Seniorenheime und Pflegedienste warten auf Corona-Schnelltests

Den Einrichtungen und Anbietern im Kreis Unna fehlen Informationen

 Awo-Seniorenzentrum Bönen
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Die Mitarbeiter im Awo-Seniorenzentrum Bönen wollen sich, die Besucher und natürlich die Bewohner schützen.

Bönen/Bergkamen – Pflegeheime und Krankenhäuser sollen ab 15. Oktober Antigen-Schnelltests großzügig nutzen, um Personal, Besucher sowie Patienten und Bewohner regelmäßig auf das Corona-Virus zu testen, heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium. Fachminister Jens Spahn verkündete am 4. Oktober eine entsprechende Testverordnung, sprach zudem von einer Refinanzierung von 50 Tests pro Person und Monat. Das Problem: In den Altenpflegeeinrichtungen, den ebenfalls berechtigten Pflegediensten und dem zuständigen Gesundheitsamt des Kreis Unna gibt es immer noch keinerlei Informationen über Beschaffung der Testsets und die praktische Umsetzung vor Ort.

Ulrike Elshoff, Chefin des gleichnamigen Bönener Pflegedienstes, fühlte sich gleich bei der Ankündigung der Maßnahme an den Beginn der Corona-Pandemie erinnert. „Nix“, erklärt sie, „ich hab keinen Test hier und auch noch keinerlei Informationen erhalten.“ Wahrscheinlich sei es so wie damals im Frühjahr als Schutzkleidung angekündigt war, die aber erst zehn Wochen später tatsächlich beim Gesundheitsamt geordert werden konnte. „Und dann zu überhöhten Preisen, höher als auf dem chinesischen Schwarzmarkt“, ärgert sich die Geschäftsführerin des Pflegezentrums Elshoff. „Es ist doch alles unklar. Zum Beispiel wie und wer ausgebildet wird, solche Test richtig abzunehmen oder ob ein Arzt ins Haus kommt.“

Elshoffs Kollege Tino Stracke aus der Pflegepraxis Anita Stracke weiß über die Schnelltests ebenso wenig. Seine persönliche Erfahrung ist aber, dass das Kreis-Gesundheitsamt schon jetzt überfordert ist. Die Behörde müsse die Koordination der Tests übernehmen, daneben Infektionsketten nachvollziehen. „Unsere Kunden müssen getestet werden, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen werden, und 14 Tage später noch einmal“, sagt der Pflegedienstleiter. Schon das funktioniere nicht immer. „Unsere Mitarbeiter werden gar nicht, während Fußballspieler jeden Tag getestet werden. Da kommt mir doch die Galle hoch“, sagt Ulrike Elshoff als erklärter Fußballfan.

Hygienemaßnahmen bisher erfolgreich

Die Situation in den Pflegeeinrichtungen ist genauso unklar. „Keine Info“, erklärt Ralf Degenhardt-Ruhoff. „Wir werden gemeinsam mit dem Kreis agieren.“ Die bisherigen Hygienemaßnahmen mit Security am Eingang, Fragebogen zum Gesundheitszustand des Besuchers und das Fiebermessen hätten bisher ausgereicht. „Wir hatten keine Infektionen“, so der Leiter des Awo-Seniorenzentrums.

Degenhardt-Ruhoff stellen sich aber die gleichen Fragen wie seinem Bergkamener Kollegen Ludger Moor. „Wir warten auf die Ausführungen seitens des Ministeriums“, sagt der Leiter des Hermann-Görlitz-Zentrums in Bergkamen. Gedanken habe er sich eine Menge gemacht. Naheliegende. „Wer nimmt die Tests vor und wie? Welche Form von Test wird es sein?“, fragt Moor und rechnet vor: „Wir haben 142 Bewohner, bei 50 Tests pro Bewohner sind das 7100 im Monat. Ich weiß ja nicht, wie lange das dauert, wenn unser Personal die durchführt. In jedem Fall geht Zeit für die Betreuung verloren.“ Außerdem verfüge das Hermann-Görlitz-Zentrum nicht über geeignete Warteräume. „Ich glaube nicht, dass es den Besuchern Spaß macht, eine Viertelstunde im Winter draußen warten zu müssen.“ Die „normalen“ Coronaschutzmaßnahmen fruchteten. „Wir haben aktuell keine Infektionen, hatten 20, 25 Testungen, die alle negativ waren“, sagt Moor. Der Einrichtungsleiter spricht in dem Zusammenhang von sehr diszipliniertem Verhalten seiner Mitarbeiter, die sich von Versammlungen und Feiern fernhielten.

Ein solches Lob verteilt auch Ira Schöße vom Haus Seniorenglück in Rünthe. „Unsere Mitarbeiter sind vorsichtig, die Angehörigen unterstützen ebenfalls durch ihr Verhalten.“ Das Pflegeheim setze die geforderten Maßnahmen penibel und mit Erfolg um. „Wir haben bisher keinen Infizierten“, so Schöße. „Wir wollen die Schnelltests, haben Mitarbeiter, die die Tests durchführen können“, sagt sie.

Die Situation des Frühjahrs mit isolierten Senioren wollen die Rünther wie die anderen Senioreneinrichtungen in jedem Fall verhindern. „Wir haben ja die Schnelltests für Altenpflegeeinrichtungen gefordert. Das Problem sind aktuell die fehlenden Bestimmungen“, schließt Moor. „Wir hätten uns ein paar Tage Vorlauf gewünscht, um uns vorzubereiten.“

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