Nach Anliegerbeschwerden über Ruhestörung:

Gemeinde sucht mit Kreisjugendamt Lösung für Probleme  am Holtfeld

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Wahlkampf eröffnet: Der Spielplatz im Holtfeld wird zum Politikum - auch mit dem SPD-Clip von Dirk Lampersbach und Deniz Werth via Social Media.

Bönen - Die Anlieger des Holtfeld-Spielplatzes finden Gehör: Wegen der Ruhestörungen holt die Gemeinde das Jugendamt ins Boot.

Über das neue Familienbüro des Kreisjugendamtes in Bönen und den daran angeschlossenen Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) will die Gemeinde einen erzieherischen Zugang zu den Familien finden, die mit der Klage über die Ruhestörungen auf dem Spielplatz am Holtfeld in den Fokus gerückt sind. Derweil hat sich auch die SPD getummelt: Mit einem Facebook-Video, das Fragen aufwirft. Aber die Fraktion arbeitet auch an einem Antrag. 

Gemeinde meldet mögliche Kindeswohlgefährdung

Der Reihe nach: Die Gemeindeverwaltung hat dem beim Kreis angesiedelten Jugendamt für Bönen den Verdacht auf mögliche Kindeswohlgefährdungen angezeigt, wie Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte auf Anfrage berichtete. Mit dem ASD an der Seite solle sich der Integrationsbeauftragte der Gemeinde, Khaled Abdulaal, um den begleitenden integrativen Ansatz zur Lösung der Probleme kümmern, wie ihn die Verwaltung in der Sitzung des Bauausschusses auf Anfrage der SPD angekündigt hat.

Nächtliche Umtriebe auf dem Spielplatz

Die Sozialarbeiter des ASD sollen unter anderem den Kontakt suchen, weil hier zu später Stunde Kinder gesehen wurden, die um diese Zeit ins Bett gehören – und nicht teilweise unbeaufsichtigt auf die Straße. Nachbarn beschwerten sich wiederholt über Ruhestörungen, auch sollen die Kinder in Nachbargärten über Hecken und Zäune gehen. Überhaupt drängt sich Beobachtern der Eindruck auf, dass die Integration der Bewohnerschaft der Hochhäuser an der Adalbertstraße ein weitgehend brachliegendes Arbeitsfeld ist. 

Kann die Schule hier etwas vermitteln?

Nach Auskunft des Kreises Unna besteht seit einer Woche Kontakt mit der Gemeinde auf Basis der Gefährdungsmeldung. Bis zur kommenden Woche sollen die ersten Schritte, etwa zur Kontaktaufnahme, mit der Gemeinde abgestimmt sein. Otte versucht zudem, die Hauptschule als erzieherische Instanz ins Boot zu holen, da etliche der Kinder – zumeist rumänischer Familien – dort unterrichtet würden. Die Schule sei ein geeigneter Ort, Kindern Regeln zu vermitteln. 

Zugleich wird Platz nachts abgeriegelt 

Die sozialen Maßnahmen sollen, wie berichtet, mit der angekündigten besseren Absicherung und Kontrolle des Spielplatzes einhergehen. Denn zugleich will die Gemeinde die Anlage einzäunen und für die Schließung ab 20 Uhr mit einem Tor versehen. Das geschehe in dem Wissen, dass Ordnungsmaßnahmen allein den Konflikt nicht beenden könnten. So hatte es in der Sitzung Fachbereichsleiter Robert Eisler ausgeführt, in dessen Ressort der bauliche Aspekt fällt. Aufgebracht hatte das Thema dort der SPD-Fraktionsvorsitzenden Dirk Lampersbach (nicht CDU-Mann Burkhard Geckert, wie irrtümlich berichtet; der Verfasser entschuldigt sich für die Verwechselung). 

SPD befeuert Diskussion mit Auslassungen 

Den Genossenchef im Rat treibt das Thema weiter um: Nach der Sitzung hat Lampersbach mit Deniz Werth an seiner Seite via Facebook ein Video verbreitet, indem die SPD-Vertreter vor der Kulisse am Holtfeld den Bau des Zaunes kritisieren. Das Problem daran: Dass die Gemeinde angekündigt hat, es nicht einzig dabei belassen, kommt in dem SPD-Clip gar nicht vor – obwohl es Lampersbach besser weiß, wie übrigens jeder Leser unseres Berichts aus dem Ausschuss. Stattdessen geißeln Lampersbach und Werth den scheinbar rein bürokratischen Ansatz Marke „Recht und Ordnung“, nehmen Bürgermeister Stephan Rotering (parteilos) in die Pflicht, sich hier um aufsuchende Sozialarbeit zu kümmern und quittieren ihren Ausschnitt aufs Ganze mit einem „nicht mit uns als SPD-Bönen!“ 

Lampersbach: Bin ja kein Youtuber

„Wir sind hier an einem Punkt, wo das Eine mit dem Anderen zusammengehen muss“, sagt Lampersbach. Wie redlich ist es, an dieser Stelle zu verschweigen, dass dies schon auf den Weg gebracht ist? „In der Sitzung hat sich Herr Eisler geäußert, der in der Sache gar nicht zuständig ist. Über soziale Maßnahmen sind wir nicht informiert“, gab der Fraktionschef zurück. Er wollte aber nicht zu sehr beharren: „Mag sein, dass ich etwas weggelassen habe. Ich bin ja auch kein Youtuber. Es war das erste Mal, dass wir dieses Medium bedient haben.“

SPD-Fraktion kündigt Antrag zur Sache an

Lampersbach betonte mehrfach, er gebe nichts auf bloße Lippenbekenntnisse. Auch sehe die SPD die Arbeit des Integrationsbeauftragten allgemein kritisch und lieber einen Sozialarbeiter an dieser Stelle. Aber: „Ich habe kein Problem damit, am Holtfeld das nächste Video zu machen und zu sagen: Toll, dass die Gemeinde schnell reagiert hat“, sagte Lampersbach mit Blick auf seine unvollständigen Angaben. Damit es in der Sache überhaupt, und möglichst in ihrem Sinne, weiter geht, werde die SPD-Fraktion am Dienstag einen Antrag ausarbeiten. Tenor: Die Gemeinde soll Kooperationen für ein integratives Angebot ausloten mit dem Verein Zuflucht Bönen, dem Kreis oder weiteren Institutionen.

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