Multikulturelles Frühstück in der VHS

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Der Treffpunkt der VHS bietet den Teilnehmerinnen Gelegenheit zu guten und offenen Gesprächen.

BÖNEN - Quirliges Stimmengewirr und fröhliches Lachen sind aus dem Vortragsraum in der Alten Mühle zu vernehmen. „Das ist immer so. Heute ist Donnerstag, Treffen der Frauen beim Internationalen Frühstück,“ freut sich Annemarie Berg nebenan in ihrem Büro über die gelöste Stimmung.

Alle zwei Wochen während des VHS-Semesters versammeln sich bis zu zwanzig Frauen rund um den gedeckten Tisch. Beim Anblick der leckeren Brötchen und weiterer Köstlichkeiten, bei Kaffee und Tee ist die gute Laute programmiert. Kerzen und Tischschmuck versprechen eine gemütliche Runde.

Seit rund zwanzig Jahren steht dieser Treffpunkt im VHS-Kalender. Ausgangspunkt seien Maßnahmen für ein besseres Miteinander gewesen. Anfang der 1990er Jahre habe man der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit entgegenwirken wollen, sagt Annemarie Berg. Von verschiedenen Ideen wie Runden Tischen und Kochkursen habe sich das Frauenfrühstück durchgesetzt und sei bis heute ein beliebter Programmpunkt geblieben.

Dagmar Pieper war 1994 die erste Leiterin, seit 1997 organisiert Uschi Grüber die Geschicke der munteren Truppe aller Altersgruppen. Sie sorgt für die Frühstückszutaten und richtet den Tisch her. Mitzubringen ist lediglich ein Kaffeegedeck. Ein geringer Beitrag deckt die Kosten.

Mal breiter, mal weniger ausgedehnt ist das Herkunftsspektrum der Teilnehmerinnen. Aus Bönen und Umgebung, aus der Türkei, Polen, Russland, Dänemark oder Finnland - die um den Tisch versammelten Damen bilden einen großen Teil zumindest der europäischen Landkarte ab. Sogar aus Nigeria, der Dominikanischen Republik und Amerika seien Frauen dabei gewesen, erzählt Uschi Grüber. „Es ist ein fester Kern, um den herum weitere dazu stoßen und wieder abspringen.“ Persönliche Dinge spielten dabei die Rolle: Umzüge, Beruf, Kindererziehung. Auch das Alter sei manchmal ein Grund. Augenblicklich sei allerdings ein Rückgang bei den Teilnehmerinnen türkischer Herkunft zu beobachten, bedauert die Bönenerin. An Atmosphäre und Zugewandtheit könne es nicht liegen. Sie hätten immer ein Forum für gute und offene Gespräche und Geselligkeit geboten. Seval Schäfer, selbst eine Frau mit türkischen Wurzeln, vermutet, dass dieser offenkundige Rückzug mit religiösen Bindungen und verstärkter Einbindung in die Familien zu tun haben könnte.

Gerade das Zusammentreffen unterschiedlicher Lebenswelten und der lebendige Austausch darüber machten die Wurzel der Zusammenkünfte aus, ist sich Grüber sicher. Aus diesem Grunde verzichtet die Gruppe auf vorgegebene Themen. die Frauen wollen sich nicht in ein korsettartiges Seminarkonzept zwingen.

Themen für zwei Stunden ergäben sich von ganz allein. Kinder spielten oft eine Rolle, der Austausch von Rezepten oder Gebräuche zu den Feiertagen. Manche Anekdote aus dem jeweiligen Kulturkreis oder Witze machten die Runde. Jedenfalls werde viel gelacht. Urlaubsberichte und lokale Begebenheiten kämen zur Sprache, aber auch aktuelle politische Bezüge. „Aber im Großen und Ganzen lassen wir die große Politik außen vor.“ Das persönliche Gespräch von Frau zu Frau nehme breiten Raum ein. Hilfreich sei nun mal der Austausch mit anderen bei der Verarbeitung eigener Probleme. Dadurch hätten sich schon intensive Bekanntschaften über das Frühstück hinaus entwickelt, freut sich Uschi Grüber.

Von einem Beispiel gelebter Integration und für Sprache als zentrales Verständigungsmittel erzählt Katharina Reimer: „Ich komme aus Russland und spreche inzwischen recht gut Deutsch. Das habe ich nicht allein im Sprachkurs, sondern beim Internationalen Frauenfrühstück gelernt. Ich freue mich schon auf den 12. Februar. Dann geht es weiter.“ - Lö

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