Nach der Zugpause im Bahnhof Bönen entdeckt

Rätselhaftes Wasserspiel an Gleis 2: Darum plätschert‘s manchmal an der Bahnsteigkante

Der rätselhafte Springbrunnen an Gleis 2. Hier sprudelt gelegentlich Wasser, damit im Tunnel keiner nasse Füße kriegt.
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Der rätselhafte Springbrunnen an Gleis 2. Hier sprudelt gelegentlich Wasser, damit im Tunnel keiner nasse Füße kriegt.

Ein unscheinbares Rohr, dann und wann ein dünner Strahl. Wozu dient das seltsame Wasserspiel im Bönener Bahnhof?

Bönen – Von „Wasserkunst“ sprach man einst, als technischer Pioniergeist und Reichtum der Auftraggeber ermöglichten, Kurzweil, Amüsement und herrschaftlichen Prunk mit der gestalterischen Dressur von Wasser zu erzeugen. Die Hochzeit von stolzen Fontänen und eleganten Bögen aus dem Lebenselixier begann in der Renaissance, als der Eindruck der Bauten daran gemessen wurde, in welchem Maße er den Relikten der Antike oder den Fantasien darüber entsprach.

Nach dem Streckensperrung plötzlich im Blickfeld

Die Erfindung des Dampfrosses war zwar gleichermaßen von Erfindertum und finanzieller Potenz abhängig, fand aber bekanntlich in einer späteren Epoche statt. Insofern schied, neben klaren ästhetischen und olfaktorischen Indizien, eine Spurensuche in dieser Richtung aus, als dieser Tage die Frage aufkam, was es den wohl mit dem „Wasserspiel“ am Bönener Bahnhof auf sich hat. Es fiel nach der Streckensperrung den zurückkehrenden Pendlern plötzlich ins Auge.

Der Anblick offenbart die Zwecke nicht

Von Reichtum und Raffinesse zeugt die bescheidene Installation hinter Gleis 2 nicht, auch zieht sein plätschernder Strahl nur zeitweise und in unregelmäßigem Abstand fragende Blicke der Wartenden auf sich. Schwer vorstellbar zudem, dass die Bahn das eher nach Guerilla-Gardening anmutende Grün dort zu wässern versucht. Efeu und Brennnesseln wissen sich am Schotterbett wohl zu behaupten – siehe auch Stichwort Ästhetik: Augenweide Bahnhof Bönen... .

Der Nase nach auf dem Weg zu Lösung

Olfaktorisch, also der Nase nach, kommt mal aber zu des Rätsels Lösung. Der Weg führt zur Fußgängerunterführung zum Bahnsteig an Gleis 2. Was einem dort in die Nase steigt, wird bisweilen von Regengüssen beiseite gespült, was zu begrüßen ist. Nur drohen diese Wasserspiele gelegentlich, den Durchgang schwer passierbar zu machen. Deshalb sorgt eine Hebeanlage nach Auskunft der Deutschen Bahn dafür, dass Passagiere halbwegs trockenen Fußes hindurchhuschen können und das Gemäuer nicht noch ärger in Mitleidenschaft gerät. Das im Schacht zusammenlaufende Wasser wird mittels Pumpe dann eine Etage höher zu dem Strahl, der bis neulich sein unbemerktes Dasein auf der Westseite des Bahnhofs fristete – ohne das Betrachtern über diese durchaus historisch anmutende Wasserkunst auch nur ein Laut des Entzückens über die Lippen gekommen wäre.

Die Modernisierungsoffensive lässt hoffen

Dafür soll es aber durchaus noch Anlass geben. Die DB erinnert zugleich daran, dass in Bönen ja noch die „MOF 3“ aussteht: Die Modernisierungsoffensive, mit der die Bahnhofsgestaltung samt Tunneldurchstich für Fußgänger nach Technikstandard und Vermögen heute ihre Renaissance erfahren soll.

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