Attraktiver Markt: SPD sieht Gilde nicht als Lösung

+
Tinas Reibekuchenstand (im Hintergrund) ist vom Bönener Markt nicht wegzudenken. Ansonsten bestimmen aber vor allem Klamottenhändler das Bild. Die Marktgilde möchte das mit einem neuen Konzept ändern. Aber eine politische Entscheidung wurde vertagt.

Bönen – Es ist nichts los auf dem Bönener Wochenmarkt. Die eh nur noch wenigen Stände in der Gemeindemitte werden von immer weniger Kunden besucht, das Angebot ist deutlich geschrumpft. Es muss also dringend etwas passieren, wenn der Markt nicht demnächst komplett verschwinden soll. Darüber lässt sich kaum streiten. Wohl aber darüber, wer die Sache in die Hand nehmen soll und wie.

Die Gemeinde hatte im vergangenen Jahr die Deutsche Marktgilde dafür ins Spiel gebracht, doch die SPD-Fraktion zweifelt nun daran, ob die Veranstaltung bei der hessischen Genossenschaft gut aufgehoben ist. Die Sozialdemokraten haben nach eigenen Angaben mit den Händlern gesprochen – und die sind demnach zum größten Teil gegen die Übernahme.

Zum einen fürchten die Verkäufer offenbar, dass die Marktprofis die Standgebühren anheben. Bislang zahlen sie 2 Euro pro Quadratmeter mittwochs und samstags. Die Gilde will ihnen im ersten Jahr nur 63 Cent je Quadratmeter berechnen, vorausgesetzt, die Händler schließen mit der Organisation einen Vertrag ab. Je nach Laufzeit – sechs, neun und zwölf Monate sind möglich – bekommen sie ab dem 26. Quadratmeter einen Rabatt. Wer sich hingegen nicht binden möchte, darf weiterhin in Bönen verkaufen, zahlt dann aber 72 Cent pro Quadratmeter.

Günstig oder nur ein Lockangebot

Im zweiten Jahr – die Gemeinde strebt zunächst eine zweijährige „Probezeit“ für die Kooperation an – soll die Gebühr auf 70 Cent für die Vertrags- und 80 Cent für die Tageshändler steigen. Diese Preise würden für die „Alteingesessenen“ gelten. Neue Anbieter will die Gilde mit 1,20 beziehungsweise 1,35 Euro zur Kasse bitten. Die Marktbeschicker befürchten, dass dies lediglich ein „Lockangebot“ sei und die Kosten nach den zwei Jahren in die Höhe schnellen könnten.

Weiter rechnen die Händler mit Nebenkosten. Unter anderem will die Marktgilde sie bei einer Übernahme nämlich dazu verpflichten, ihre Standflächen nach dem Markt jeweils selbst zu reinigen. Damit will sie die Reinigungskosten, die zurzeit jährlich in Höhe von rund 10 000 Euro anfallen, sparen. Sollte das jedoch nicht funktionieren und wieder ein Unternehmen mit der Reinigung beauftragt werden müssen, würde die Genossenschaft die Kosten auf die Anbieter umlegen.

Regeln finden nicht nur Zustimmung

Und auch andere Regeln, die die potenziellen Organisatoren im Fall einer Übernahme aufstellen wollen, stoßen nicht auf die Zustimmung aller. So möchte die Marktgilde zum Beispiel, dass alle Händler pünktlich zu Marktbeginn am Morgen ihre Stände öffnen und nicht einzelne später dazu stoßen. Das soll verhindern, dass während der Marktzeit Fahrzeuge durch die Fußgängerzone fahren. Überhaupt möchten die Marktprofis während des Betriebes keine Pkw in der Gemeindemitte sehen, die Verkäufer sollen ihre Anhänger abkoppeln und draußen parken. Das sehen diese aber kritisch und fühlen sich eingeschränkt.

Die SPD will nun die Markthändler unterstützen und gegen einen Vertrag der Gemeinde mit der Marktgilde stimmen. Stattdessen hat die Fraktion jetzt den Antrag gestellt, der neue Citymanager, Jens Büchting von der Wirtschaftsförderung Kreis Unna, soll ein Konzept zur Reaktivierung und Attraktivitätssteigerung für den Bönener Wochenmarkt erstellen. Büchting, der sich in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt den Mitgliedern vorgestellt hat, kümmert sich nach eigener Aussage momentan in erster Linie darum, die Leerstände entlang der Bahnhofstraße in der Gemeindemitte zu beseitigen.

Um sich innerhalb der Fraktionen weiter abzustimmen, wurde ein entsprechender Beschluss vorerst zurückgestellt. Ursprünglich sollte der Rat – coronabedingt bereits verschoben – am Donnerstag darüber entscheiden.

Ein Gemüsehändler ist auf dem Markt noch vorhanden. Die Marktgilde möchte das Angebot in diesem Bereich stärken.

Marktgilde möchte "grünen Bereich" stärken

Dabei hörte sich das Konzept, dass die Profis von der Marktgilde den Mitgliedern des Ausschusses für Familie, Sport und Kultur im September vorstellten, gut an. Die Gilde will sich bemühen, den „grünen Bereich“, also das Angebot an frischen Produkten wie Obst und Gemüse aus der Region wieder zu stärken, sodass es künftig komplett und in guter Qualität vorhanden ist. Im Augenblick gibt es nur noch einen Gemüsehändler mit einem kleinen Sortiment am Gemeindeteich. Auch „ergänzende Waren“ des tägliche Bedarfs, zum Beispiel Kleidung und Haushaltswaren, gehören nach Meinung der Experten zwar auf einen Wochenmarkt, jedoch nicht in einem zu großen Umfang.

Während die Gemeindeverwaltung bislang Probleme damit hatte, neue Händler nach Bönen zu holen, kann die Marktgilde auf eine umfassende Datenbank zurückgreifen, auf Genossenschaftsmitglieder und etliche Kontakte. Immerhin betreut sie seit rund 35 Jahren bundesweit circa 200 Märkte, von kleinen ab fünf Ständen bis hin zu täglichen Märkten mit mehr als 100 Händlern in den großen Städten wie Dresden, Berlin oder Hannover.

Diskussion um die Kostenfrage

Um den Markt zu beleben, können sich die Fachleute zudem einige besondere Aktionen vor Ort vorstellen, die die Bönener wieder neugierig auf den Wochenmarkt machen könnten. Erfahrungen mit solchen Veranstaltungen hat die Gilde. Wenn es nach den Fachleuten gegangen wäre, dann hätten sie den Markt bereits in diesem Monat übernommen. Nun hängt die Gilde in der Warteschleife.

Um die Kosten trotz der geringen Standgebühr zu decken, müsste die Gemeinde bei einer Übernahme allerdings zumindest in den ersten beiden Jahren monatlich 650 Euro Organisationszuschuss beisteuern, eine Summe, die die SPD dafür nicht ausgeben möchte. Die Verwaltung rechnet ihrerseits jedoch die Personalkosten dagegen und kommt auf 15 471 Euro für die Beschäftigung der Marktmeisterin.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare