Späte Pflanzung: Trockenheit macht neuer Obstwiese zu schaffen

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Während die frisch gepflanzten Obstbäumchen mit der Trockenheit zu kämpfen haben, hat sich die Melde (grün) am Nordbögger Bahnhof ausgebreitet.

Bönen – Der erste Baum hat schon keine Blätter mehr, und auch die anderen Triebe auf der erst im Frühjahr angelegten Obstwiese an der Hammer Straße in Fußweite zum Nordbögger Bahnhof sehen nicht gut aus. Dafür wächst ein Ackerunkraut üppig und nach Herzenslust. Das sagt auch Martin Czygan, der Landschaftsplaner im Kreis Unna. Schuld sei das Wetter, noch wäre aber alles leicht in die richtige Richtung zu bewegen.

Im März hatten Gärtner einige junge Obstbäume mit viel Abstand zueinander angepflanzt. Außerdem wurden auf den dazwischenliegenden Flächen Samen verteilt. Das Projekt ist eine Ausgleichmaßnahme für Bauvorhaben im Bönener Gewerbegebiet. Der Kreis führt sie in Absprache mit der kommunalen Wirtschaftsförderung WFG durch, die die Kosten übernimmt. Geachtet wurde dabei auf alte Sorten, die früher in der Umgebung heimisch waren.

Doch zumindest am Anfang ihres Leben tun sich die Pflanzen im Jahr 2020 schwer. „Dass die Frühjahre so trocken waren, wer hätte das erwartet“, verweist Czygan auf die kaum nennenswerten Niederschläge in April und Mai. Anfang und Ende des Wonnemonats habe ein Gärtner die Bäume sogar gewässert.

Zu spät dran aus organisatorischen und witterungstechnischen Bedingungen

Bei der Pflanzung selbst und beim Umpflügen Mitte Mai sei man allerdings durchaus zu spät dran gewesen, meint Czygan. Optimal wären die Aktionen früher gewesen, doch zunächst hatten die Gärtner keine Zeit, dann musste das Einsetzen der jungen Triebe verschoben werden, weil der Boden zu nass war, um Löcher auszuheben. Man habe so länger warten müssen als geplant. Als die Stämmchen standen, setzte der Niederschlag fast komplett aus.

Gleiches gilt für die Aussaat, für die die Streifen zwischen den Bäumen umgepflügt wurden. Der Vorwurf von Anwohnern lautet, der Kreis habe durch den späten Termin im Mai die Winterfeuchtigkeit aus dem Boden geholt. Alles habe sich nach hinten verschoben, durch die einsetzende Trockenheit konnte die Saat gar nicht keimen, sagt Kreissprecherin Fabiana Regino. Wenn das Wetter mitgespielt hätte, wäre alles eher gelaufen, erklärt auch sie.

Neben der Melde sind auch alte Getreidekörner angewachsen. Sie werden aber nicht so hoch.

Die Melde - früher Kulturpflanze, heute unerwünscht

Wer von den Maßnahmen definitiv profitiert hat, ist die Melde, die nun bis zu mannshoch die meisten Teile der Obstwiese für sich in Anspruch nimmt. Außer da, wo noch alte Getreidekörner aufgegangen sind. Das Grün aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse ist eine der ältesten Kulturpflanzen, sie kann wie Spinat zubereitet werden und als Abführmittel verwendet werden. Auch bei verschiedenen Krankheiten wurden Bestandteile eingesetzt.

Czygan bezeichnet sie heute als „klassisches Ackerunkraut“. Der Landschaftsplaner sieht in ihrer Ausbreitung aber nur ein geringes Problem. Wenn die Fläche abgemulcht und regelmäßig gemäht wird, vertrage das die Melde nicht. „In ein, zwei Jahren ist sie nicht mehr zu finden“, sagt er, auch weil nicht mehr umgebrochen werde. Czygan hat auf den Hinweis über den derzeitigen Bewuchs angekündigt, die nächste Mahd zeitnah in die Wege zu leiten. Als er zuletzt vor Ort war, sei die Melde noch nicht so stark vertreten gewesen.

Möglichst vielen Bäumen noch eine Chance geben

Die Bäume bezeichnet er aber teilweise als „in grenzwertigem Zustand“. Geguckt werden müsse, welcher es geschafft habe und welcher nicht. Dann müsse man schauen, bei welchen Pflanzen es noch Hoffnung gebe, und denen noch ein Jahr zum Wachsen einräumen. Die nicht mehr zu rettenden Triebe werden in der nächsten Saison ersetzt.

Vorher, vermutlich im Herbst, wird noch ein Zaun um das Gelände gesetzt. Schließlich soll die Fläche irgendwann durch zwei Rinder beweidet werden.

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