Latente Gefahr

Seniorenberater warnt vor digitalem Diebstahl bei NFC-Karten

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Die Bankkarte kann mit einer Spezialhülle gegen ungewollten Zugriff geschützt werden. Auch lässt sich die NFC-Funktion sperren.

Bönen – Seit Ausbruch der Corona-Pandemie bezahlen die Menschen zunehmend bargeld- und auch kontaktlos, also ohne die Eingabe einer Pin-Nummer. Bankkarten mit sogenannter NFC-Funktion sind allerdings nicht gänzlich sicher, meint der Bönener Seniorenberater Gerd Struwe. Er rät zu Vorsichtsmaßnahmen.

Körperkontakt ist in Corona-Zeiten keine gute Idee, zumindest dann nicht, wenn zahlreiche Menschen das gleiche berühren. Und deshalb setzen mittlerweile viele Bönener inzwischen auf die Möglichkeit, ihre Einkäufe kontaktlos mit der Bank- oder Kreditkarten zu bezahlen. Dabei wird das „Plastikgeld“ kurz vor ein Gerät an der Kasse gehalten und schon wird die geforderte Summe von einem Konto auf das andere Konto übertragen. Eine einfache Sache – auch für Diebe. Deshalb sollten die Nutzer sich schützen.

Karten lassen sich „knacken“

Auf den digitalen Taschendiebstahl macht der Bönener Gerd Struwe jetzt aufmerksam. „Ich habe im WA gelesen, dass immer mehr Bönener kontaktlos mit der Bankkarte bezahlen. Die meisten wissen allerdings gar nicht, dass das nicht ganz ungefährlich ist“, sagt der Seniorenberater der Kreispolizeibehörde. Normalerweise weist er die Bönener während seiner ehrenamtlichen Beratungen und Vorträge auf solche Machenschaften hin. Doch die Corona-Pandemie hat auch dieses Angebot derzeit ausgebremst, deshalb möchte Struwe die Menschen nun auf diese Weise vor der elektronischen Abzocke warnen.

Festgestellt, wie wichtig das ist, hat er bereits vor dem Ausbruch der Lungenkrankheit. Bis zum Ausbruch der Pandemie standen er und seine Mitstreiter nämlich regelmäßig einmal pro Monat im Eingangsbereich des Discounters Lidl in Bönen, um die Kunden über die Maschen der Kriminellen aufzuklären. „Was etwa 85 Prozent der Angesprochenen nicht wussten, ist, dass sich dieses Teil knacken lässt“, erklärt Struwe und hält dabei eine Bankkarte mit dem Wellensymbol in der Hand. Dieses Zeichen steht für Near Field Communication (NFC), auf Deutsch: Nahfeldkommunikation. Es bedeutet, dass die Karten in der Lage sind, Daten per elektromagnetischer Ströme über kurze Strecken zu übertragen. Konkret werden also die Kontoverbindungen ausgetauscht. Die Bank- und Kreditkarten der neuen Generation sind fast alle NFC-fähig – es sei denn, ihr Nutzer lässt diese Funktion von seinem Kreditinstitut sperren.

Lesegeräte gibt's für wenig Geld im Internet

Die Lesegeräte, die die Daten empfangen, sind allerdings schon für wenig Geld im Internet zu haben, weiß Gerd Struwe. Mit der passenden Software, einem Smartphone und etwas krimineller Energie lassen sie sich dann für einen Raubzug nutzten, wie der Seniorenberater recherchiert hat. „Auch durch das Portemonnaie, den Rucksack oder die Handtasche hindurch lassen sich die Daten abgreifen“, warnt er. „Und das noch aus einem halben Meter Entfernung.“

Struwe bezieht sich dabei unter anderem auf eine Sendung des Südwestrundfunks, in der gezeigt wird, wie einfach das Ganze funktioniert. „Manche Banken raten ihre Kunden, die Karte zwischen andere Karten mit der NFC-Funktion zu stecken, weil sich die Signale dann gegenseitig stören“, so der Bönener. Doch auch das sei kein Schutz, wie Gegenbeispiele zeigten. Die Täter haben dabei leichtes Spiel: Sie brauchen das Gerät nur in die Nähe der Hosen- oder Handtasche zu halten, in der die Geldbörse des Opfers steckt – beim Einkaufen im Supermarkt oder gar auf dem Wochenmarkt leicht zu machen. Und auch die vermeintliche Höchstgrenze von 25 beziehungsweise aufgrund der Corona-Pandemie aktuell 50 Euro bei einigen Kreditinstituten, bis zu der die Geräte keine Pin oder Geheimzahl verlangen, konnten bei Tests überschritten werden. Zwar musste der „Täter“ bei einigen Karten unterschreiben, doch wurde die Signatur nicht überprüft: Das Gerät akzeptierte willkürliche Kritzeleien.

Spezialhülle kann schützen

Einen wirksamen Schutz hat Gerd Struwe aber doch ausgemacht: „Es gibt Spezialhüllen, die über die Karte gezogen werden und die die Datenübermittlung verhindern.“ Zu haben sind diese „Überzieher“ bei den Banken und Sparkassen. Die Alternative ist, die NFC-Funktion sperren zu lassen. Damit nimmt sich der Kunde jedoch die Möglichkeit, kontaktlos zu bezahlen.

Deaktivieren lässt sich die Funktion einfach am Bankautomaten, erklärt Benedikt Kemmann von der Volksbank Bönen. Einen Missbrauchsfall ist bei der hiesigen Bank bisher allerdings nicht bekannt. „Die Sicherheitsmechanismen greifen zuverlässig, und darüber sind wir natürlich sehr froh“, sagt Kemmann. So gebe es bei den Volksbankkarten neben einer maximalen Transaktionssumme von 50 Euro außerdem eine Höchstzahl an Transaktionen pro Tag beziehungsweise einen Maximalbetrag. „Danach muss dann die Pin wieder eingegeben werden“, erklärt der Fachmann. Für die meisten Ganoven lohne es sich also nicht, ein so hohes Risiko einzugehen.

Transaktionsbeträge sind begrenzt

Einen ganz ähnlichen Schutz mit maximalen Transaktionsbeträgen und -summen verspricht auch die Sparkasse Bergkamen-Bönen. „Bislang gab es in der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe keinen einzigen Fall“, berichtet Sparkassen-Mitarbeiter Christian Pingel.

Er glaubt ebenfalls, dass die Gefahr, erwischt zu werden, für potenzielle Täter hoch sei. „Wer ein Gerät kauft, muss sich legitimieren und seinen Personalausweis vorlegen. Und dann lassen sich Transaktionen auch zurückverfolgen.“

Für diejenigen, die es trotzdem trifft, gibt es nur einen Weg: den Diebstahl sofort anzeigen. „Der Schaden ist über die Karte versichert“, erklärt Benedikt Kemmann von der Volksbank Bönen.

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