Das Päpstliche Athenaeum Sant'Anselmo in der Außenansicht.

Weniger Touristen in der Hauptstadt Italiens

Wenn sie mal rauskommt, ist für sie aufgefallen, „dass die Stadt viel leerer ist“. An den Sehenswürdigkeiten und in Museen habe sie wegen der fehlenden Touristen nun Zeit und Platz. „Das ist vielleicht die positive Kehrseite, die man gut für sich nutzen kann“ – zumindest bis vergangene Woche. Die strengen Schutzmaßnahmen, die die Regierung getroffen hat, führte auch in Italien zu Demonstrationen, die teilweise gewalttätig wurden. 

Doch Thätner hat auf der anderen Seite auch eine Selbstverständlichkeit des Maskentragens wahrgenommen. „Man sieht kaum jemanden, der keine Maske trägt“, sagt sie. Beim Desinfizieren gegen Schmierinfektionen seien die Einheimischen ebenfalls gründlicher, als sie das noch aus Deutschland kenne. „Man merkt, dass Italien zum zweiten Mal stark betroffen ist. Vielleicht ist die Angst aus der Erfahrung heraus größer.“ 

Regelmäßige Anpassung der Lehrpläne

Dass das Studienjahr ganz abgebrochen wird, damit rechnet Thätner nicht. Im Gegenteil, nach derzeitiger Planung soll nach der Weihnachtspause doch noch nach Jerusalem umgezogen werden. Viele Themen rund um die heilige Stadt und das dortige Wirken Jesu haben die Organisatoren deshalb in das zweite Semester gepackt. „Aber ein blödes Virus hält sich natürlich nicht an die Stimmigkeiten in so einem Plan“, sagt Thätner zur Anpassung der Lehrpläne. Bis dahin bleibt sie pragmatisch: „Natürlich ist es schade, dass wir nicht in Israel sind. Aber auch Italien ist spannend, wir machen das Beste draus. Und wenn man überlegt, wie die Dinge derzeit sind, geht uns gut.“

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