SPD-Ortsverein tritt aus Protest zurück

In der Jahreshauptversammlung im Februar präsentierte sich der Vorstand des SPD Ortsvereins — jetzt traten alle zurück

BÖNEN ▪ Die Genossen aus Bramey, Lenningsen und Flierich haben ihrer Drohung Taten folgen lassen. Weil die SPD-Fraktion im Gemeinderat die Schließung der Ermelinggrundschule durchgesetzt hat, ist der komplette Vorstand des südlichen Bönener Ortsvereins zurückgetreten.

Auch der inzwischen ebenfalls unbesetzte Posten des Ortsvorstehers wird deshalb nicht so schnell wieder besetzt.

„Um als Mitglieder im Vorstand unsere Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren und um auch als Person die Glaubwürdigkeit gegenüber den Bürgern zu wahren, haben wir uns einmütig zu diesem Schritt entschlossen“, gab der bisherige Vorsitzende Werner Lüblinghoff am Donnerstag das Ergebnis einer Krisensitzung bekannt. Gut zwei Stunden hatten rund ein Dutzend Sozialdemokraten aus Bramey, Lenningsen und Flierich am Mittwochabend hinter verschlossenen Türen im Haus Böinghoff über die Konsequenzen nach dem Ratsbeschluss in der vergangenen Woche diskutiert.

„Mit großer Enttäuschung haben wir miterlebt, wie die Mitglieder der SPD-Fraktion, bis auf Jörg Grünewald, dem Beschlussvorschlag zugestimmt und die Verwaltung beauftragt haben, die erforderlichen Schritte zur Schließung der Ermelingschule einzuleiten“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung des zurückgetretenen Vorstandes.

„Dem Konzept der Bürgerinitiative durch Spenden die Ermelingschule beziehungsweise die Gemeinde mit einem Betrag von zirka 50 000 Euro jährlich zu unterstützen, wurde keine Chance gegeben, ja es wurde sogar als unseriös bezeichnet“, kritisieren die Sozialdemokraten vor allem ihren stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden und schulpolitischen Sprecher.

„Wenn Hans-Ulrich Reiners sagt, dass ein Schüler der Ermelingschule die Gemeinde doppelt soviel kostet, wie ein anderer Grundschüler und nicht erwähnt, dass ein großer Teil der Kosten Fahrtkosten sind, die auch zukünftig anfallen, wenn die Schüler der Ermelingschule an den anderen Grundschulen sind, dann ist das unseriös“, so die Behauptung des bisherigen SPD-Vorstandes.

Und auch der Fraktionschef bekommt sein Fett weg. „Wenn Klaus Herbst sagt, er könne seinem Nachbarn in Altenbögge nicht erklären, dass die SPD die Grundsteuer B noch mehr erhöhen müsse, weil die Grundschule in Bramey-Lenningsen nicht geschlossen wird, aber nicht sagt, dass die SPD die Grundsteuer noch wesentlich mehr erhöhen will, um die zwei Millionen Euro für die Sekundarschule zu finanzieren, ist das unseriös“, schreibt Lüblinghoff.

Für diese Vorgehensweise hätten die Mitglieder des Vorstandes kein Verständnis. Hier werde bürgerliches Engagement mit Füßen getreten und signalisiert, dass dies überhaupt nicht erwünscht sei.

„Für uns ist dies auch ein Zeichen dafür, dass es der SPD-Fraktion nicht um Sachargumente geht, sondern dass sie ihre Machtstellung demonstrieren will nach dem Motto: Es muss den Bürgern in den südlichen Ortsteilen endlich gezeigt werden, wer Herr im Haus (Gemeinde) ist und das ist die SPD-Fraktion“, macht Lüblinghoff dem Ärger des scheidenden Vorstandes Luft.

Der Ortsverein habe sich immer für den Erhalt der Ermelingschule ausgesprochen. „Nicht, weil wir verblendete Träumer sind, sondern weil die Ermelingschule zu einem gut funktionierenden sozialen Netzwerk in den südlichen Dörfern gehört, zusammen mit dem Kindergarten und dem Sportverein. Dies haben wir der SPD-Fraktion mehrfach in allen Einzelheiten dargestellt. Die Ermelingschule war und ist immer ein zentrales Thema im Ortsverein, ebenso wie der Sportverein und Kindergarten“, betont Lüblinghoff.

Und weiter: „Da nun die Schließung der Ermeling-schule von der SPD-Fraktion beschlossen wurde, sind für uns die Grundlagen gemeinsamer Politik zerstört. Wir befürchten, dass nach dem Auslaufen der Ermelingschule auch der Sportverein dran glauben muss, weil kein Geld mehr für die Unterhaltung der Turnhalle vorhanden ist“, malen die Sozialdemokraten aus Bramey, Lenningsen und Flierich ein düsteres Zukunftsbild. Durch die Schließung der Ermelingschule sei außerdem auch das Familienzentrum Alter Bahnhof Lenningsen in seiner Existenz sehr stark gefährdet. Sie verweisen damit auf die Schließung der Offenen Ganztagsschule, durch die vier Mitarbeiterinnen ihren Arbeitsplatz verlieren würden, und auf das Ende der Kooperation zwischen Familienzentrum und Ermelingschule.

„Das ist mit uns nicht zu machen“, schreibt Lüblinghoff im Namen des bisherigen Vorstandes.

Der bisherige Beisitzer Jörg Grünewald wird sein Ratsmandat allerdings behalten, wie Lüblinghoff auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte.

Er hofft außerdem, dass sich auf der für Mitte August geplanten Mitgliederversammlung ein neuer Vorstand bilden wird. Bis dahin könne sich dann jeder überlegen, ob er ein Amt übernehmen wolle. „Ich hoffe, dass es welche tun, denn eine Mitgliedschaft ohne Ortsverein gibt es in der SPD ja nicht. Aber wir wollen alle nicht in die Ortsvereine Bönen oder Nordbögge wechseln“, sagte Lüblinghoff.

Angesichts des Rücktrittes des Vorstandes werde der Ortsverein, der das Vorschlagsrecht hat, vorerst auch keinen Kandidaten für das Amt des Ortsvorstehers benennen. Der bisherige Amtsinhaber Dieter Kretschmer war bekanntlich zum 1. Juli aus Ärger über den Mangel an Unterstützung in Politik und Verwaltung zurückgetreten. Kretschmer ist zwar parteilos, war aber seinerseits auf Vorschlag der Sozialdemokraten in den südlichen Ortsteilen zum Interessensvertreter der Bürgerschaft berufen worden. ▪ li

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