Pläne bis 2024

Schnelles Internet und lange Leitung: So ist der Stand in Sachen Breitbandausbau in Bönen und Bergkamen

Zuerst werden solche Leerrohre in der Erde verlegt, danach wird die Glasfaser eingeschossen.
+
In Bönen und Bergkamen laufen die Planungen für den Breitbandausbau

Wie steht es um den Breitbandausbau? Die Kommunen Bönen, Kamen und Bergkamen haben sich zu einem Breitbandbetrieb zusammengeschlossen. Der WA gibt einen Überblick über den aktuellen Stand.

Bönen/Bergkamen - Zumindest dieser Anschluss steht schon mal: der Breitbandbetrieb Bergkamen (BBB) ist „on“. Mit dem Internetauftritt unter der Adresse „breitband-bergkamen.de“ präsentiert sich das Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Bergkamen mit den Nachbarn Kamen und Bönen samt der geförderten Ausbaupläne für etliche Millionen Euro in einem Betreibermodell, das in NRW vor diesen Dreien, die auch GSW-Stadtwerke-Partner sind, nur Halle/Westfalen gestartet hat.

Jedoch blitzt damit noch nichts durchs eigene Glasfasernetz. Aber drei Jahre nach Gründung des Kommunalbetriebs sind – teils mit Verzug – wichtige Wegmarken erreicht fürs schnelle Internet an Schulen, in Gewerbegebieten und unterversorgten Quartieren. Ein Überblick:

Förderprogramm „Weiße Flecken“

Wie einst unerforschte Landstriche werden im Digitalisierungsatlas Regionen als „weiße Flecken“ geführt, bei denen eine Netzabdeckung unter 30 M/bit der Buschtrommel gleichkommt. Wenn das jene Unternehmen nicht kümmert, denen der Staat das Telekommunikationsnetz überlassen hat, springt der Bund den Kommunen mit Fördergeldern bei, um doch mit Steuergeld 100 M/bit zu schaffen, was der freie Markt mangels Gewinnaussichten nicht leistet.

Dafür sollen in Bergkamen, Kamen und Bönen zwischen 200 und 300 Kilometer Glasfaserleitung verlegt werden. Wo genau und wie am effektivsten, das wird die Feinplanung ergeben, die im zweiten Anlauf im September starten soll. „Nach Verlängerung der Ausschreibungsfrist liefen kürzlich erste Bietergespräche“, sagte BBB-Geschäftsführer Marc Alexander Ulrich. Die komplexe Vergabe ließe im Juli/August den Zuschlag erwarten.

Anschluss geschafft: Die Schillerschule ist am Breitbandnetz, zwei weitere folgen dieses Jahr.

Der Planer-Job könnte schon erledigt sein, wäre der Eigenbetrieb nicht mit der Ausschreibung von 2019 auf die Nase gefallen. Ein unterlegener Bieter beanstandete das Verfahren mit Erfolg bei der Vergabekammer. Um sich nicht in langwierigen Rechtsstreit zu verstricken, drückte der BBB die Resettaste und steht nun wieder an dem Punkt, den mit 837 500 Euro kalkulierten Auftrag aufs Neue zu erteilen.

Zunächst sollen die Ausbau- und Genehmigungsplanung bis auf den Tisch, dafür sind 12 bis 18 Monate veranschlagt; samt drei Monaten für die eingehende Erörterung mit der Bürgerschaft und der Politik. „Dafür brauchen wir die Homepage“, sagte Ulrich. Und zwar schon wegen der Möglichkeit, über eine Adresseneingabe zu prüfen, ob die eigene Wohnung in Bereichen liegt, die über den Lückenschluss versorgt werden sollen – oder bei Interesse hinzugenommen werden können. So soll Leitungsverlegung effektiv erfolgen und Möglichkeiten für viele, gegebenenfalls auch spätere, Anschlüsse schaffen, ohne wiederholt zu buddeln.

