Neue Serie

Start ins Bienenjahr: Nach dem Winter werden die Stöcke wieder flott gemacht

Bienen Bienenstock Imker Martin Greitzke und Sohn Jannick
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Wie geht es den Bienen nach dem Winter? Der Bönener Imker Martin Greitzke und sein Sohn Jannick überprüfen die Völker und den Zustand der Bienenstöcke.

Winter ade: In die letzten Flocken dieser Tage mischen sich schon erste Blütenblätter. Der Frühling naht, das kann man an warmen Tagen sogar am Summen schwarz-gelb gestreifter Insekten hören. Aber: Wie überstehen Bienen eigentlich den Winter? Wann kehrt das Leben rund um den Bienenstock zurück? Wie fit sind die Tiere an heißen Sommertagen? Antworten auf Fragen wie diese gibt unsere neue Serie „Das Bienenjahr“. Zu jeder Jahreszeit wird in den kommenden Monaten ein Artikel Einblick in die Arbeit der Imker geben.

Bönen - Zum Auftakt haben wir Martin Greitzke, Vorsitzender des Imkervereins, und seinem Sohn Jannick beim Start in die Saison über die Schulter geschaut. Seit Februar werden ihre Völker allmählich aktiv. „So 12 bis 15 Grad Lufttemperatur sollten es sein“, sagt Martin Greitzke. Diese Bedingungen stellten sich durch den Klimawandel immer früher im Jahreslauf ein.

„Wir kontrollieren zunächst, ob die Völker überlebt haben“, erklärt der Senior die erste Frühjahrsarbeit. Eins der 15 Völker hat es nicht geschafft. „Aber das war unsere Schuld“, geben die Imker zu, „der Schutz gegen Mäuse fehlte.“

Wichtig für den Start ins neue Bienenjahr ist, dass Haselnuss, Erle und Krokus blühen. „Das sind Pollenspender. Dieses Eiweiß benötigen die Bienen, um wieder Kraft zu tanken“, erklärt Jungimker Jannick. Schließlich kostet es die Tiere sehr viel Energie, den Stock den Winter über zu heizen. Bienen bringen ihr Haus über die Körperwärme durch Flügelschlag auf 30 bis 35 Grad Celsius. Sie schwitzen sozusagen ihr Heim kuschelig warm.

Obstblüte bringt Futter für die Brut

„Jetzt haben wir auf die Obstblüte gewartet“, erzählen die beiden Bönener Imker. In Apfel- und Kirschblüten können die Insekten Nektar sammeln, diesen dann im Honighaus einlagern, um ihn anschließend an die geschlüpfte Brut zu verfüttern.

Jannick Greitzke zeigt einen frischen und einen gebrauchten Bienenrahmen. Die Rahmen werden im Bienenstock übereinander platziert.

Imker und Tiere haben bis dahin schon eine Menge Vorarbeit geleistet. Die Zweibeiner reparieren im Frühjahr die Zargen – die verschiedenen Ebenen des Stocks. Die Greitzkes nutzen Holz, das abgeschliffen und neu lasiert werden muss. Ferner wird der Zustand des Bienenrähmchens überprüft. Im Rechteck laufen Drähte, auf denen die mit Waben geprägten Bienenwachsplatten aufgelegt werden. Jannick Greitze hält die beiden Kontaktstifte seines Einlöttrafos an die Endpunkte der Drähte.

Kurz, denn es fließen immerhin zweieinhalb Ampere durch das Metall. Die Hitze lässt die Wachsplatten anschmelzen, sie haften an den Drähten. Das erfordert Geschick. Zu lang erhitzt heißt: Die Platte wird in Streifen geschnitten. Das passiert dem 17-Jährigen trotz seines enormen Arbeitstempos nicht. Wenn die Drähte durchhängen, kann man sie bedingt spannen oder austauschen. Ansonsten würden die Wachsplatten nicht mittig positioniert. Da in der Beute – also der Behausung im Bienenstock – die Rähmchen dicht an dicht hängen, wäre kein Platz für ordentlichen Wabenbau.

Die frischen Waben erhält die Imkerei Greitzke quasi im Tausch gegen den geklärten Bienenwachs. Martin Greitzke zeigt, wie ein Block, den er im Handel abgibt, aussieht. In den Waben befinden sich Verpuppungshaut und andere Verunreinigungen, die herausgefiltert werden. „Denn für Verunreinigungen gibt es Abzüge im Handel. Ansonsten schlägt der Lieferant etwa fünf Euro pro Kilo Wabenplatte drauf“, erklärt Martin Greitzke.

Wildbau am Bienenstock

Nach getaner Heimarbeit wird die Schubkarre mit den Honighäusern bestückt. Eine wackelige Angelegenheit bei der Fahrt über den Acker. Im nahen Wäldchen stehen insgesamt drei Stöcke, bisher nur mit den Bruträumen bestückt. Jannick Greitzke schlüpft in seine neue Schutzkluft, streift die Handschuhe über. Martin Greitzke befeuert den Smoker mit Lavendelspreu. „Das beruhigt nicht nur die Bienen“, scherzt er. Jedes Volk habe einen eigenen Charakter. Diese hier auf der Flur nördlich des Bockeldamms sind friedlich.

Frische Wachsplatten werden von den beiden Imkern für die Benutzung im Bienenstock vorbereitet.

Jannick Greitzke hebt den Deckel, zieht den ersten Rahmen heraus. Die Waben sind mit Pollen, Nektar und Brut in der Mitte gut bestückt. Rahmen um Rahmen wird kontrolliert – nichts Ungewöhnliches. Wildbau an der Unterseite einiger Rähmchen deutet aber auf Platznot hin. Er wird entfernt. Zuviel Brut bedeutet, dass die Honigausbeute für den Imker geringer ausfällt, da Bienen mehr Nachwuchs füttern müssen. Die beiden Imker beschließen trotzdem, Abstandshalter zu entfernen, um einen weiteren Rahmen einzusetzen zu können, damit ordentlich gebaut wird.

Anschließend kommt noch das Honighaus auf den Stock. Dort wird der frische Nektar der Obstblüte dann Platz finden. Und dieser soll regelmäßig abgerntet werden – ein Thema für einen späteren Beitrag der Serie im Rhythmus des Bienenjahres.

Die wichtigste Arbeit ist für den Moment erledigt in Greitzkes Zucht – Abendbrot ist angesagt. Anschließend werden sich die beiden Imker noch einmal auf den Weg machen. Dann wollen die Bönener den Bienenstock mit Steinen unterfüttern, damit der inzwischen stattliche 1,97 Meter große Jannick Greitzke sich nicht mehr so bücken muss und die Bienenarbeit ihm statt des süßen Lohns nicht eines Tages bittere Schmerzen im Rücken beschert.

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