Spielen mit dem gesamten Körper: WA-Mitarbeiterin zum ersten Mal am Schlagzeug

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WA-Mitarbeiterin Carola Schiller ist seit ihrer Studentenzeit von Trommeln fasziniert. Nun hat sie sich zum ersten Mal an ein Schlagzeug gesetzt und bekam Unterricht von Heiner Saggel vom Bönener Musikkarussell.

Bönen – Seit Studententagen ist WA-Mitarbeiterin Carola Schiller von Trommeln fasziniert. Aber ans Schlagzeug hat sie sich nicht getraut – bis jetzt: In unserer neuen Serie „Zum ersten Mal“ probiert Carola Schiller aus, wie es ist, mit den Sticks in der Hand auf die verschiedenen Trommeln und Becken zu schlagen. Heiner Saggel vom Bönener Musikkarussell ist ihr Lehrer.

Ich erinnere mich noch sehr gut. Es war Freitagnachmittag, wir Studenten saßen in einem der Hörsäle der Uni Bielefeld. „Es könne zu Störungen kommen“, hieß es. Eine britische Percussion Band wolle in der Halle ein Konzert geben. Natürlich wollten wir alle hin – später. Dann kam alles anders, denn mit Konzertbeginn wackelten die Wände im Rhythmus der geschlagenen Trommeln, der Tonnen, der Kanister. Der Lärm war ohrenbetäubend und trotzdem zog es uns allesamt in die Halle. Alle haben getobt, gestampft, geschrien. Das Gebäude hat gebebt, als wolle es mittanzen. Seitdem faszinieren mich Trommeln. Praktisch habe ich mich allerdings nie damit befasst – bis jetzt.

Im Musikkarussell, neben Lenchens Dachstube, einem Saal mit Flügel, Cello und Blick über Bönen, befindet sich das Schlagzeugzimmer von Heiner Saggel, und der setzt mich heute ans Schlagzeug. Heiner Saggel ist Schlagzeuger mit Leib und Seele. Die erste Tageshälfte arbeitet er an seinen Techniken, nachmittags erteilt er Unterricht im Bönener Musikkarussell. 

Schüler teilweise über 60 Jahre alt

Seine Schüler sind zwischen fünf und über 60 Jahren alt. Manche sind Anfänger, andere wollen wieder einsteigen. Heiner Saggel setzt interessierte Schüler gerne ans Schlagzeug. Allerdings mit Ohrenstöpseln – die nimmt er nur raus, wenn er selbst spielt. Heute bin ich eine seiner Schülerinnen. Die Dame vor mir und der Herr nach mir sind in meiner Altersklasse. Nichts mit langhaarigen Teenagern. Aber immerhin hat Heiner Saggel lange Haare. Wir sind gleich per Du und dann geht’s los. Bis dahin ist Schlagzeug für mich irgendwas mit Draufhauen und dann klingt es nach Depeche Mode oder Phil Collins. Der Hintergrund fehlt mir. 

Base Drum, Tom Tom Drum oder Snare Drum – es ist nicht einfach, bei den vielen Trommeln und Becken den Überblick zu behalten.

Mit Noten muss ich mich heute nicht befassen, die gibt es aber. Schließlich muss der Schlagzeuger wissen, was er wann spielt. Da sitze ich nun mit den Sticks, so heißen die Stöcke in meinen Händen, vor mir rechts die Base Drum, die ich mit dem Fuß bediene, links unten und oben die Becken, für die Hände die Drums, drei an der Zahl. Etwas viel für vier Extremitäten. 

Schlagzeug ist eben etwas für den gesamten Körper, auch das Gehirn ist gefragt. Wir beginnen mit einfachen Schlägen, dem Single Stroke und dem Rock-Fill-in auf der Snare Drum. Heiner gibt vor, ich spiele nach. Zweimal links, zweimal rechts, dann wechsel ich zur ersten Tom Tom Drum, erst nach rechts, dann nach oben, dann ist das Becken dran, mal rechts, mal links, während die Füße die Base Drum und das zweite Becken schwingen lassen. 

Mein Lehrer bescheinigt mir Rhythmusgefühl und ich darf weitermachen. Wir verändern die Reihenfolge, Heiner Saggel begleitet mich auf dem zweiten Schlagzeug. Es fängt an, Spaß zu machen und ich habe überhaupt keine Lust aufzuhören. Muss ich aber, schließlich hapert es auch an meinem theoretischen Hintergrund – zum Beispiel, wie lange es dauert, bis man etwas Schlagzeug spielen kann. Ich kenn das vom Klavier, eine Lebensaufgabe. „Vier Wochen für die ersten Rhythmen“, bekomme ich zu hören. Aber das reicht natürlich nicht für eine Band. 

Auch beim Schlagzeug gilt: üben, üben, üben

Wie bei allen Instrumenten ist stetes Üben die Grundvoraussetzung. Ohne eigenes Schlagzeug wird das nichts. Nur fürs Ausprobieren geht’s auch ohne. In den eigenen Räumen wird es mit dem Üben auch schwierig. Nachbarn und Angehörige wollen kaum an allen Teilschritten der musikalischen Entwicklung teilhaben. Elektronische Musikinstrumente können Abhilfe schaffen, dann hört nur der Musiker selbst seine Misstöne und Fortschritte. Wobei es schwierig ist, am Schlagzeug Misstöne zu fabrizieren. 

Die „Felle“, wie die Bespannung heißt, liefern dennoch völlig unterschiedliche Töne, Membranophone genannt. Das nachscheppernde Geräusch der Snare Drum kommt von einer eingelegten Metallspirale. Die sorgt für das typische Nachschwirren bei einem Trommelwirbel. Die Base Drum ist dumpf. 

Heiner Saggel unterrichtet Schüler im Alter von zwischen fünf und über 60 Jahren.

Bei Heiner Saggel ist sie besonders dumpf, denn in ihrem Innern liegt vorsichtshalber ein Kissen. Trotzdem schaffe ich es, ihr ziemlich laute Töne zu entlocken. Ich verstehe jetzt, warum mein Lehrer Ohrstöpsel trägt. Noch mehr verstehe ich ihn, als ich mit Kraft auf das Becken schlage. Dabei ist Kraft gar nicht gefragt. Zaghaftigkeit aber auch nicht. „Je schneller du spielst, umso weniger Kraft brauchst du“, erfahre ich. Die Schläge kommen aus dem Handgelenk.

Konzerttermin 

Wer erleben will, wie das bei Heiner Saggel klingt, kann ihn am 28. Februar ab 19 Uhr mit der Band „Reeds and Beets“ im Schloss Heeren bei einem Wohnzimmerkonzert erleben. Der Eintritt ist frei. Ein Hut geht für die Künstler rum. Eine Anmeldung unter 0177/ 1908421 ist erforderlich. Infos zum Musikkarussell gibt es unter www.musikkarussell-boenen.de.

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