Fertigstellung ist für Ende 2024 geplant

Wenn das auf dem Papier geschafft ist, sieht der Zeitplan folgendes vor: europaweite Ausschreibung der Tiefbauarbeiten April 2022 bis März ‘23, Baustart im Sommer ‘23, Fertigstellung Ende 2024. Die Kosten sind grob mit 15 bis 20 Millionen Euro taxiert und werden zu 100 Prozent vom Bund getragen.

An dem langwierigen Projekt hängt nicht nur der zeitgemäße Online-Zugang bestimmter Siedlungen, sondern teils der gerade durch Corona offenbarte Rückstand der Schulen im digitalen Wandel. Das Gymnasium, die Gesamtschule, die Realschule Oberaden sollen in Bergkamen so ans Glasfasernetz gelangen. Insgesamt liegen 22 Schulen und Weiterbildungseinrichtungen der drei im weißen „Terra incognita“.

In Bönen sind gleich alle fünf Schulstandorte auf diesem Wege zur Förderung angemeldet worden. Die Krux daran: Als später das Land das schneller greifende Projekt „Gigabit Schulen“ auflegte, war dafür keine Bewerbung mehr möglich, weil die Anmeldung beim Bund das parallel nicht zulässt. Nun heißt es warten auf die Bescherung in drei Jahren.

Als nützlich könne sich der Verzug aber noch erweisen, so Ulrich, falls ein Verschnitt mit der nächsten Ausbaustufe gelingt. Der Bund sei im Begriff, mit einem Programm für „Graue Flecken“ ab 2023 die Lücke zwischen 30 und 100 M/bit zu schließen. „Das ist ja keine Wasserleitung, die man einmal baut. Die Entwicklung geht laufend weiter.“ Der BBB sei interessiert, das Betreibermodell nach Möglichkeit auszuweiten.

„Gigabit Schulen“

Mit dem NRW-Förderprogramm hat der Breitbandbetrieb in besser erschlossenen Gebieten erste Leitungen in die Schulen gebracht. An der Overberger- und der Schillerschule liegt der Lichtwellenleiter seit dem Vorjahr im Haus, die Prein- und die Jahnschule sind demnächst dran. Dann sind die Grundschulen versorgt, die Rünther haben schon einen Kabelanschluss mit ausreichend „Bumms“. Die anderen können profitieren vom schnellen Anschluss noch nicht. Der wird sich erst auszahlen, wenn in den Gebäuden die Verteilung samt WLan-Spots installiert ist. Diese Arbeiten kann Schuldezernentin Christine Busch erst in Auftrag geben, wenn die Förderzusage durch die Bezirksregierung bestätigt ist. Man wartet drauf....

Für die „Giganetz-Anbindung Schulen“ erhielt Bergkamen 689 000 Euro NRW-Zuschuss und legte 130 000 Euro drauf. Die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) und Helinet sind hier mit an Bord.

Gewerbegebiete ans Netz

Ans Werk geht es derweil mit dem „Sonderaufruf Gewerbegebiete“. Für zunächst 17 Standorte im Dreier-Sprengel „BKB“ hat der Breitbandbetrieb in sechs Losen sieben Millionen Euro Bundesmittel für eine 90-Prozent-Förderung an der Angel. An der Standortliste wurde noch einmal gearbeitet. „Hier macht sich die Öffentlichkeitsarbeit bezahlt“, so der BBB-Leiter. „Wir haben inzwischen 70 neue Adressen hinzu gewonnen.

Gesetzt ist aber, dass etwa in Bönen die Poststraße für 375 000 Euro mit schnellem Internet versorgt wird, für Am Mersch und Rudolf-Diesel-Straße stehen 1,5 Millionen Euro bereit.

Auch für diese Aufträge sind kürzlich Bietergespräche gelaufen. Das weitere Prozedere bis zur Vergabe gleicht dem bei der Feinplanung und dürfte zeitlich parallel laufen. Nur geht es mit der Umsetzung fixer. Ulrich: „Hier werden wir in 2022 bauen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare