Friedliche Nachbarn

Vier Kanadagänse haben sich am Gemeindeteich in Bönen angesiedelt

Vier Kanadagänse leben seit Kurzem am Gemeindeteich in Bönen
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Auf der Wiese am Gemeindeteich versorgen sich die großen Vögel mit frischem Gras. Von Spaziergängern lassen sie sich kaum stören.

Der Gemeindeteich hat neue Anwohner. Vor einigen Wochen haben sich an dem See vier Gänse niedergelassen und ziehen seitdem die Aufmerksamkeit vieler Passanten auf sich. In ihrem neuen Domizil fühlen sich die beiden Vogelpaare sichtlich wohl. Gerne spazieren sie am Wasser entlang bis in die Fußgängerzone. Dort lassen sie sich dann bewundern, kommen den Menschen ziemlich nahe. Schüchtern sind sie nicht. Und das gibt Aufschluss über ihre Art und Herkunft.

Bönen - Die heimische Graugans würde sich nämlich nicht so vertraulich präsentieren, weiß Karl-Heinz Kühnapfel vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) im Kreis Unna. „Die ist sehr scheu und lässt sich nicht mitten in der Stadt nieder“, berichtet der Kamener. Bei den vier Zugezogenen am Teich handelt es sich um Kanadagänse. Wie der Name verrät, kommen ihre Vorfahren aus Nordamerika. Nach Deutschland wurde die Branta canadensis, so ihr wissenschaftliche Name, als „Parkvogel“ für Tierparks und Zoos importiert. „Dort sind sie ausgebüxt und haben sich überall da breitgemacht, wo sie ein passendens Gewässer gefunden haben“, weiß der Experte

Der Kamener beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Vogelwelt, und die Kanadagans ist ihm gut bekannt. Sie ist inzwischen im gesamten Kreis Unna zu finden. „Sie hat bei uns keine natürlichen Feinde. Adler gibt es hier nicht mehr, und der Fuchs wird sich hüten, an eine Kanadagans heranzugehen“, führt der Vogelkundler aus. Auch vor Menschen haben die imposanten Vögel mit dem schwarzen Schnabel keine Angst. Als Zooflüchtlinge kennen sie die federlosen Zweibeiner schließlich und als Bewohner von Parks und Grünflächen sind sie längst an sie gewöhnt. „Deshalb sind sie auch so zutraulich“, sagt Karl-Heinz Kühnapfel.

Wenn die Gänsefamilie selbstbewusst auf die Bönener zumarschiert, brauchen sich diese also nicht zu fürchten. Dennoch sollten die Beobachter nicht zu unerschrocken sein. Dass Menschen ihnen auf die Pelle rücken oder sogar anfassen wollen, mögen schließlich die wenigsten Wildtiere.

Gefährlich wird es nur, wenn Nachwuchs da ist

Vorsicht ist aber vor allem geboten, wenn die Tiere Nachwuchs aufziehen. „Dann passt der Ganter, der Vater, natürlich auf seine Familie auf“, erklärt Kühnapfel. In diesem Fall sollten sich die Menschen besser nicht dem Nest nähern und Abstand halten. Besitzer von kleinen Hunden sollten ebenfalls aufpassen, dass ihre Vierbeiner von der „Kinderstube“ fern bleiben. „Sonst bekommen die Hunde schon mal einen Flügelschlag ab“, warnt der Fachmann. Wirklich etwas passieren würde aber dabei in der Regel nicht. Kanadagänse seien ziemlich friedliche Zeitgenossen und kaum gefährlich.

Nur untereinander sind sie gelegentlich zänkisch, etwa wenn mehrere „Männer“ zusammenkommen. „Dann stören sie sich gegenseitig“, berichtet der Ornithologe. Jeder möchte Chef im Revier sein. Das führe dazu, dass die Weibchen nicht brüten. „In einigen Regionen haben sie überhaupt keine Bruterfolge“, erzählt Kühnapfel. Die Nordamerikaner bevorzugen ein ruhiges, friedliches Leben – nur dann klappt es mit dem Nachwuchs. In den Siedlungen, wie etwa in der Gemeindemitte, ist es den Vögeln dagegen meist zu unruhig. Da bleiben sie lieber kinderlos. Das scheint momentan bei den Bönener Paaren der Fall zu sein. Von einem Nest ist jedenfalls zurzeit noch nichts zu sehen.

Während einige tierische Migranten, wie zum Beispiel der gleichfalls aus Nordamerika stammende Waschbär, zur Plage werden, weil sie sich zahlreich vermehren, heimische Arten verdrängen und immer mehr Lebensraum beanspruchen, lässt sich das laut Kühnapfel von der Kanadagans nicht behaupten. Eine große, wild lebende Population gäbe es in Deutschland kaum. „Obwohl es Schwarmvögel sind. In ihrer Heimat leben die Kanadagänse mit vielen anderen, oft mit Hunderten Artgenossen zusammen“, schildert Karl-Heinz Kühnapfel.

Füttern schadet den Tieren

Trotzdem sind manche Menschen alles andere als froh über die Vögel. „Das, was sie ärgert, sind die großen Köttel, die die Gänse hinterlassen“, hat der Kamener erfahren. „Vor allem, wenn sie reintreten“ Dabei seien die Hinterlassenschaften weniger schlimm als beispielsweise Hundekot. „Kanadagänse sind Vegetarier. Die fressen nur Gras.“ Nach einem kräftigen Regenschauer sind ihre Verdauungsprodukte daher schnell wieder verschwunden – ohne Schaden in der Natur anzurichten.

Wichtig im Umgang mit den neuen Teichanwohnern sind für den Experten drei Regeln: „Abstand halten, nicht bedrängen und nicht füttern.“ Brot oder andere vermeintliche Leckerbissen schaden den Tieren eher. Sie können davon krank werden. Und letztlich ist das Füttern verboten. „Das ist Wasserverschmutzung und damit eine Umweltsünde. Die wird sogar mit Bußgeld belegt“, mahnt Kühnapfel.

„Ansonsten können wir uns freuen, dass solche Tiere hier sind und wir sie aus der Nähe beobachten können. Dadurch lässt sich viel lernen, etwa über ihr Sozialverhalten.“ Kanadagänse sind nämlich nicht nur neugierig und zutraulich, sondern überdies sehr treu. „Sie leben in der Einehe, haben ihr Leben lang nur einen Partner.“ Deshalb geht Karl-Heinz Kühnapfel davon aus, dass in der Gemeindemitte auch zwei Paare leben. Die männlichen Tiere sind daran zu erkennen, dass sie die Weibchen um einige Zentimeter überragen.

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