Komplex hat offenbar Eigentümer gewechselt

Sprung über den Zaun bei Woolworth: 41-Jähriger soll Geldstrafe zahlen

Woolworth Bönen
+
Das seit Jahren leer stehende Gebäude soll einen neuen Eigentümer haben, der aber bisher nicht bekannt ist.

Im Mai verschaffte sich ein 41-Jähriger offenbar Zutritt auf das Woolworth-Gelände im Bönener Industriegebiet und wurde von einem Security-Mitarbeiter entdeckt. Gegen den Strafbefehl wegen Hausfriedensbruchs legte er Einspruch ein, zum Prozess vor dem Amtsgericht Unna erschien er nun allerdings nicht. Sein unentschuldigtes Fehlen hatte Folgen.

Bönen/Unna - Was den Mann aus einer Kleinstadt am Teutoburger Wald am 20. Mai nach Bönen zog, blieb offen. Vielleicht war es der Reiz eines „Lost Place“, zu dem das verlassene Gelände zählt. Mitten am frühen Nachmittag, so zumindest der Vorwurf gegen den 41-Jährigen, der augenscheinlich bereits einschlägig in Erscheinung trat, kletterte er über den Bauzaun – und wurde erwischt. Kurz darauf wurde ihm ein Strafbefehl zugestellt. Er sollte 900 Euro Geldstrafe zahlen. Damit war er offenbar nicht einverstanden und legte Einspruch ein.

Nun sollte der Fall in Unna verhandelt werden. Von dem 41-Jährigen fehlte jede Spur. Ein Dolmetscher und der Security-Mitarbeiter, der nach eigenem Bekunden zum ersten Mal in sechs Jahren wegen eines derartigen Vorfalls als Zeuge geladen wurde, mussten unverrichteter Dinge entlassen werden. Ärgerlich, doch für den Angeklagten endete das Ganze nicht weniger unschön. Sein Einspruch gegen den Strafbefehl wurde in seiner Abwesenheit verworfen.

Immer wieder Einbrüche auf Woolworth-Gelände

Der Besucher war beileibe nicht der einzige, der sich widerrechtlich Zutritt zu dem Komplex verschafft hat. Das ehemalige Verwaltungsgebäude mit dem riesigen Hochregallager wird seit dem Auszug der einst insolventen Einzelhandelskette 2010 immer wieder heimgesucht von Menschen mit unterschiedlichen, immer aber unberechtigten Interessen. Osteuropäische Diebesbanden räumten aus dem Komplex aus, was sich tragen und zu Geld machen ließ. Graffiti-Sprayer verewigten sich im Inneren, Paintballer nutzten die Hallen als Übungsfläche. Im Inneren wurden Videos gedreht und sogar ein Tauchgang unternommen, denn der große Keller steht voller Wasser.

Zum einen gab es dort vor Jahren einen Wasserrohrbruch, der, wochenlang nicht bemerkt, tausende Liter ins Untergeschoss gespült hat. Zudem musste die Feuerwehr mehrfach ausrücken, um absichtlich gelegte Brände zu löschen. Das Löschwasser blieb ebenfalls stehen. Viel wurde zerstört, Wände, Decken und Böden beschädigt. An manchen Stellen ist das Betreten inzwischen lebensgefährlich geworden. Retten lässt sich die Ruine also wohl nicht mehr. Zumindest scheint es nun aber ernsthafte Interessenten für das Areal zu geben.

Seit einigen Wochen wird auf dem Gelände gebohrt, um den Boden auf Schadstoffe zu untersuchen. Und auch das Gebäude selbst wird offenbar statisch untersucht. Der Komplex gehörte einer israelischen Investorengruppe, die ihn offenbar nicht veräußern, sondern angeblich vermieten wollte. Im vergangenen Frühjahr soll ihn dann die Intown Property Management GmbH mit Sitz in Berlin weiter veräußert haben, den neuen Eigentümer wollte sie aber nicht nennen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare