Sicherheit steht vor dem Vogelschießen in Lenningsen an erster Stelle

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Das Vogelschießen auf dem Dorfplatz in Lenningsen zieht viele Königsaspiranten und viel Publikum an. Die Absperrungen vor der Schießanlage sorgen für Sicherheit.

Bönen – Wenn Freitagabend um 18 Uhr auf dem Dorfplatz in Lenningsen zum Auftakt des diesjährigen Schützenfestes der erste Schuss auf den Königsadler fällt, haben die Verantwortlichen des Schützenvereins Bramey-Lenningsen-Flierich im Vorfeld alles getan, um die umfangreichen Sicherheitsvorschriften zu erfüllen.

Denn Vogel aufstellen, Gewehr laden und zielen – so einfach ist es nicht, bestätigt der Vorsitzende der Schützen, Detlev Schlieper. Ohne regelmäßige Überprüfungen und Gutachten zur Schießanlage kein Vogelschießen. Und die Polizeibehörde Kreis Unna hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. 

Der Wettbewerb um die Königswürde wird schließlich mit Waffen ausgetragen, und da hat die Sicherheit der Schützen, aber auch der Zuschauer, oberste Priorität. „Wir sind als Kreispolizeibehörde ja auch Waffenbehörde“, erläutert Thomas Röwekamp, Sprecher der Polizei in Unna. „Deshalb erteilen wir die Genehmigung zum Betrieb der Vogelschießanlage, wenn alle relevanten Sicherheitsstandards eingehalten werden.“ In der Regel sei das kein Problem, weil der Betreiber, in diesem Fall der Schützenverein, ein Gutachten vorlegen muss über den Zustand der Schießanlage. 

Alle vier Jahre muss ein Gutachten über die Schießanlage angefertigt werden, sonst gibt es keine Freigabe.

Das machen spezielle Schießstandsachverständige, die alle vier Jahre die Anlage auf Herz und Nieren prüfen. Wenn sie keine Mängel feststellen und ihr OK geben, fällt das obligatorische Gutachten positiv aus. „Das Gutachten muss bei der Polizeibörde vorgelegt werden“, erklärt Röwekamp. „Wenn die Sachverständigen bestätigen, dass alle Sicherheitsvorschriften eingehalten werden, dann haben wir keine Bedenken, die Genehmigung zu erteilen.“ 

Grundsätzlich können die zuständigen Bezirksbeamten die Schießanlage auch noch einmal persönlich kontrollieren. „Das ist aber nicht vorgeschrieben und passiert eher selten“, so Röwekamp. 

Die Vorbereitungen für das Vogelschießen passieren also frühzeitig. „Alle vier Jahre muss die Schießanlage komplett überprüft werden“, sagt Detlev Schlieper. „Ein Schießstandsachverständiger kommt extra von außerhalb, schaut sich alles genau an, macht Fotos und erstellt ein Gutachten. Dafür werden dann schon einmal rund 400 Euro fällig.“

Vor Kurzem hat der Verein eine bauliche Veränderung vorgenommen und eine neue Gewehrauflage gebaut, weil bei der alten das Fundament gebrochen war. „Zu den knapp 1000 Euro Kosten kamen gleich noch einmal 250 Euro Gebühren für das Gutachten“, rechnet Schlieper vor. 

Ebenfalls überprüft werden muss aus Sicherheitsgründen die motorbetriebene Seilwinde, die den Schusskasten am Gittermast rauf und runter befördert. Dazu muss jedes Jahr eine Fachfirma beauftragt werden, die mit einem Hubsteiger kommt und die Funktion der Winde prüft. „Um die Kosten zu reduzieren versuchen wir, den Termin mit den Bürgerschützen Bönen zu koordinieren“, sagt Schlieper. „Der Nordbögger Schützenverein hat derzeit noch eine handgetriebene Seilwinde.“ 

Drei Schießwarte sorgen für reibungslosen Ablauf

Drei Schießwarte sorgen in Lenningsen dafür, dass alles reibungslos läuft und niemand zu Schaden kommt: Jörg Grünewald, Achim Sinner und Thomas Mellenthin. Sie haben extra einen mehrtägigen Schießstandsachverständigenlehrgang besucht. 

Während des Vogelschießens sind sie verantwortlich für den sicheren Ablauf, Waffe und Munition. Sie sorgen auch für die Absperrung des Schießplatzes – nicht nur in ausreichendem Abstand zum Publikum, sondern auch neun Meter an den Seiten der Vogelstange und fünf Meter nach hinten. „Der Radweg bleibt in der Zeit gesperrt“, so Schlieper. 

Geschossen wird in Lenningsen mit einläufigen Gewehren Kaliber 16 und sogenannten Königspatronen. Die Einzelgeschosse aus Blei bleiben in der Regel im Vogel oder im Geschosskasten stecken, deshalb sind sie aus Weichholz gefertigt. „Das verringert die Gefahr, dass ein Schuss abprallt“, sagt Schlieper. 

Übrigens: Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass auch mal zu stärkerer Munition gewechselt wird, wenn sich nichts bewegt und der Vogel gar nicht fallen will. „Das wurde früher ab und zu gemacht, ist aber heute nicht mehr erlaubt“, so Schlieper. „Wenn es länger dauert, dann muss man eben Geduld haben. Dafür haben wir im Notfall Flutlicht.“ 

Sein Tipp, wann der Vogel fällt? „Ich schätze, 450 Schuss hält der Vogel schon aus.“

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