Bürger-Umfrage

Sorge um Gastronomie und Kultur wächst: Bönener äußern sich zu strengen Corona-Maßnahmen

Ein Schild mit Aufschrift „Bitte Abstand halten - please keep distance“ klebt vor einem Kinosaal vom Kino Astor Grand Cinema.
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Bönener äußern Verständnis für verschärfte Maßnahmen, aber machen sich Sorgen über die Gastronomie und Kulturveranstaltungen.

Zum zweiten Mal zwingt Corona das öffentliche Leben in die Knie. Noch nie waren die Fallzahlen in Deutschland und im Kreis Unna so hoch wie jetzt. Durch die neuen drastischen Kontaktbeschränkungen sollen weitere Ansteckungen vermieden werden. Die Einschränkungen treffen auch Menschen in Bönen. Der WA hat sich in der Gemeinde umgehört. Vor allem die Sorge um Gastronomie und Kultur wächst.

Bönen – Einen wirklichen Unterschied spürt Ali Colakbas zu den bisher geltenden Maßnahmen nicht. Der 38-Jährige hat jedoch wenig Verständnis dafür, dass Schulen und Kitas geöffnet bleiben. „Das Risiko sich hier anzustecken ist genauso groß wie in den viel zu vollen Zügen und Bussen“, sagt Colakbas. Hierbei müsse sich dringend etwas ändern. Seiner Meinung nach sollten auch private Feiern komplett unterbunden werden. Zu streng sieht er die Regeln bei der Gastronomie: „In Cafés kann man sich kontrolliert treffen. Da besteht keine Gefahr“, so Colakbas.

Dass die Gastronomie unter den getroffenen Regelungen leiden muss, bedauert auch Siegrid Neuhaus-Goldmann. „Es gibt immer noch Leute, die das Ganze nicht verstehen, und deshalb haben wir diese neuen Einschränkungen“, sagt die 66-Jährige.

Ärger über Großveranstaltungen

Unverständnis herrscht vor allem über die Durchführung von Großveranstaltungen wie den bekannten Hochzeiten und Demonstrationen, bei denen die Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden. „Für solche Veranstaltungen habe ich kein Verständnis. Anstatt diese abzusagen, müssen Museen und Theater schließen“, sagt die Bönenerin Gesa Goldmann. Vergangene Woche war sie noch im Opernhaus in Dortmund, dort sei das Hygienekonzept gut durchdacht gewesen. Goldmann gibt zu bedenken, dass an der Schließung solcher gut zu kontrollierenden Einrichtungen viele Existenzen hängen.

Ausfallen muss in den kommenden Wochen auch das regelmäßige Schwimmtraining für Michael Tuchel. Der blinde Lenningser hat ohnehin wenig Möglichkeiten sich frei zu bewegen, deshalb schmerzt die Einschränkung. Doch der 61-Jährige hat Verständnis für die Regelungen, denn auch er erlebe viel zu häufig, dass sich Menschen nicht an die Maßnahmen halten. „Ich frage mich, ob die Menschen das Virus überhaupt ernst nehmen“, sagt Tuchel.

So vertreiben sich Bönener die Zeit

Edeltraut Isenberg versucht sich durch Spaziergänge und Gartenarbeit fit zu halten. Kontakte pflegt sie vor allem über das Telefon. Die 85-Jährige empfindet die Maßnahmen als sinnvoll und findet, dass die Kriegsjahre, die sie hautnah miterlebte, viel härter gewesen seien: „Ich verstehe das ganze Gemecker gar nicht. Wir hatten damals bei minus 21 Grad Celsius nichts und haben es irgendwie überstanden.“

Etwas zwiegespalten sieht der Bönener Sven Bünger die Maßnahmen. Er fühlt sich durch die Maßnahmen zwar nicht eingeschränkt, da er ohnehin oft zu Hause sei, aber die Jobsuche werde dadurch nicht einfacher: „Ich suche schon länger eine Arbeit als Fachlagerist, aber durch Corona ist es noch schwerer geworden“, sagt der 27-Jährige.

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