Spendensammlung für Waisenkinder in Indien

Aktion Sternsinger 2021: Den Segen gibt‘s diesmal zum Mitnehmen

Lehrer des TLC-Projekts verteilen Corona-Masken an Kinder und Dorfbewohner im nordindischen Distrikt Darjeeling.
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Lehrer des TLC-Projekts verteilen Corona-Masken an Kinder und Dorfbewohner im nordindischen Distrikt Darjeeling.

Die Sternsinger können nicht zu den Menschen - darum läuft‘s in diesem Jahr mal anders herum:

Bönen – Viele Menschen freuen sich zu Beginn eines neuen Jahres auf ihren Besuch. Traditionell gehen die Sternsinger, mit bunten Umhängen und goldenen Kronen angetan, Anfang Januar in Bönen von Haus zu Haus, bringen den Segen und sammeln Spenden für das Kindermissionswerk. In diesem Jahr werden die Kinder nicht von Haus zu Haus gehen. Das Infektionsrisiko sei zu groß, haben die Verantwortlichen entschieden, und sich Möglichkeiten überlegt, wie der Segen dennoch zu den Menschen kommt und Spenden für die Ärmsten – Waisenkinder in Indien – generiert werden können.

„2021 werden die Sternsinger in Bönen nicht unterwegs sein“, bedauert Birgit Winkler, die sich im Bereich der Pfarrgemeinde Christ-König unter anderen um die Koordination kümmert. In der Vergangenheit zogen Gruppen von Kindern als heilige drei Könige verkleidet Anfang Januar von Haus zu Haus und spendeten den Segen „C+M+B+Jahreszahl“. Der wurde früher mit Kreide auf Türrahmen oder Mauern geschrieben, inzwischen ist er auf ein Klebeband gedruckt.

„Sicherheit der Kinder geht vor“

„Es handelt sich übrigens nicht um die Anfangsbuchstaben von Caspar, Melchior und Balthasar – die Namen der heiligen drei Könige“, erläutert Birgit Winkler. „Tatsächlich steht es für ,Christus mansionem benedicat’ und bedeutet ,Christus segne dieses Haus’“. Mit der Austeilung des Segens sammelten die jungen Sternsinger auch Spenden für das Kindermissionswerk. So dringend die Spenden auch benötigt würden für die Projekte, die das Kindermissionswerk unterstützt, „wir wollen das nicht um jeden Preis durchziehen. Die Sicherheit der Kinder geht vor“, sagt sie. Denn selbst wenn alle Hygieneauflagen beachtet würden, könne eine Infektion mit Covid-19 nicht ausgeschlossen werden. „Außerdem dürfen wir die Kinder mittags nicht verpflegen.“

Wie kommt der Segen dann in diesem Jahr zu den Menschen? „2021 müssen die Menschen sich den Segen abholen“, so Birgit Winkler. „Zu den Messen werden in den katholischen Kirchen die Segensbänder ausgelegt, die die Besucher dann mit nach Hause nehmen dürfen. Dort stehen auch die Spendenbüchsen. Der Segen ist aber nicht an eine Spende gebunden“, betont Birgit Winkler. Ein Ordnungsdienst sorgt dafür, dass Schutz- und Hygieneregeln eingehalten werden.

In Bönen eine ökumenische Aktion

Bei den Sternsingern in Bönen handelt es sich um eine ökumenische Aktion, an der auch die Evangelische Kirchengemeinde beteiligt ist. Obwohl in den Evangelischen Kirchen bis zum 10. Januar keine Gottesdienste stattfinden, werden auch die vier Evangelischen Gotteshäuser am 3. Januar ihre Türen öffnen. Dort finden die Besucher ebenfalls Segensbänder ,

„Wer die Kirche nicht besuchen kann oder will, aber dennoch eine Spende für das Kindermissionswerk machen möchte, kann das auch per Banküberweisung an die Kirchengemeinde tun“, so Birgit Winkler. Ob in dieser besonderen Situation auch nur annähernd wieder eine Summe zusammenkommen wird wie in den vergangenen Jahren (Anfang 2020 sind rund 16 500 Euro für das TLC-Projekt „Lernunterstützung für Schüler aus armen Verhältnissen“ gesammet worden), ist fraglich.

Hilfe für Kinder in Chatterhat-Indien

Dabei sind gerade in Zeiten der Corona-Pandemie die Ärmsten der Armen auf Unterstützung angewiesen. Martin Otto, Vorsitzender des Bönener Vereins „Hilfe für Kinder in Chatterhat-Indien“ (HfK), sorgt mit seinen Vereinsmitgliedern seit vielen Jahren dafür, dass die Waisenkinder und Sozialwaisen im Bezirk Siliguri im nordindischen Teeanbaugebiet Darjeeling ein Zuhause haben und zur Schule gehen können. Dabei arbeitet der Verein auch mit dem Kindermissionswerk Aachen zusammen, das die Spenden aus der Sternsinger-Aktion weiterleitet. Martin Otto steht in regelmäßigem Kontakt mit den Verantwortlichen vor Ort.

„In diesem Jahr ist aber auch dort alles anders“, berichtet Martin Otto. „Das Corona-Virus hat die Region Darjeeling hart getroffen. Die Schulen sind seit April geschlossen. Ein Online-Unterricht ist oft gar nicht möglich, weil die Schüler nicht über die nötigen Endgeräte verfügen. Der Unterricht geht in kleinen Einheiten weiter, um die Kinder zu beschäftigen. Teilweise bringen die engagierten Lehrer Aufgabenzettel zu den Schülern.“

Aber das sei nicht das einzige Problem. Waisenkinder, die noch Verwandte haben, leben zurzeit bei Onkeln und Tanten. Für diejenigen, die niemanden haben und sonst auf der Straße landen würden, wurde das Kinderdorf Ashagram wieder geöffnet.

Pandemie verschärft die Armut weiter

„Wir sprechen hier von einer sehr armen Region, wo viele Menschen als Tagelöhner und Teepflücker ihren Lebensunterhalt verdienen. In der Corona-Pandemie ist auch dieses geringe Einkommen noch weggefallen“, so Martin Otto. Deshalb geht es nicht nur um den Schutz vor Covid-19, sondern auch um die Versorgung der Menschen in den Dörfern mit Grundnahrungsmitteln, damit sie überleben können. Nicht nur die Schüler der TLC-Einrichtungen, sondern auch die Bewohner der Dörfer werden über die aktuelle Corona-Situation aufgeklärt, wie sie sich verhalten müssen, um Infektionen zu vermeiden. Sie erhalten Masken und Desinfektionsmittel, aber auch Versorgungspakete mit Nahrungsmitteln.

„Die Mitarbeiter von Sevra Kendra und die TLC-Tutoren geben ihr Bestes, um die Situation zu meistern“, so Martin Otto. Eine wichtige Unterstützung bei der schwierigen Aufgabe seien die Spenden aus der Sternsinger-Aktion.

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