Coronavirus in Bönen

Sicherheit geht vor:  Unternehmen stellen Arbeit um wegen Coronavirus

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Welser Profile hat alle Auszubildenden und Mitarbeiter, die zu einer Risikogruppe gehören, nach Hause geschickt.

Das Coronavirus verändert das Leben und damit auch den Berufsalltag. In Bönen haben viele Betriebe auf den Pandemieausbruch reagiert, und in den Unternehmen nunmehr besondere Maßnahmen.

Bönen – Die Gea-Group war dabei wohl einer der ersten Arbeitgeber, der sich mit dem Thema Coronavirus beschäftigt hat. Schließlich hat der M-Dax notierte Konzern Produktionsstätten in über 60 Ländern dieser Erde – auch in China. Und so hat Gea bereits im Januar Krisenteams in allen Standorten gebildet. 

„Die Mitglieder der Teams konferieren seitdem täglich telefonisch, und sie stehen in engem Kontakt mit Virologen“, berichtet ein Unternehmenssprecher. „Wir haben sehr früh mit entsprechenden Maßnahmen begonnen.“ Dienstreisen wurden massiv zurückgefahren, Teilnahmen an Veranstaltungen beschränkt. 

Zudem wurden alle Mitarbeiter, die in der Administration beschäftigt sind und über ein Firmen-Laptop verfügen, aufgefordert, die Geräte abends mit nach Hause zu nehmen. Damit soll gewährleistet sein, dass sie notfalls am nächsten Morgen sofort von zu Hause aus arbeiten können. Die dafür notwendige technische Infrastruktur hat Gea aufgestockt. 

Derweil arbeiten bereits etliche Mitarbeiter des Systemanbieters im Heimbüro. „Das geht aber nur in Absprache mit der Geschäftsleitung und danach, welche Bereiche vor Ort gebraucht werden“, erklärt der Pressesprecher. Die Kantine im Bönener Werk wurde schon am 2. März geschlossen. Die Produktion im Inlogparc laufe ansonsten ganz normal weiter, und das betreffe ebenso die anderen Standorte der Gruppe, selbst in China und Italien.

Coronavirus in Bönen: Für Kühe rücken die Servicetechniker aus

Gearbeitet werde unter den gebotenen Sicherheitsvorkehrungen. Das heißt, es wird darauf geachtet, dass die Beschäftigten die Hygienevorgaben einhalten. Zudem dürfen Externe das Firmengelände an der Siemensstraße derzeit nicht betreten. Die Service-Mitarbeiter von Gea müssen allerdings trotzdem raus: „Wir haben gerade in Bönen ‘lebendige Kunden’. Und Kühe müssen nun mal gemolken werden. Wenn eine Melkmaschine ausfällt, müssen wir natürlich helfen“, heißt es aus der Firmenzentrale – insbesondere, weil die Landwirte und Milchviehhalter momentan einen wichtigen Beitrag zur Lebensmittelversorgung leisten und sogar mehr produzieren müssen als üblich. 

In Absprache mit den Kunden würden dann individuelle Lösungen gefunden, beispielsweise dass Anlagen von den Gea-Technikern nachts repariert werden, wenn die Belegschaft des Kunden nicht vor Ort ist. „Wir vertreten die Einstellung: „Lieber jetzt harte Einschnitte, als auf langfristige Zeit schauen, wie man hinkommt“, sagt der Konzernsprecher. 

Gea ist unter anderem auch in China aktiv. Entsprechend früh hat das Unternehmen auf das sich ausbreitende Virus reagiert.

Auch der Krisenstab der Sparkasse Bergkamen-Bönen trifft sich täglich. Allerdings kommen die Verantwortlichen des Kreditinstitutes nicht mehr im kleinen Besprechungsraum in der Hauptstelle in Bergkamen zusammen, wie es sonst bei der geringen Personenanzahl vielleicht üblich wäre. „Wir treffen uns im großen Konferenzsaal, damit wir Abstand zueinander halten können – ähnlich wie beim Klausurenschreiben an der Uni“, berichtet Sparkassen-Sprecher Michael Krause. 

Noch arbeiten er und seine Kollegen vor Ort in den Haupt- und Geschäftsstellen der Sparkasse, lediglich die Filiale in Bergkamen-Rünthe wurde geschlossen. „Wir sind aber so ausgestattet, dass alle Mitarbeiter an wichtigen Positionen sofort von zu Hause aus arbeiten könnten“, erzählt er. Um die Mitarbeiter in der Beratung vor einer Ansteckung zu schützen, hat das Unternehmen mittlerweile den Sicherheitsabstand zum Schalter vergrößert. 

Beratungsangebot per Telefon erweitert

Außerdem wurde das Beratungsangebot via Telefon erweitert. „Wir können inzwischen fast alles telefonisch beraten, von Fragen zum Girokonto bis hin zu Wertpapieren“, bittet Michael Krause die Kunden, von diesem Service auch Gebrauch zu machen. Personell ist die Sparkasse momentan leicht eingeschränkt, da unter den Mitarbeitern etliche Eltern sind, die nun ihre Kinder betreuen müssen. „Zwar gehören wir als Finanzdienstleiter zu der Gruppe der Schlüsselberufe, aber es ist natürlich nicht gut, die Kinder in Notgruppen zu schicken, wenn man die Sozialkontakte einschränken will“, so der Pressesprecher. Deshalb verzichtet die Sparkasse lieber vorübergehend auf die Mütter und Väter. 

