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Bönens erste Frau im Landtag: Silvia Gosewinkel (SPD) gewinnt Mandat im Wahlkreis 117

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Von: Bernd Kröger

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Glückliche Genossen vor Darwins Bistro: Silvia Gosewinkel hat für die SPD im Wahlkreis das Mandat geholt. Gemeindeverbandsvorsitzender Thomas Semmelmann gratulierte mit Blumen.
Glückliche Genossen vor Darwins Bistro: Silvia Gosewinkel hat für die SPD im Wahlkreis das Mandat geholt. Gemeindeverbandsvorsitzender Thomas Semmelmann gratulierte mit Blumen. © Kröger

Silvia Gosewinkel ist neue Abgeordnete für die Menschen in Bönen, Kamen, Bergkamen und Herringen im Landtag. Die SPD-Kandidatin setzte sich nicht nur im Ortsduell mit Torsten Goetz (CDU) aus Bönen auf ganzer Linie durch.

Bönen/Kreis Unna – Silvia Gosewinkel ist nicht nur Siegerin im Bönener Ortsduell der NRW-Kandidaten. Die Sozialdemokratin hat sich auch in Bergkamen, Kamen und Hamm-Herringen gegen Torsten Goetz von der CDU durchgesetzt. Trotz gegenläufigem Landestrend mit Zugewinnen für die Union hat die 36-Jährige den traditionell roten Wahlkreis 117 für die Genossen behaupten können.

Vorsprung so nicht erwartet

„Einen so deutlichen Ausgang habe ich nicht erwartet“, räumte sie angesichts des vorausgesagten Kopf-an- Kopf-Rennens von Schwarz und Rot ein. Auch war nicht einzuschätzen, wie lang der Schatten des Eklats um Vorgänger Rüdiger Weiß vor exakt einem Jahr noch sein würde. Den SPD-Grande aus Bergkamen kostete sein Gebahren im privaten Gebrauch seines Abgeordneten-Briefkopfes das Amt. 5,5 Prozent hat Gosewinkel gegenüber der Wahl 2017 verloren.

Lob für Arbeit an der Basis

Sie bedauerte, dass ihre Partei ihr Wahlziel im Land nicht erreicht hat, richtete den Fokus aber gleich auf die lokalen Verhältnisse als Basis ihres Abschneidens: „Das ist eine schöne Bestätigung der guten Arbeit der Genossen vor Ort und in den kommunalen Gremien. Darauf bin ich sehr stolz und ich danke allen Helfern in den vier Orten. So etwas macht man nie allein. Wahlkampf ist Team-Work.“

CDU-Kandidat Torsten Goetz zufrieden

Die Union hat in Torsten Goetz gleichfalls einen Newcomer aus Bönen ins Rennen geschickt. Der 34-Jährige war selbstbewusst genug, gleich die Eroberung des Wahlkreises als Ziel auszurufen. Und nun? „Ich bin zufrieden, mein Ergebnis ist sehr gut“, interpretierte Goetz die Werte. „Wir rechnen bei einer Erstkandidatur mit 20 bis 25 Prozent, da liege ich mit 27 oder 28 drüber. Das ist eine gute Basis, um in fünf Jahren die Mehrheit zu kippen.“ Zuvor hatte er aber einen Glückwunsch an Gosewinkel vorweggeschickt.

Ein wahrer Heimvorteil lässt sich in den Ergebnissen aus den einzelnen Orten bei keinem der beiden Bönener ablesen. Goetz wie auch Gosewinkel haben relativ konstante Werte auch in Kamen, Bergkamen und Herringen.

Wahlbeteiligung sinkt erheblich

Den größten Verlust hat aber die Wahl selbst, mithin das parteienbasierte Parlamentssystem an sich erfahren. Die Wahlbeteiligung (49,7 Prozent) sank auf einen Tiefstwert noch unter dem um 9 Punkte gesunkenen Landesdurchschnitt (56 Prozent). Das Abschneiden der Bewerber im Wahlkreis 117 ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die Hälfte der Wahlberechtigten an dieser Abstimmung gar nicht teilgenommen haben.

Grüne auch hier die Nr. 3

Relativ konstant sind die Zustimmungswerte der übrigen Kandidaten. An die 18 Prozent der NRW-Grünen kam Bewerber Maximilian Ziel indes nicht heran. Platz drei markierte er mit 11,6 Prozent in Bönen, 12,34 in Bergkamen und 14,5 in Kamen. 6,9 in Herringen sind da der Ausreißer. Ebenso die 10,8 Prozent dort für AfD-Mann Ulrich Lehmann. Der Bergkamener Liberale Sebastian Knuhr schaffte die Fünf-Prozent-Marke, von der NRW-Partei knapp genommen, nicht. 4,61 Prozent in Bergkamen sind 1 Prozent Heimbonus im Ortsvergleich. Ebenso die dortigen 3,2 Prozent für Katja Wohlgemuth (Die Linke).

Am Montag schon in Düsseldorf

Die SPD hat Silvia Gosewinkel am Abend in Darwins Bistro einen jubelnden Empfang beschert. Die Anspannung der letzten Monate konnte sie dort bei bester Stimmung für einen Moment rauslassen. Schon am Montagmorgen beginnt für die in der Lehre tätige Logopädin der neue Lebensabschnitt als Landtagsabgeordnete: Vormittags geht’s per Bahn in die Landeshauptstadt, erstes Beschnuppern der neuen Fraktion, Auftakt der Büro-Organisation und etliches mehr.

Goetz verschnauft nur kurz

Torsten Goetz hat der Alltag so gut wie zurück. „Ich habe morgen frei, habe aber den Laptop parat, um im Homeoffice ein wenig zu erledigen“, berichtete der Leiter der Dienststelle Kamen des Jobcenters. Ab Dienstag geht es wieder ins Büro, aber am kommenden Wochenende – als Dankeschön für die Geduld – mit Ehefrau Sarah drei Tage mal raus.

Und so wie all das klang, könnte es bei der nächsten Landtagswahl wieder ein Bönener Duell geben.

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