Rad- und Wanderwege bleiben befallen

Eichenprozessionsspinner befällt Bönener Wald: Aber die Gemeinde tut wenig

Der Eichenprozessionsspinner macht sich in Bönen breit
+
Dutzende solcher Nester hängen in den Eichen auf dem Weg zum Mergelbergwald in Bönen.

 Es war nicht kalt genug oder zumindest nicht lange genug kalt. Der heftige Wintereinbruch im Februar mit zweistelligen Minusgraden in der Nacht konnte dem Nachwuchs des Eichenprozessionsspinners (EPS) jedenfalls nichts anhaben. Der hat sich in diesem Sommer nochmals deutlich ausgebreitet und etliche Bönener haben inzwischen unangenehme Bekanntschaft mit seinen giftigen Brennhaaren gemacht. Besonders extrem ist es derzeit rund um den Mergelbergwald. Dort will die Gemeinde aber nichts gegen die Raupen unternehmen.

Bönen - Das größte zusammenhängende Waldstück in der Gemeinde ist beliebt. Der kleine Forst mit dem großen See und dem angelegten Wegenetz, zwei Schutzhütten und etlichen Bänken zum Pausieren ist das Naherholungsgebiet im Ort schlechthin. Das hat sich besonders in der Pandemie-Zeit gezeigt. Selbst die Nachbarn aus Hamm oder Kamen kommen, um dort Sport zu treiben oder frische Luft zu schnappen. Dutzende Jogger, Hundehalter, Radfahrer, Familien mit Kinder und Spaziergänger sind dort täglich unterwegs. Dazu kommen Kinder- und Jugendgruppen aus den Kitas und Schulen. Sie alle müssen nun extrem acht geben.

Vor allem auf dem Weg von der Lenningser Straße hinter dem Friedhof in den Wald hinein hängen an den Eichen dutzende Nester, teils direkt über den Köpfen der Menschen. Doch auch im Wald selbst und auf den anderen Wegen, die hineinführen, hat sich der EPS breitgemacht. Viele, die dort unterwegs waren, klagen über Reaktionen auf das Nesselgift Thaumetopoein, das in den Haaren der Larven enthalten ist. Eine Windböe reicht, um den Giftstoff auf die Haut zu bringen.

Dort entwickelt sich häufig ein stark juckender und brennender Ausschlag, wie etwa Sandra Lohsträter schon feststellen musste. Normalerweise dreht die Nordic-Walkerin mehrfach wöchentlich ihre Runden im Mergelbergwald. Doch nachdem sie am Hals heftigen Ausschlag von den Brennhaaren bekam, meidet sie die Strecke, die für sie quasi vor der Haustür liegt. „Jetzt gehe ich lieber durch das Sandbachtal.“ Dort sind zwar gleichfalls Nester zu sehen, doch bisher ist die Bönenerin von weiteren Ausschlägen verschont geblieben.

Zunehmend Thema in den Apotheken

So wie Sandra Lohsträter halten es mittlerweile zahlreiche Bönener, die sich bei der Redaktion darüber beschwert haben. Bei manchen ist die Reaktion so heftig ausgefallen, dass sie mit Cortison behandelt werden müssen, wie der Apotheker Stefan Oyen berichtet. „In den vergangenen Tagen ist der Eichenprozessionsspinner wieder vermehrt Thema in unseren Apotheken gewesen“, erzählt er. Betroffene hätten sich mit Salben und Gele mit antiallergische Wirkstoffen eingedeckt, die die Symptome lindern. Der Pharmazeut geht davon aus, dass das in den kommenden Wochen zunehmen wird. In ganz schlimmen Fällen müssen die Betroffenen unbedingt zum Arzt, denn das Gift kann einen allergischen Schock hervorrufen.

Die Gemeinde ist zwar inzwischen an einigen Stellen tätig geworden, beispielsweise auf dem Spielplatz am Königsholz und dem Sportplatz am Rehbusch, den Mergelbergwald beziehungsweise die Wege drum herum haben die Verantwortlichen jedoch nicht für Maßnahmen in den Blick genommen.

„Wir haben diesen Bereich in unserer Online-Karte dargestellt. Generell fällt der Weg, beziehungsweise das Waldstück, nicht unter die prioritären Bereiche, die abgesaugt werden sollen. Aktuell sollen nur Bereiche mit besonderen Gefährdungspotenzialen, zum Beispiel Kindergärten und Schulen, und stark frequentierte Bereiche im Innenbereich abgesaugt werden“, gibt der zuständige Fachbereichsleiter Robert Eisler von der Gemeindeverwaltung an. Waldgebiete, Radwege und Ähnliches im Außenbereich seien davon ausgenommen. „In einem Waldgebiet zählt der EPS zu den waldtypischen Gefahren, deren Risiken beim Betretenhinzunehmen sind“, begründet Eisler dies mit Landesvorgaben.

Bei der Bekämpfung des EPS werde das allgemeine Ordnungsrecht angewendet. „Die Bekämpfung sollte unter Abwägung der Gesundheitsgefahren für Menschen und unter ökologischen Gesichtspunkten erfolgen“, so der Fachbereichsleiter. Dazu habe das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes im vergangenen Jahr einen neuen Praxisleitfaden für die Städte und Gemeinden herausgegeben. „In diesem Leitfaden ist eine Priorisierung der Befallsorte vorgegeben. Der beschriebene Weg zum Mergelbergwald fällt unter die Kategorie drei, befallene Bäume befinden sich an Wegen und Straßen, die von Fußgängern sowie gelegentlich vom Rad- und Autoverkehr genutzt werden.“

Gemeinde rät Bürgern, die Bereiche zu meiden

Und dort sei laut Leitfaden vorgesehen, die Bevölkerung zu informieren, Warnhinweise aufzustellen und bei besonders akutem Befall Wege abzusperren. „Wenn dieser Bereich übermäßig stark befallen sein sollte, werden wir zusätzliche Warnhinweise aufstellen und den betroffenen Waldeingang im Zweifel absperren“, so Eisler. Es gebe schließlich verschiedene Alternativen den Mergelbergwald zu betreten.

Außerdem handele es sich bei diesem Abschnitt um einen geschützten Landschaftsbestandteil in einem Landschaftsschutzgebiet, in welchem das Absaugen eine negative Beeinflussung der schützenswerten Fauna und Flora bedeuten könnte. „Insofern bitten wir um Verständnis, dass dort nicht abgesaugt wird. Die Bürger sollten den Bereich meiden.“

In den vergangenen beiden Jahren wurden die Bäume entlang des Weges sehr wohl von einem Fachunternehmen abgesaugt. Und auch der angrenzende Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde ist in diesem Sommer nunmehr „raupenfrei“. Dort hat die Kirchengemeinde vor rund zwei Wochen Fachleute mit dem Absaugen beauftragt.

Im kommenden Jahr dürften aber die Eichen auf der Anlage wieder befallen sein. Im September schlüpfen die Falter am Wanderweg und werden erneut den Friedhof anfliegen, um dort ihre Eier abzulegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare