Senior von Schranke getroffen: Öffnungszeit des Bönener Bahnübergangs zu kurz?

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Anneliese Rüger und Kurt Urban vor der Schranke in der Ortsmitte: Hier wurde der 92-Jährige beim Überqueren des Bahnübergangs von der herunterschnellenden Schranke getroffen und verletzt. Anneliese Rüger konnte der Schranke wenige Tage später nur knapp ausweichen.

Bönen - Das war knapp. Als Kurt Urban (92) mit seinem Rollator den Bahnübergang an der Bahnhofstraße passieren will, schafft er es nicht mehr rechtzeitig. Die Schranke kracht herunter und trifft ihn am Kopf. Ein paar Tage später kann Anneliese Rüger (83) der Schranke nur knapp ausweichen. Wie gefährlich ist die Überquerung für Senioren? 

Kurt Urban ist auf seinen Rollator angewiesen, wenn er sich durch Bönen bewegt. Das ist das Problem, wenn er den Bahnübergang in der Ortsmitte überqueren will. Denn damit kommt er nicht so schnell vorwärts. Als er schon glaubt, auf der sicheren Seite angekommen zu sein, trifft ihn die Schranke mit voller Wucht. Er schlägt hin. Passanten helfen ihm auf die Beine und bringen ihn in Sicherheit. 

Wenige Tage später schafft es Anneliese Rüger nur mit knapper Not, der herunterschnellenden Schranke auszuweichen. Ist die Verschlusszeit für Senioren und alle, die nicht so gut zu Fuß sind, einfach zu kurz, um sicher den Bahnübergang in der Ortsmitte zu überqueren? 

Der Schreck steckt Kurt Urban noch in den Knochen – und die Beule am Kopf ist immer noch spürbar. „Ich war zusammen mit meiner Haushaltshilfe unterwegs“, erzählt er. „Sie begleitet mich bei Einkäufen“. Als die beiden über die Gleise gehen, gibt es noch keine Anzeichen, dass die Schranken gleich schließen werden. 

Die Räder des Rollators bleiben immer wieder stecken

„Wir waren schon unterwegs, als es bimmelte. Wir sind zügig gelaufen, so weit das mit dem Rollator möglich ist“, berichtet er. „Aber das ist nicht so einfach. Denn die Räder bleiben immer wieder stecken auf dem unebenen Pflaster und in den Schienen. Dann muss ich den Wagen anheben. Das kostet Zeit“, schildert Kurt Urban das Problem.

Aber viel Zeit hat er nicht. 15 Sekunden nachdem das Läutwerk bimmelt und die Ampel auf Rot schaltet, gehen die Schranken in beiden Richtungen hinter den Passanten runter, nach 30 Sekunden schließen die vorderen Schranken den Bahnübergang ab. 

Er schafft es nicht mehr, rechtzeitig die sichere Seite hinter der Schranke zu erreichen. Die Schranke schnellt nach unten und trifft ihn am Kopf. Der 92-Jährige geht zu Boden. Er hat Glück, weil er vor der Schranke hinfällt. So kann ein Mann, der das Ganze sieht, ihm zur Hilfe eilen. „Ich war etwas benommen, aber nicht ohnmächtig“, berichtet Kurt Urban. Er hat eine Beule am Kopf, aber keine Gehirnerschütterung. Es hätte schlimmer enden können. 

Mit dem Rollator kostet der Weg über die Schienen viel Zeit.

Ein paar Tage später gerät seine Nachbarin Anneliese Rüger am Bahnübergang an der Bahnhofstraße ebenfalls in eine brenzlige Situation. „Ich war schon drei oder vier Schritte auf dem Übergang, als das Bimmeln ertönte“, erzählt sie. „Ich habe versucht, zügig die Gleise zu überqueren, aber mit dem Rollator ist das kaum zu schaffen.“ Sie kann gerade noch der herunterkrachenden Schranke ausweichen. „Immer wieder bleiben die Räder vom Rollator stecken. Da wird die Zeit knapp.“ 

Nicht nur Senioren mit Rollatoren sind betroffen. Auch Menschen, die schlecht zu Fuß sind, Rollstuhlfahrer oder Mütter mit Kinderwagen haben am zentralen Bahnübergang in Bönen oft Probleme, die Querung in 30 Sekunden sicher zu schaffen. Wie kann das Überqueren für alle sicherer und damit stressfrei werden? Kann der Fahrdienstleiter oben im Stellwerk die Öffnungszeit zwischen Signal und Schließung der Schranken verlängern, wenn er sieht, dass Passanten die Schranken nicht rechtzeitig erreichen?

Fahrdienstleiter kann Schranke nicht beeinflussen

Leider nein, lautet die klare Antwort der Deutschen Bahn. Die bedauert den Vorfall sehr, wie ein Sprecher betont. Aber eine individuelle Anpassung der Öffnungszeiten sei aus technischen Gründen nicht möglich. „Die Zeiten sind so getaktet, dass in der Regel jeder den Bahnübergang sicher überqueren kann. Sollte es aus irgendwelchen Gründen nicht klappen, dann kann der Fahrdienstleiter die Schließung der Schranken nicht verzögern“, so ein Sprecher der Bahn. „Die Schließzeiten sind festgelegt.“ Aber das sei kein Grund zur Panik.

 „Wer es nicht mehr bei geöffneter Schranke schafft, der sollte nicht versuchen, noch in der letzten Sekunde drunter durchzuschlüpfen“, rät der Bahnsprecher. Das könne richtig schief gehen und zu schweren Verletzungen führen. „Wenn Sie sehen, dass Sie es nicht mehr schaffen, gehen Sie von den Gleisen weg und bleiben Sie möglichst nahe an der Schranke stehen. Der Fahrdienstleiter hat den Bahnübergang im Blick. Er wird dem angekündigten Zug auf der Strecke kein grünes Licht zur Ein- oder Durchfahrt geben. Erst wenn die Schranke unten ist, ist wieder der elektrische Kontakt da, und er kann die Schranke erneut öffnen.“ 

Dann könne die eingeschlossene Person sicher den Gleisbereich verlassen. Erst dann werde der Bahnübergang erneut geschlossen und der Zug erhält grünes Licht. 

Auch bei Fahrzeugen, deren Motor mitten auf den Gleisen abgewürgt wird, sei das gängige Praxis. Schwierig werde es, wenn ein langer Lkw in den Gleisbereich fährt, obwohl sich vor ihm der Verkehr staut. „Wenn der Lkw es nicht mehr rechtzeitig schafft, vor Schließung der Schranken den Übergang zu verlassen, dann kracht die Schranke auf das Fahrzeug.“ Fahrer sollten also nur in den Gleisbereich fahren, wenn ausreichend Platz ist.

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