Vereinsleben in Corona-Zeiten

Schützen verlegen Rechnungslage ins Netz und machen eine Show daraus

Im Wohnzimmer der Gedowskis verfolgen die Gäste die Rechnungslage des Schützenvereins Bramey-Lenningsen-Flierich
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Das amtierende Königspaar und seine Vorgänger schauen privat aus dem Wohnzimmer zu.

Bönen – Ein süffisant, getrennt von der Jahreshauptversammlung vorgetragener Kassenbericht ist einer der Höhepunkte im Schützenjahr des Bönener Südens. Außerdem waren auch die Brameyer, Lenningser und Fliericher Gemeinschaften im Coronajahr bar jeder Veranstaltung. Das wollte der umtriebige Schützenverein nicht so einfach hinnehmen. Zur Stärkung des Vereinslebens lud die Vorstandsriege am Samstag zur ersten virtuellen Rechnungslage ein. Die geriet tatsächlich zu einem witzigen Onlineevent am Samstagabend.

„Wir haben natürlich auch Pannen und Wackler eingebaut“, bereitete Moderator Sebastian Schlieper das Schützenvolk auf das Live-Erlebnis vor. An drei Orten hatten sich die Gruppen gesammelt: Zum einen im Wohnzimmer des aktuellen Königspaares Bernhard und Kirsten Gedowski in Bönen, dann in der Biwakscheune von Christoph und Anke Rademacher in Lenningsen. Am regulären Verkündigungsort der Rechnungslage in der Fliericher Gaststätte Böinghoff saßen Vereinsboss Detlev Schlieper und Kassierer Friedrich-Wilhelm Rademacher, der Hauptdarsteller der ideenreichen Show. Die startete um 20 Uhr mit einem Corona-Schlager. Sebastian Schlieper begrüßte mit einem übergroßen Virus im Hintergrund die an den Beiträgen Beteiligten, unter anderem den Spielmannszug Nordbögge-Bönen sowie zahlreiche Sponsoren. Der erste Filmbeitrag ließ die Volksbank Bönen in ganz neuem Licht erscheinen. Vorstand Oliver Drave „beamte“ sich und seine Mitarbeiter auf die Schützenwiese nach Lenningsen und stieß dort mit Flaschenbier auf den Verein an. „Beim nächsten Mal hoffentlich wieder mit einem frischgezapften“, wünschte Drave alles Gute.

„Sponsoren sind wichtig“, betonte Schlieper: Der Moderator deutete auf „seine Villa“ mit Infinity Pool. „Anders wäre das nicht möglich.“

Friedrich-Wilhelm Rademacher setzte auf eine Zeitmaschine bei der Rechnungslage, die ja immer auch ein Rückblick auf das Schützenjahr ist. Zahlen gab es dieses Mal wenige, Vereinsleben auch nicht. Blieb der Blick zurück, zum Beispiel auf die „Shitparade“ zum Biwak 1990. Eingespielt wurde ebenso die Andacht im Rahmen des Festes. Pfarrer Joachim Zierke sprach den Schützen mit den Worten von Peanut-Philosoph Snoopy Mut zu. „Aber alle anderen Tage werden wir leben“, antwortete der Beagle auf Charlie Browns dunkle Gedanken: „Eines Tages werden wir alle sterben.“

Königspaare amüsieren sich im Wohnzimmer über den Rückblick

Bei Gedowskis in Bönen amüsierten sich derweil fünf Königspaare über die Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten. „Die Idee ist klasse“, sagte Gastgeber und aktueller König Bernhard Gedowski. „Es ist ja alles ausgefallen in diesem Jahr“, freute er sich über das virtuelle Treffen mit den Vereinskameraden. Gemeinsam mit Königin Kirsten, ihren Adjutanten Malte Sprenger und Christopher Dicker sowie den Vorgängern Jochen und Ute Brüggemann, Ulrich und Sigrid Müller, Carsten und Jessica Niedecker verbrachten sie den Abend im Wohnzimmer an der Friedrich-Ebert-Straße zwar im privaten Rahmen, aber mit Händedesinfektion und Kontaktliste. Auf dem Bildschirm dabei: Schützenbruder Lutz Sudhaus, der in Belgien festhängt. Sudhaus war offensichtlich nicht der Einzige, der die Rechnungslage aus der Ferne verfolgte. Zeitweise stand der Zähler der Zugeschalteten auf der Leinwand bei Böinghoff auf 45 Geräte. „Daniel Biermann hat aus Bonn zugeschaut“, wusste Detlev Schlieper. „Die Resonanz war positiv, trotz der technischen Pannen. Eine Powerpoint-Präsentation mit Zahlen hätte doch nur gelangweilt“, so der Vorsitzende.

„Dieses neue Format ist wohl auch ein Probelauf für die Jahreshauptversammlung. Ich glaube nicht, dass Treffen dann schon möglich sind“, befürchtete Christoph Rademacher. „Ich sehe das Ganze sehr positiv. Wenn wir das wirklich wollen, wird eine virtuelle Jahreshauptversammlung technisch kein Problem sein“, meinte Detlev Schlieper, „da werden dann ja keine filmischen Einspieler dabei sein.“

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