Nicht nur diese Unternehmen haben mit dem Coronavirus zu kämpfen. Welche Auswirkungen das Coronavirus im Kreis Unna hat, erfahren Sie in unserem News-Ticker.

Der Medizintechnik-Hersteller Schmitz und Söhne, der neben dem Stammsitz in Wickede auch in Bönen einen Standort unterhält, hat sich laut Geschäftsführer Matthias Schmitz mit dem Gesundheitsamt in Unna in Sachen Infektionsprävention abgestimmt. „Danach haben wir Pläne erstellt, wie wir die Mitarbeiter auseinander bekommen, damit sie nicht so eng beieinander sitzen. Viele arbeiten deshalb nun im Homeoffice. 

Externe dürfen zur Zeit nicht ins Unternehmen

In der Produktion haben wir einen Mehrschichtbetrieb eingeführt, wo es sonst nur einen Einschichtbetrieb gegeben hat, und auch die Pausenregelung haben wir geändert“, erklärt der Geschäftsführer. Die regelmäßigen Konferenzen im Haus wurden abgesagt, an anderen Zusammenkünften dürfen maximal nur vier Personen gleichzeitig teilnehmen. Darüber hinaus setzt das Unternehmen auf Aufklärung und informiert die Mitarbeiter über alles Wichtige im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Überall im Betrieb stehen Spender mit Desinfektionsmittel, und Externe dürfen zurzeit nicht ins Unternehmen. 

Bei Welser-Profile wurden Anfang der Woche sogar alle Auszubildenden bis auf Weiteres heimgeschickt. Urlaub sei das aber nicht, macht Alessandro Pirillo deutlich. „Sie haben über das Online-System Material bekommen, sodass sie zu Hause weiterlernen können“, berichtet der Unternehmenssprecher Ebenfalls nach Hause geschickt hat der österreichische Profilhersteller, der unter anderem das Produktionswerk in Bönen betreibt, alle Angestellten, die zu einer Risikogruppe gehören. 

Derzeit noch am Anfang des Pandemieplans

Und schließlich machen alle Welser-Mitarbeiter, die dazu in der Lage sind, „Mobil Working“, sie arbeiten also nicht vor Ort an der Edisonstraße. Dafür wurde extra die Hardware aufgestockt. „Damit wollen wir die Dichte von Mitarbeitern in den Büros so gering wie möglich halten“, erläutert Alessandro Pirillo. „Wir haben grundsätzlich in unserem Unternehmen einen Pandemieplan, der jetzt ausgerufen wurde. Er ist in verschiedene Phasen eingeteilt, und wir sind im Augenblick am Anfang. Je nachdem, wie sich die Situation entwickelt, werden die Maßnahmen sukzessive hochgefahren.“ Welser wolle damit die Produktion so lange wie möglich aufrecht erhalten und gleichzeitig das Risiko für die Mitarbeiter so gering wie möglich halten, betont der Unternehmenssprecher. 

In der Kik-Zentrale in Bönen wird in zwei Schichten gearbeitet. Die Mitarbeiter der Schichten sollen sich möglichst nicht begegnen.

Auch beim größten Arbeitgeber in Bönen, dem Textildiscounter Kik, werden derzeit zahlreiche Maßnahmen unternommen, um die Mitarbeiter weitgehend vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Während die Kik-Filiale unter dem Dach von Edeka in der Ortsmitte wie andere Einzelhandelsgeschäfte auch gestern schließen musste, wird in der Firmenzentrale im Bönener Industriegebiet weiter gearbeitet. 

Zweischicht-System eingeführt

„Alle Maßnahmen werden regelmäßig an unsere Mitarbeiter kommuniziert“, sagt ein Unternehmenssprecher „Unser Ansatz ist, dabei lieber einen Extraschritt mehr zu tun.“ Um die Kontakte und damit die Ansteckungsgefahr zwischen den Mitarbeitern so weit wie möglich zu reduzieren, gilt in der Bönener Zentrale ein Zweischicht-System. Zwischen den Vormittags- und Nachmittagsschichten ist ein zeitlicher Abstand von 30 Minuten eingerichtet, so dass sich Mitarbeiter nicht auf den Fluren begegnen. Bereichsübergreifende Besprechungen erfolgen bis auf weiteres telefonisch. 

Die Hauskantine, die sonst auch gerne von externen Besuchern genutzt wird, bleibt ebenfalls bis auf weiteres geschlossen. Die Pantryküchen auf jedem Flur stehen den Mitarbeitern unter Beachtung der notwendigen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen zur Verfügung.

Maßnahmen, Erlasse, Regelungen: In unserem NRW-Ticker berichten wir über aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus.

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