Seit vier Wochen ohne Telefon: Bönener Seniorin ärgert sich über Anbieter

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Keine Verbindung hat derzeit Ingrid Jeunette aus Bönen.

Bönen – Internet und Telefon sind für Ingrid Jeunette wichtig. „Ich habe einige Verwandte, die über 90 Jahre alt sind. Zu denen möchte ich natürlich Kontakt halten“, sagt die Bönenerin. Sie selbst ist 85 Jahre alt und hält sich, insbesondere seit dem sie ihr Auto abgegeben hat, gerne per Telefon und über das Internet auf dem Laufenden. Normalerweise, denn seit rund vier Wochen hat sie keine Verbindung mehr, das Telefon schweigt.

Wählt Ingrid Jeunette eine Rufnummer, ist weder ein Frei- noch ein Besetztzeichen zu hören, auch kein Dauerton. Wird sie angerufen, hört sie zwar ganz schwach unter starken Nebengeräuschen die Stimme des Anrufers, doch nach etwa zwei Minuten bricht die Verbindung ab. Angefangen hat es ganz plötzlich am 13. Mai.

Ingrid Jeunette wandte sich daraufhin an ihren Nachbarn Wolfgang Pianka, um zu erfahren, ob er ebenfalls Schwierigkeiten mit seinem Telefonanschluss hat. Das hatte er tatsächlich. „Mein DSL-Anschluss hat nicht funktioniert“, erzählt er. Als Kunde von Vodafone meldete er sich bei seinem Anbieter. 

Wolfgang Pianka hilft Ingrid Jeunette bei ihrem Problem mit dem Telefonanschluss. Sie sind seit 40 Jahren Nachbarn.

Innerhalb von zwei Tagen war seine Störung behoben, ähnlich wie bei einem weiteren Nachbarn an der Freiherr-von-Kettler-Straße. Ingrid Jeunette hat hingegen einen Vertrag mit der Helinet aus Hamm. Auch dort reklamierte sie ihr Problem. Das Unternehmen versprach, ihr umgehend einen Monteur zu schicken, ein Subunternehmer der Telekom, da die für das Netz zuständig sei. Der Fachmann überprüfte alle Leitungen im Haus und tippte zunächst auf ein defektes Telefon. 

Die 85-Jährige besorgte sich umgehend ein neues Gerät. „Ich habe das ganz stolz für sie angeschlossen – und es funktionierte nicht“, berichtet Wolfgang Pianka. Er rief im Namen seiner Nachbarin erneut bei der Helinet an, steckte unter anderem 32 Minuten in der Warteschleife fest. Zwei Mal beauftragte das Unternehmen noch einen Monteur, der zu Ingrid Jeunette nach Bönen kam. 

Vier Monteurbesuche halfen nicht weiter

Beim dritten Mal wurden Leitungen im Haus und am Verteilerkasten gewechselt – ohne Erfolg. „Der Monteur wusste dann nicht mehr weiter“, erzählt Ingrid Jeunette. Beim vierten Mal schickte die Helinet einen eigenen Mitarbeiter, der nochmals alle Leitungen im Haus überprüft hat und nur feststellen konnte, dass dort alles in Ordnung ist. „Es liegt am Verteilerkasten. Da liegt Fremdstrom drauf“, diagnostizierte der Helinet-Mitarbeiter schließlich. 

Sein Unternehmen könne daran allerdings nichts machen. Das müsste die Telekom übernehmen. Die Hammer versprachen ihrer Kundin jedoch, die Aufgabe sofort weiterzugeben. Das war am 4. Juni. Wolfgang Pianka hat anschließend mehrfach bei der Helinet nachgefragt, warum so gar nichts passiert. „Dort hieß es, dass wir uns gedulden müssten. 

So etwas könne dauern. Die Helinet habe keinen Einfluss drauf“, so der Bönener. Er versuchte es dementsprechend bei der Telekom, erreichte aber niemanden, der für den Bereich zuständig ist. Dafür hat Wolfgang Pianka inzwischen einen Anruf von einer Alarmruf-Wachzentrale in Hamm bekommen, bei der Ingrid Jeunette ihren Hausnotruf geschaltet hat. „Sie haben mich gebeten nach ihr zu sehen, weil der Notruf nicht sendet“, erklärt Wolfgang Pianka. 

Auf Notrufsystem angewiesen

Das kann er in der Tat nicht, weil das Armband mit dem Notknopf an die Telefonleitung angeschlossen ist. „Der Helinet-Mitarbeiter hat dazu gesagt, dass es ja noch Smartphones gäbe“, so Wolfgang Pianka. „Als ob sie im Notfall ihr Smartphone suchen und einen Notruf absenden könnten!“ 

Seine Nachbarin hatte bereits zwei kleinere Schlaganfälle, deshalb hat sie sich für das Hausnotrufsystem entschieden. „Wir wissen, dass sie auf den Notruf angewiesen ist und würden ihr gerne kostenlos eine Alternative anbieten. Aber es gibt leider keine Umschaltmöglichkeiten für den Notruf auf ein Handy“, erklärt Helinet-Sprecherin Rebecca Hameister. 

Der Fall ist in ihrem Unternehmen bekannt. Bereits am 14. Mai hätte die Helinet die Störung an die Telekom weitergegeben. „Wir rufen dort jeden zweiten Tag an und haken nach“, versichert sie. Der Helinet seien hingegen leider die Hände gebunden. „Wir sind nicht Eigentümer des Netzes und des Verteilerkastens.“ Für die Fachleute in Hamm steht fest, dass das Problem dort seine Ursache hat.

Tiefbauarbeiten notwendig

„Bei so starken Störgeräuschen liegt der Fehler in der Leitung. In diesem Fall sind Tiefbauarbeiten notwendig“, sagt Rebecca Hameister. Sie hofft, dass der Schaden so schnell wie möglich behoben wird, damit Ingrid Jeunette wieder telefonieren, im Internet surfen und vor allem mit ihrem Hausnotrufsystem wieder Sicherheit hat. Bei der Telekom wurde die Störung nach eigener Angabe am 31. Mai gemeldet. „Es liegt ein Fehler am Verzweigerkabel vor“, teilt das Unternehmen mit. Um sie zu beseitigen seien Tiefbaumaßnahmen, also Erdarbeiten notwendig, das entsprechende Kabel müsse freigelegt werden. 

„Die Durchführung dieser Arbeiten ist für kommende Woche vorgesehen“, gibt eine Telekom-Sprecherin an.

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