Zum Tag der Nachbarn: Hilfe in Bönen funktioniert

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Solche fröhlichen Siedlerfeste wie hier bei den Holtfeld-Siedlern gehören bis auf weiteres der Vergangenheit an. Aber in Corona-Zeiten kümmern sich die Bönener Siedler vermehrt um ihre Nachbarn.

Bönen – Der Tag der Nachbarn, der heute in ganz Deutschland begangen wird, ist eine jährliche Initiative zur Stärkung des nachbarschaftlichen Miteinanders. In der Corona-Krise ist gute Nachbarschaft besonders wichtig. Auch die Bönener Siedlergemeinschaften, bei denen eine gute Nachbarschaft ja Programm ist, spüren Veränderungen, seit Covid 19 das Leben so drastisch verändert hat. Das hat auch positive Auswirkungen.

Viele rücken enger zusammen – natürlich nur im übertragenen Sinn und unter Einhaltung des vorgeschriebenen Sicherheitsabstands – und kümmern sich mehr um den Menschen nebenan.

"Man sieht genauer hin"

Dirk Lampersbach, Vorsitzender der Gemeinschaft Wenzfeld:  „Nachbarschaft wurde bei uns schon immer groß geschrieben. Die Coronakrise hat aber noch einmal alles verändert und dafür gesorgt, dass man genauer hinsieht und sich um die Nachbarn kümmert. Da fragt man öfter mal nach, vor allem bei älteren Mitgliedern und Menschen mit möglichen Erkrankungen, ob es ihnen gut geht und ob sie Hilfe brauchen. Wir hatten überlegt, Listen aufzustellen, um für hilfsbedürftige Nachbarn zum Beispiel einen Lieferservice zu organisieren, aber das stellte sich dann schnell als nicht notwendig heraus, weil die Familien das schon selbst geregelt hatten und sich bereits andere Hilfsgruppen zusammen gefunden hatten, etwa eine Initiative der Jusos und der evangelischen Pfarrer.

Das ist der positive Effekt der Pandemie – die Menschen kümmern sich mehr um ihre Nachbarn. Und das zeigt auch, dass wir eine weitgehend intakte Gesellschaft haben. Viele Nachbarn treffen wir inzwischen im Garten – mit Abstand über den Gartenzaun. Da entwickeln sich inzwischen Gespräche, die intensiver und vertrauter sind als sonst. Wir tauschen Tipps und Hilfen aus und fragen mehr nach als sonst, wie es den Menschen geht.

Den Tag des Nachbarn haben wir bisher nicht gefeiert. Aber das wäre eine gute Idee für die Zeit nach Corona.“

Wunsch nach einem gemeinsamen Ausflug

Angelika Rummler, Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Bönen-Dorf:  „Wir haben mit 138 Mitgliedern eine sehr große Gemeinschaft. Das Problem ist, dass wir nicht alle auf einem Fleck wohnen, sondern zum Teil weit auseinander. Insofern ist direkte Nachbarschaft nur zum Teil gegeben. Dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Nachbarschaftshilfe in Bönen außerhalb des Vereins gut funktioniert. Ich selbst wohne am Alten Kamp. Da haben junge Leute das Angebot gemacht, für uns einkaufen zu gehen. Das habe ich am Anfang sehr gerne angenommen. Meine 90-jährige Mutter in der Mühlenstraße ist auch teilweise von Nachbarn mitversorgt worden. Das hat toll geklappt. Von eigenen Hilfsaktionen haben wir in unserem Verein Abstand genommen. Treffen finden seit März nicht mehr statt. Wir hoffen aber, dass wir demnächst mal wieder einen gemeinsamen Ausflug machen können, um einen persönlichen Kontakt zu den Mitgliedern wieder herzustellen. Bisher läuft das alles über Telefongespräche.“

"Wir bilden auch sonst eine enge Gemeinschaft"

Sebastian Bieberschulte, Vorsitzender der kürzlich zusammengeschlossenen Siedlergemeinschaft Bergmannssiedlung Borgholz:  „Eigentlich kümmern wir uns nicht mehr als sonst um unsere Nachbarn oder Mitglieder. Wir bilden auch sonst eine enge Gemeinschaft und schauen besonders nach den Älteren.

Zu Beginn der Pandemie wollten wir eine Nachbarschaftshilfe aktivieren und hatten schon ein junges Paar gewonnen, um Hilfeanbieter und Hilfesuchende zusammenzubringen für Besorgungen oder andere Unterstützungen. Wir hatten das auch in unserem monatlichen Siedlerbrief kommuniziert, aber die Resonanz war gering. Einerseits ist das ja ein gutes Zeichen, weil es offensichtlich wenig Probleme in der Nachbarschaft gibt und jeder bereits Unterstützung hat. Manchmal würde ich mir aber wünschen, dass mehr Menschen, die alt sind oder Vorerkrankungen haben, Hilfen annehmen und nicht selbst einkaufen gehen. In unserer neuesten Siedlerzeitung haben wir allen, die die Schwierigkeiten haben, Nasen-Mund-Schutz zu bekommen, Hilfe angeboten. Wir haben jemand im Verein, der die Masken näht.

Gescheitert sind wir allerdings beim Toilettenpapier. Als das nicht mehr zu haben war, haben wir uns an den Grundgedanken der Siedlergemeinschaften erinnert: Einkaufsgemeinschaften zu bilden, um günstig Dünger oder Mutterboden zu kaufen. Wir sind dann in den Großmarkt gefahren in der Hoffnung, Klopapier für alle zu finden und anschließend zu verteilen. Leider waren aber auch dort die Regale leer.

Nach dem Zusammenschluss der beiden Gemeinschaften Bergmannssiedlung und Borgholz wollten wir eine große Kennenlernparty feiern. Durch Corona sind jetzt erst mal alle Pläne auf Eis gelegt. Aber irgendwann, wenn alles vorbei ist, holen wir das nach mit einer großen Nachbarschaftsfeier.

"Die Gärten sind das Sprachrohr unserer Siedlung"

Reinhard Stehl, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Auf der Woort: „Bei uns in der Blumensiedlung gibt es Grundstücke, die sehr große Gärten haben. Gerade jetzt in der Corona-Zeit sieht man sich gegenseitig häufiger mit der Gießkanne im eigenen Garten herumlaufen. Die Gärten sind damit so etwas wie das Sprachrohr in unserer Siedlung: Man sieht sich und nutzt die Gelegenheit für Smalltalk. Natürlich halten wir den Sicherheitsabstand dabei ein.“

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