Zu Fuß statt hoch zu Ross: Wallach Tachi wird in Bönen zum Wanderpferd ausgebildet

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Hartmut Seba will mit Wanderpferd Tachi auf große Tour gehen. Dafür sind umfangreiche Vorbereitungen notwendig.

Bönen – Tachi wird ein Wanderpferd. Zumindest will sein Besitzer Hartmut Seba herausfinden, ob das norwegische Fjordpferd die Voraussetzungen erfüllt und das funktioniert in Bönen recht gut. 

„Wir waren auf der Bahnhofstraße unterwegs und das hat ihm überhaupt nichts ausgemacht“, freut sich der Pferdefreund. Hartmut Seba hat ein eher ungewöhnliches Hobby: Er reitet das Pferd nicht, sondern wandert mit Tachi über größere Entfernungen. Das erfordert umfassende Vorbereitungen.

Der 22-jährige Wallach, der schon sein ganzes Leben bei Hartmut Seba verbringt, nahm den Bönener Straßenverkehr sichtlich gelassen. Im Gelände kennt sich das kleine Pferd, dessen Name aus dem Mongolischen stammt und soviel wie Wildpferd heißt, gut aus. Seba hat ihn nach der Horsemanship-Methode ausgebildet. 

Kommunikation mit dem Pferd sehr wichtig

Darunter ist ein fairer und kommunikativer Umgang mit dem Pferd gemeint. Dafür ist der 63-Jährige schon vor dem Pferdekauf nach Mexiko gereist, um dort bei Pferdetrainer Alfonso Aguilar zu lernen. Hartmut Seba ist die Kommunikation mit dem Pferd sehr wichtig. Das Reiten liegt ihm gar nicht so sehr am Herzen. Geritten wird das falbfarbene Pferd aber dennoch, Sebas Lebensgefährtin setzt den kinderfreundlichen Vierbeiner zum therapeutischen Reiten ein. 

Das Reisen ist für den Wallach auch keine neue Erfahrung. Das Paar ist mit ihm und einem zweiten Pferd bereits nach England und Dänemark gereist. Die Heimatregion zu Fuß zu erkunden und auf der Strecke samt Pferd zu übernachten, das ist allerdings neu und stellt das ungewöhnliche Wanderpaar vor ganz besondere Herausforderungen. „Ich muss noch herausfinden, wo wir übernachten können“, ist eine der Aufgaben. Vorstellen könnte sich der Naturfreund eine Weide für Tachi und eine Pension für sich. 

Optimal wäre es, wenn Rinder auf der Weide stünden, denn bei fremden Pferden fürchtet er Rangkämpfe, die für seinen vierbeinigen Freund gefährlich werden könnten. Allein soll Tachi über Nacht aber auch nicht sein, denn das kennt er nicht. Im heimischen Stall auf der Bönener Reitanlage Hacheney lebt das urige Fjordpferd in einer Offenstallanlage mit anderen Pferden. 

Ohne Hufeisen unterwegs

Auch bei der Auswahl der Wege achtet Tachis Besitzer, der in Unna lebt, genau darauf, dass es dem Tier gut geht. Tachi brauchte bislang keine Hufeisen. Seine Hufe sind von Natur aus gut. Die freie Haltung trägt außerdem dazu bei, dass Tachis „Füße“ belastbar sind. Auf einer langen Wanderung kann sich das aber ändern. 

„Vielleicht brauchen wir dann Hufschuhe“, zieht Seba in Erwägung, obwohl ihn der Gedanke an das zusätzliche Gepäck abschreckt, denn Tachi lebt auf großem Fuß. Seinen vierbeinigen Freund beschlagen zu lassen, kommt für ihn nicht in Frage. Lieber weicht er auf weiche Wege aus, auch wenn die Strecke sich dadurch deutlich verlängert. Besonders schnell kommen Pferd und Mensch ohnehin nicht voran. „Ich habe ausprobiert, dass wir etwa vier Kilometer pro Stunde schaffen“, nimmt es Hartmut Seba gelassen. 

Nur das Nötigste kommt mit

Beim Gepäck wird die Auswahl knapp ausfallen. Nur das Nötigste kommt mit. Tachi darf unterwegs während der Pausen fressen, damit er genug in den Magen bekommt. Außerdem gibt’s Haferflocken. Wasser muss Seba unterwegs mit einem Falteimer aus Bächen schöpfen oder bei Anwohnern klingeln und um einen Eimer Wasser bitten. Die erste größere Tour ist über den Ruhrhöhenweg geplant. 

Dann will Hartmut Seba, der sich als Chemiker dank gründlicher Vorbereitung eine längere berufliche Auszeit nehmen kann, die Strecken zunehmend ausdehnen und schließlich mit Tachi bis nach Stade wandern, um Verwandte zu besuchen. In Zukunft wird das ungleiche Gespann in und um Bönen noch öfter zu sehen sein. Wer Fragen hat, darf ihn gerne ansprechen.

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