Feucht-warmes Wetter lässt alles sprießen

Dieser Sommer macht Bönen grün: Mehr Arbeit als Hände beim Bauhof

Für Naturliebhaber vielleicht ganz hübsch, aber so nicht gedacht. Es sprießt nur so, auch in der Fußgängerzone. Der Bauhof hat mehr Arbeit als Hände dafür.
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Für Naturliebhaber vielleicht ganz hübsch, aber so nicht gedacht. Es sprießt nur so, auch in der Fußgängerzone. Der Bauhof hat mehr Arbeit als Hände dafür.

Sommer 2021: mal Sonne, mal Wolken. Das mag dem Menschen aufs Gemüt gehen, der Natur tut es gut, es war schon lange nicht mehr so grün. Ein Kreuz für den Bauhof:

Bönen – „Mehr Grün in die Städte“ hört man allenthalben, weil die Sorge ums Klima umgeht oder daher den Schottergärten der Kampf angesagt wird. Doch kaum sprießt üppig, was in Parks und Rabatten, Pflasterfugen und Wegesrändern Wurzeln schlägt, ist’s den meisten auch wieder nicht recht. Dennis Borkowiak kann ein Lied davon singen. Und das ist in diesem feucht-warmen Sommer besonders eindringlich.

Es liegt im Auge des Betrachters

„Es wuchert exorbitant: Rasen, Bäume, Sträucher. Das lässt sich nicht aufhalten und wir kommen kaum hinterher“, sagt der Leiter des Bauhofs. Ihn persönlich störe es nicht, „wenn hier und da ein Löwenzahn hochkommt oder eine schöne Unkrautblüte.“ Aber die Erwartung sei nun mal eine andere. „Dann heißt es gleich: Sieht das ungepflegt aus.“

Also legen sich in Diensten der Gemeinde 15 Mann und vier Azubis der Gärtnertruppe ins Zeug, weil gestutzter Rasen das Maß der Dinge ist und auswucherndes Grün auf Wegen und Plätzen kein gutes Bild abgibt. Dazu kommen die Pflichten der Verkehrssicherung oder Unterhaltung der Gräben, damit’s läuft und der Regen nicht andere Probleme schafft.

Schon 5.500 Stunden Rasen gemäht

„Wir haben in diesem Jahr bestimmt schon 5500 Stunden Rasen gemäht“, nennt Borkowiak ein Beispiel. Das sei mindestens ein Drittel mehr als im Vorjahr. Da beherrschte die wiederholte Trockenheit die Debatten. „Aber 2021 hat es im Frühjahr angefangen zu sprießen und nicht mehr aufgehört. In den heißen Jahren hatten wir Gelegenheit, mal dort tiefer in die Ecken zu schauen, wo wir sonst nicht hingehen. Daran ist jetzt nicht zu denken.“

Nicht nur wegen des „spontan auflaufenden Fremdbewuchses“, wie das landläufige Unkraut – politisch korrekt: Wildkraut – im Fachjargon genannt wird. „Wir haben normal einen Durchlauf von zehn bis vierzehn Tagen, in dem wir an jeder Stelle einmal gewesen sein wollen. Wenn der Rasen aber so wuchert wie jetzt, dann kommen wir so nicht mehr durch“, erläutert der Bauhofchef. „Dann steht das Gras viel höher, wir müssen zwei Mal über die Fläche. Momentan stehen wir bei einem Rhythmus von 20 Tagen.“

Maschinenschäden durch wilden Müll

Zumal die Kollegen immer wieder aufgehalten würden: „Unser größtes Problem sind die Fremdkörper. Man kann sagen: Pro Jahr geht ein Fahrrad durch unsere Mäher. Im Graben an der Kleystraße lag neulich ein Teppich, den haben wir nicht gesehen. Den hat unser Böschungsmäher so eingezogen, dass wir einen halben Tag die Fäden aus Schneidwerk und Lagern ziehen mussten. So einen Maschinenausfall holen wir nicht mehr rein.“

Auf gut und gern 200 000 Quadratmeter schätzt Borkowiak allein die wesentlichen Rasenflächen, die von der Gemeinde gepflegt werden. Auf den Sportplätzen kreisen die Mäher aktuell vier Mal in der Woche, damit das Leder rollen kann. Dort wird, wie auch an den fürs Erscheinungsbild wichtigen Stellen wie Gemeindeteich oder Friedhof auf gleichmäßigen Schnitt geachtet, am Straßenrand geht’s gröber zu. Mit Freischneidern und einem Bürstengerät rücken die Gärtner dort an, wo Wege und Plätze auch fürs Auge getrimmt werden müssen.

Wie Sisyphus: Immer wieder von vorn

Die Krux daran: „Es ist nun mal so, dass die Pflanze überleben will. Und wenn wir das Blattwerk abschneiden, steckt sie alle Energie da rein, neues zu bilden. Und wenn wir nach 15 bis 20 Tagen wiederkommen, ist es auch nachgewachsen.“ Und das infolge des Temperaturanstiegs fast ohne Unterbrechung. „Rasen mähen wir teils bis in den November. Wenn der Winter ausbleibt, wächst das Kraut auch im Dezember. Spätestens im März geht es sowieso wieder los.“ Es sei denn, es fällt ausnahmsweise mal Schnee wie im Februar.

Die Bürger nehmen es noch recht gelassen

Immerhin: Hinweise und Beschwerden aus der Bürgerschaft haben nicht im selben Maße zugenommen. Verglichen mit der grünen Explosion sei es sogar relativ ruhig. „Ich weiß, dass ich mich als Bauhofleiter der Kritik stellen muss“, zeigt sich Bönens erster Grünpfleger offen, objektiv und sachlich damit umzugehen. „Ich bin auch froh über Anrufe, die uns auf einen Missstand hinweisen. So können wir dem auch nachgehen.“ Wenn wer eine Hand frei hat, versteht sich.

„Und wenn das Gras halt mal höher steht, wie auf den Wällen am Zechengelände“, so Borkowiak, „dann haben die Insekten genug Nahrung. Auch darum schneiden wir dort erst spät im Jahr.“

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