Kosten für die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe im Kreis Unna steigen

SPD und Grüne im Kreistag wollen keine Abstriche bei der offenen Kinder- und Jugendarbeit

Das Bönener Jugendzentrum Treffpunkt Go in
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Das Angebot vor Ort, etwa die Arbeit im Bönener Treffpunkt Go in, halten SPD und Grüne im Kreistag für unbedingt notwendig.

Bönen/Kreis Unna – Die Kosten für die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe im Kreis steigen – und das erheblich. Das bekommt die Gemeinde Bönen ebenso wie die Stadt Fröndenberg und die Gemeinde Holzwickede über die differenzierte Kreisumlage zu spüren, die sich die drei Kommunen für die notwendigen Aufwendungen, die der Kreis leistet, teilen. Die Umlage sollte nach dem ersten Haushaltsentwurf aus dem Dezember von 21,5 auf 29,11 Millionen Euro angehoben werden. Doch in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses einigten sich die Beteiligten darauf, dass noch einmal nach Einsparpotenzialen geschaut werden soll.

Einige wenige wurden gefunden, doch zumindest mit dem Kompromissvorschlag vom Kreis zum Kinder- und Jugendförderplan sind nicht alle Parteien einverstanden. So hat die SPD gemeinsam mit den Fraktionen der Grünen im Kreistag und den Bündnis 90/Grünen den Antrag für die Ratssitzung am 25. Februar gestellt, dass für den Kinder- und Jugendförderplan der Jahre 2021 bis 2025 die im Haushaltsentwurf vorgesehenen rund 260 000 Euro unverändert in den Etat für 2021 eingestellt werden.

Der von Dezernent Torsten Göpfert vorgestellte Kompromiss hatte für 2021 Ausgaben in Höhe von 65 000 Euro vorgesehen. Die Idee dahinter sei, trotz der finanziellen Belastungen der Kommunen mit den Dingen zu starten, die „unabweislich“ sind, „um die Strukturen, die bereits bestehen, zu erhalten“, so Göpfert. Danach soll von Jahr zu Jahr geguckt werden, welche weiteren Elemente aus dem Förderplan umgesetzt werden können. Basis dafür ist die Studie eines Beratungsunternehmens zum Bedarf in den Kommunen.

Für die Antragsteller erscheint ein reines Fortschreiben des bisherigen Förderplans nicht mehr sinnvoll, heißt es in dem Papier von SPD und Grünen. „Aus der Befragung und der Expertise der beteiligten Fachleute ist deutlich geworden, wie wichtig und notwendig eine offene Kinder- und Jugendarbeit in hierfür bereitgestellten Räumen und in der aufsuchenden Arbeit in den Quartieren für ein gelingendes Aufwachsen in öffentlicher Verantwortung ist“, erläutert der Jugendhilfeausschussvorsitzende Norbert Enters. Die Kosten dafür, insbesondere beim Personal, seien gestiegen.

Gemeindeverwaltung beklagt enorme Belastung

Der Anstieg der differenzierten Kreisumlage macht hingegen der Gemeinde Bönen zu schaffen. Das entspreche einer Mehrbelastung von 35 Prozent, rechnete Bürgermeister Stephan Rotering vor. „Das ist eine Belastung, die man auf Dauer nicht kompensieren kann“, befürchtete auch der Kämmerer Dirk Carbow. Der Etat könne deshalb nicht ausgeglichen werden.

Der weitaus größte Teil der Mehrkosten resultiert nach den Angaben des Kreises aus zusätzlichen Aufwendungen bei der Eingliederungshilfe (2,6 Millionen Euro) und der Kindertagesbetreuung (4 Millionen Euro). Die gestiegenen Ausgaben sehen auch die SPD und die beiden Grünen-Fraktionen, doch die Erhöhung des Budgets für den Förderplan sei gegenüber den Gesamtkosten nur ein kleiner Teil. „Die vorgesehenen Mehraufwendungen betragen weniger als ein Prozent der geplanten differenzierten Kreisumlage. Abstriche am Kinder- und Jugendförderplan würden aber zu erwartbaren Einschnitten im Angebot führen und damit die präventive Arbeit deutlich einschränken“, sagen Sandra Heinrichsen (Bündnis90/Die Grünen) und Daniela Heil (Grüne im Kreistag) als jugendpolitische Sprecherinnen ihrer Fraktionen. Deshalb sollen die vollen 260 000 Euro in den Haushalt eingestellt werden.

Ein wenig gesunken war die Kreisumlage, die am Donnerstag verabschiedet werden soll, im Vergleich zum Entwurf bereits. Kreiskämmerer Mike-Sebastian Janke hatte sie bei einer erneuten Prüfung etwa durch weitere Transfererträge von ursprünglich 29,11 auf 28,65 Millionen Euro senken können. In der Rechnung enthalten ist auch der 65 000 Euro teure Kompromissvorschlag. Sollte der Antrag von SPD und Grünen beschlossen werden, kämen auf die Kommunen weitere etwa 200 000 Euro zu.

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