Das sind die heißesten Jobs in Bönen

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Stuart Akdemir und seine Kollegen arbeiten derzeit elf Stunden täglich in der glühenden Hitze am Bönener Bahnhof.

Bönen - Unter der derzeitigen Hitzewelle stöhnt ganz Bönen. Angestellte in Geschäften und Büros haben zum Teil sogar klimatisierte Arbeitsplätze. Einzelne Behörden rufen bereits für ihre Mitarbeiter stundenweise „Hitzefrei“ aus und schließen früher. Darüber können andere nur müde lächeln. Denn sie haben richtig heiße Jobs. 

Was haben Dachdecker, Schweißer, Bauarbeiter, Postboten, Pizzabäcker und Dönerverkäufer gemeinsam? Ihr Arbeitsplatz ist richtig heiß, denn sie arbeiten trotz Hitzewelle in der prallen Sonne oder sind zusätzlich hohen Temperaturen ausgesetzt. Jobs, mit denen zurzeit wohl niemand tauschen möchte. 

Bekir Sen im Ünal-Grill an der Bahnhofstraße wäre ja froh, wenn er „nur“ 30 Grad an seinem Arbeitsplatz hätte. Aber der rotierende Dönerspieß wird permanent vom rot glühenden Grill bestrahlt. „Da sind es locker über 40 Grad im Laden“, schätzt er. Da hilft nur, viel Wasser trinken. Gäste warten auf ihr Essen auch lieber vor der Tür. Da ist es nämlich noch angenehmer als im Dunstkreis des brutzelnden Drehspießes. 

Eine ähnliche Taktik fährt auch Sinani Alji, Inhaber der Pizzeria La Luna. „Ich trinke fünf bis sechs Liter Wasser pro Tag“, verrät er. „Sonst übersteht man den Tag nicht.“ Und der fängt um 7 Uhr mit den Vorbereitungen an und endet gegen 23 Uhr. Wärme gibt hinterm Tresen nicht nur die Kühltheke mit den Zutaten für den Pizzabelag ab. Der Pizzaofen braucht eine Betriebstemperatur von 330 bis 350 Grad. Das ist immerhin das Zehnfache der Außentemperatur. Wenn er die Klappe öffnet, dann wird es höllisch heiß. „Früher hatte ich mal eine Klimaanlage im Laden“, erzählt Alji. Aber nach einer Lungenentzündung habe er die wieder abgeschafft. Jetzt setzt er sich tagsüber, wenn es ruhig ist, vor die Tür in den Schatten. Die buchstäblich heiße Phase beginnt erst ab 19 Uhr. „Dann kommen wir richtig ins Schwitzen.“ 

Unter der Hitze leiden auch die Postboten, die mit ihren vollgepackten Fahrrädern durch die Gemeinde radeln. „Besonders die ansteigende Strecke die Bahnhofstraße rauf nach Bönen ist momentan richtig anstrengend“, bestätigt Michael Böhm, „weil wir die ganze Zeit in der prallen Sonne unterwegs sind. Briefkästen und Geländer sind teilweise so heiß, dass man sie kaum anfassen kann.“ 

Höllisch heiß haben es derzeit auch die Dachdecker. Die Temperaturen auf Dächern und Balkonen sind schon schweißtreibend. Aber richtig heiß wird es, wenn Bitumenbahnen geschweißt werden müssen. „Da haben wir schnell mal mit Temperaturen zwischen 80 und 90 Grad zu tun“, erklärt Dachdeckermeister Nicolai Simon von der Firma Hoffmeister. „Bei diesen extremen Temperaturen arbeiten wir verkürzt von 7 bis 14 Uhr – dann sind wir aber auch durch.“

Eine Sieben-Stunden-Schicht – das wäre schön. Davon kann Stuart Akdemir aber nur träumen. Er und seine Kollegen arbeiten zurzeit mit Hochdruck daran, dass die Bauarbeiten am Bahnhof Nordbögge vorangehen, damit ab 6. September die Züge auf der Bahnstrecke Dortmund-Hamm wieder fahren können. „Elf Stunden sind normal, damit wir pünktlich fertig werden“, sagt Akdemir, während er in der prallen Mittagssonne den Betonmischer neben den Gleisen befüllt. „Der Bahnsteig in Richtung Hamm ist in Arbeit, am Montag beginnen wir in der Gegenrichtung.“ Und was macht der Mann, nachdem er einen langen Tag bei anstrengender körperlicher Arbeit in der Hitze verbracht hat? „Abends wird dann noch der Grill angeworfen“, lacht er. Manche mögen’s eben heiß.

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