Sicherheit im Seniorenzentrum mit Tests  und Eingangskontrollen

+
Ein Security-Mitarbeiter achtet bei Besuchern und Bewohnern darauf, dass sie die Sicherheitsmaßnahmen einhalten, wenn sie das Haus von Einrichtungsleiter Ralf Degenhardt-Ruhoff (links) betreten oder verlassen.

Bönen – Nach dem Lockdown dürfen Bewohner des Awo Seniorenzentrums in Bönen wieder Besuch empfangen und das Haus verlassen. Security am Eingang soll eine Infektion verhindern. Leiter Ralf Degenhardt-Ruhoff fordert zudem kostenlose Corona-Tests für seine Mitarbeiter.

Sie haben schwierige Monate hinter sich – und jetzt wird es nicht leichter, denn Corona ist noch lange nicht vorbei. Nach dem Lockdown in der ersten Coronawelle, hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Ende Juni Lockerungen in den Pflegeheimen angeordnet. „Dass unsere Bewohner jetzt wieder Besuch empfangen und sich sechs Stunden außerhalb des Hauses bewegen dürfen, erhöht die Ansteckungsgefahr“, sagt der Chef des Bönener Awo Seniorenzentrums, Ralf Degenhardt-Ruhoff. 

Um so unverständlicher ist es für ihn, warum andere Gruppen kostenlose Corona-Tests machen können, das Pflegepersonal aber ausgeschlossen ist. Er gehört zu den 50 stationären Pflegeeinrichtungen im Kreis Unna, die einen offenen Brief an Laumann geschrieben haben. Darin fordern die Leitungen der Pflegeheime des Kreises Unna kostenlose Coronatests. 

Vor einigen Wochen hatten sie im Rahmen ihrer Arbeitsgemeinschaft in zwei Sitzungen im Kreishaus über wünschenswerte Verbesserungen im Rahmen der Pandemie beraten. „Schon damals wurde deutlich, dass der kurzfristige Aktionismus des Ministeriums bei der einen oder anderen Einrichtung auf wenig Gegenliebe traf. 

Mängel für eine mögliche zweite Welle verhindern

In den rund 50 stationären Pflegeeinrichtungen im Kreis Unna wurde der Wunsch geboren mit der Kreisbehörde ins Gespräch zu kommen, um Mängel, die sich bei der ersten Welle ergeben hatten, für eine mögliche zweite Welle zu verhindern“, so Hans-Michael Haustein, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Stationären Pflegeinrichtungen im Kreis Unna und Leiter des Marie-Juchacz-Seniorenzentrums der Awo in Unna. Der Landrat habe inzwischen einen Gesprächstermin zugesagt. 

Was die Pflegemitarbeiter im Kreis umtreibt, ärgert auch den Bönener Einrichtungsleiter: „Nachdem man uns eine Zeit lang applaudiert hat, sind wir bei den Tests jetzt wieder die Letzten, obwohl wir so nah mit unseren Patienten zusammenarbeiten“, sagt Degenhardt-Ruhoff. „Im Lockdown war es zwar wirklich schwierig für unsere Patienten, und viele sind regelrecht vereinsamt, aber seit der Gesundheitsminister von NRW die Regelungen gelockert hat, ist es auch schwieriger, das Infektionsrisiko zu kontrollieren.“ 

Kontrollen am Eingang

Steigenden Infektionszahlen – und explosionsartigen Ausbrüchen in einigen Pflegeeinrichtungen – will er mit Kontrollen am Eingang des Seniorenzentrums begegnen. Der Sicherheitsmann kontrolliert alle Besucher und Bewohner, die das Haus betreten oder verlassen. Er achtet darauf, dass der Desinfektionsspender benutzt wird, ebenso wie Masken, Handschuhe oder Schutzkleidung.

Der Eingang des Awo Seniorenzentrums.

„Unsere Bewohner sind zwar alle informiert über die Risiken, aber wir wissen nicht, wen sie bei einem Spaziergang treffen, ob sie genügend Abstand halten oder die Maske verrutscht“, sagt Degenhardt-Ruhoff. Deshalb sei das Infektionsrisiko für die Bewohner seiner Einrichtung größer als im Lockdown – genauso wie für seine Mitarbeiter. „Die leisten seit dem Corona-Ausbruch großartige Arbeit, aber testen lassen können sie sich nicht kostenlos.“ 

Das kritisiert auch die Arbeitsgemeinschaft der Stationären Pflegeinrichtungen im Kreis Unna in ihrem offenen Brief an den Gesundheitsminister: „Nachdem jetzt in der Diskussion ist, dass alle an Schule und Kitas-Beteiligten regelmäßige kostenfreie Corona-Tests erhalten sollen, sieht die Arbeitsgemeinschaft auch die regelmäßige, kostenfreie Testung der Pflegemitarbeiter als dringend notwendig an. 

Bisher können diese sich nur bei Symptomen, angeordneten Untersuchungen oder Infektionen im direkten Umfeld kostenfrei testen lassen.“ Der Brief zitiert auch Schulministerin Yvonne Gebauer: „Neben dem Recht auf Bildung ist auch die Gesundheit aller am Schulleben Beteiligten ein hohes Gut, das wir schützen.“ 

Lehrer und Urlauber werden kostenlos getestet

Parallel werde die kostenfreie, freiwillige Testung von Urlaubern aus Nichtrisikogebieten diskutiert. Dies sei alles richtig und nachvollziehbar, so Sprecher Hans-Michael Haustein. „Wieso ist die regelmäßige, kostenfreie Testung für unsere Kolleginnen und Kollegen in der Pflege nicht möglich? Unsere Bewohner haben ein sehr hohes Risiko. Wir fordern die regelmäßige kostenfreie Testung, denn auch die Gesundheit aller in und an der Pflege Beteiligten ist ein hohes Gut!“

Es könne nicht sein, dass in der Lockdown-Phase die Menschen und die Politik unseren Beschäftigten applaudierten, eine Prämie beschlossen wurde und anschließend die gleichen Beschäftigten schlechter gestellt werden als andere Berufsgruppen, betont der Sprecher der Vereinigung. 

Auch Degenhardt-Ruhoff ist überzeugt, dass regelmäßige Testungen von allen, die an der Altenpflege beteiligt sind, helfen, die Pandemie einzudämmen – „und zwar nicht nur dann, wenn Symptome auftreten und oder das Gesundheitsamt dies anweist.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare