Seit Jahresbeginn gilt Kastrationspflicht für Katzen im Kreis

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Sandra Lopez Cano von der Vier-Pfötchen-Hilfe hofft, dass sich die Katenbesitzer an die Verordnung halten.

BÖNEN/KREIS UNNA - Sie leben auf der Straße, sind oft halb verhungert, krank und vermehren sich unkontrolliert. Tierschützer schätzen, dass mehr als zwei Millionen Katzen in Deutschland Streuner sind. Viele landen in den Tierheimen und belasten damit die Kommunen. Um dem entgegenzuwirken, gilt im Kreis Unna seit Jahresbeginn die Kastrationspflicht für freilaufende Katzen – und die betrifft nicht nur Katzenbesitzer.

Katzen können hartnäckig sein. Haben sie sich einen Menschen ausgeguckt, belagern sie schon mal ausdauernd Haus- und Terrassentüren. Sie maunzen laut um Hilfe und betteln mit großen Augen und bebenden Schnurrhaaren um Futter und Streicheleinheiten. Wer dem über einen längeren Zeitpunkt nachgibt, gilt laut Katzenschutzverordnung des Kreises als „Haltungsperson“ und ist somit für das Tier verantwortlich. Und das bedeutet, dass er „seine“ Katze auf eigene Kosten mit einem Mikrochip kennzeichnen, beim Haustierregister „Tasso“ eintragen und schließlich kastrieren lässt.

Wer den Eingriff nicht vornehmen lassen möchte, muss dafür sorgen, dass seine Katze zum „Stubentiger“ wird, also keinen freien Auslauf mehr hat. Diese Regelung gilt natürlich ohnehin für alle, die sich bewusst eine Katze angeschafft haben. Sandra López Cano, Vorsitzende des Vereins „Vier-Pfötchen-Hilfe“ in Lenningsen, begrüßt die neue Verordnung sehr. Ihr Verein hat sich schon lange für die Kastrationspflicht eingesetzt und war an den Gesprächen von Tierschützern, Verwaltung und Politik beteiligt, die letztlich zu der neuen Verordnung geführt haben. Der Kreistag hat sie im Oktober verabschiedet.

Gemeinde verhängt Sanktionen

„Für uns ist diese Regelung wichtig, damit wir uns endlich in einem legalen Rahmen bewegen, wenn wir zum Beispiel Wildkatzen einfangen und kastrieren lassen. Zum anderen haben wir die Hoffnung, dass die Bürger nun ihre Katzen nicht mehr unkastriert und ungekennzeichnet in den Freigang lassen“, sagt die aktive Tierschützerin. Die meisten Hundebesitzer wüssten schließlich auch, dass sie ihren Vierbeiner bei der Stadt oder Gemeinde anmelden und Steuer zahlen müssen. Ähnliches erhofft sich die Bönenerin von der neuen Katzenschutzverordnung. „Greifen wir eine Katze auf, die nicht kastriert und gekennzeichnet ist, der Besitzer aber bekannt, so werden von der Gemeinde Sanktionen verhängt.“

Sandra López Cano ist bewusst, dass es einige Zeit dauern wird, bis jeder Halter von der Verordnung weiß und sich daran hält. „Es sollte mit den Jahren ein realistisches Ziel sein, die ausufernde Katzenpopulation in Bönen annähernd zu stoppen“, so die Vereinsvorsitzende. Damit sollte das Elend, das durch die willkürliche Fortpflanzung der Katzen entsteht, irgendwann ein Ende habe.

Die Vier-Pfötchen-Hilfe wurde vom Kreis Unna und der Gemeinde beauftragt, nichtgekennzeichnete, streunende Katzen einzufangen und bei einem Tierarzt kastrieren zu lassen. An den Kosten will sich der Kreis beteiligen – in welcher Höhe, konnte die Pressestelle des Kreises nicht sagen.

Katzenbesitzer haben jetzt noch rund fünf Monate Zeit, ihre Samtpfoten registrieren und kastrieren zu lassen, wenn sie sie vor die Tür lassen möchten. Wer sich nicht daran hält und danach keine entsprechende Bescheinigung vorlegen kann, der muss spätestens ab Juli mit einer Strafe rechnen. Bis zu 1000 Euro können dann fällig werden. Bei Zucht- und Rassekatzen genehmigt der Kreis unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausnahme. Die muss jedoch beim Veterinäramt beantragt werden.

Und alle, die sich bisher aus Tierliebe um Streuner gekümmert haben, nun aber nicht unbedingt finanziell für ein ganzes Rudel aufkommen möchten, sollten sich an einen Tierschutzverein, etwa an die Vier-Pfötchen-Hilfe wenden. Das rät Constanze Rauert, Sprecherin des Kreises. Die Vereine würden dann die notwendigen Schritte einleiten.

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