Bönen versinkt im Schnee

Winterdienst im Dauereinsatz, Pflegedienste haben zu kämpfen

Schnee und Eis in Bönen: Die Kinder freuen sich über die weiße Pracht und fahren Schlitten
+
Etliche Bönener nutzten das seltene Wetterereignis für eine Schlittenpartie am Hexenberg

Bönen – Der Blick aus dem Fenster am Sonntagmorgen war für viele Bönener spektakulär. Dick lag der Schnee auf sämtlichen Flächen, eisiger Wind wirbelte die Flocken immer wieder auf und ließ sie an anderer Stelle Haufen bilden. Vom Himmel fiel den ganzen Tag über reichlich Nachschub.

Obwohl Straßen und Wege auf diese Weise andauernd von der weißen Schicht bedeckt wurden, bemühten sich viele Bewohner eifrig, Bürgersteige und Zufahrten von den Massen zu befreien und für sicheren Tritt zu sorgen. Die „Profis“ vom Bauhof der Gemeinde und des Landesbetriebes Straßen.NRW waren den ganzen Tag im Einsatz. Schichtbeginn für neun Mitarbeiter der Straßenmeisterei Unna am Betriebshof in Bönen war etwa am Sonntagmorgen um 4 Uhr. Ihre Kollegen waren bereits am Samstagabend zwischen 17 und 22 Uhr unterwegs, um erstes Streusalz auf die Straßen zu bringen.

Mit mehreren Räumfahrzeugen bemühten sie sich am Sonntag dann in Absprache mit dem Kreis Unna und der Gemeinde darum, die wichtigsten Straßen einigermaßen befahrbar zu halten. Wie eine Sprecherin von Straßen.NRW erklärt, haben dabei die Autobahnzubringer und die Bundesstraßen stets oberste Priorität, gefolgt von den Landstraßen. Alle anderen Straßen in der Verantwortung des Landesbetriebes werden nachrangig behandelt. Dies hänge von den Kapazitäten der Mitarbeiter ab.

Ab 11 Uhr übernahmen sechs weitere Kollegen den Einsatz bis zur Spätschicht, die offiziell gegen 22 Uhr endete. „Wie es danach weitergeht, entscheiden wir situationsabhängig“, so die Sprecherin.

Polizei zieht positive Zwischenbilanz: Kaum Unfälle, keine Verletzten

Ähnlich arbeiteten die Mitarbeiter des Bauhofes der Gemeinde, Sie besetzten Streu- und Räumfahrzeuge gleichfalls am Samstagabend und führten ihren Dienst ab Sonntagmorgen auf Bönens Straßen, Wegen und Plätzen fort. Für sie hatten die Durchfahrtsstraßen, wie zum Beispiel die Bahnhofstraße, und die Buslinien Vorrang.

Ganz vermeiden konnten die Einsatzkräfte Unfälle auf den rutschigen Straßen aber nicht. Bis Sonntagmorgen nahm die Kreispolizei zwei Verkehrsunfälle mit Sachschäden von etwa 6000 Euro in Schwerte und Fröndenberg auf. In Bönen rutschten ein Fahrzeug gegen eine Leitplanke, in Werne und Unna zwei Pkw in Gräben. Verletzt wurde niemand.

Die Bauhofmitarbeiter waren den ganzen Tag unterwegs, um die wichtigen Straßen und Wege in Bönen befahrbar zu halten.

Trotz der extremen Wetterlage blieb die Lage zumindest für die Polizei entspannt. Gegen 15.30 Uhr gab Michael Böll von der Leitstelle in Unna eine positive Zwischenbilanz. Offenbar hätten sich viele Autofahrer an die Empfehlung gehalten, ihr Fahrzeug stehen zu lassen. Er selbst sei auf dem Weg zur Arbeit so gut wie keinem anderen Verkehrsteilnehmer begegnet. „Aber wir müssen abwarten, wie sich die Sache entwickelt“, sagte er mit Blick auf den Berufsverkehr am Montag.

Wer mit der Bahn die Gemeinde verlassen oder ansteuern wollte, musste sich ohnehin in Geduld üben oder diesen Plan besser ganz aufgeben. Im Bahnverkehr kam es zu erheblichen Störungen, die meisten Verbindungen wurden gekappt. So stellten die Eurobahn und National Express am Sonntagmittag den kompletten Bahnverkehr ein, etliche Weichen entlang der Strecken in NRW waren festgefroren. Die Bemühungen der Mitarbeiter der Deutschen Bahn, diese freizubekommen, scheiterten am anhaltenden Schneefall und den eisigen Temperaturen. „Wir stehen in Bereitschaft. Sobald es möglich ist, nehmen wir den Verkehr wieder auf“, versicherte die Sprecherin des Eurobahn-Betreibers Keolis, Nicole Pizzuti.

Den Tipp, auf Busse umzusteigen, konnte sie den Fahrgästen indes nicht geben. Die blieben fast überall in den Garagen. Die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) setzte den Busverkehr vorerst bis Montagmorgen, 3.30 Uhr, aus.

Pflegedienstmitarbeiter stellen Notfallplan auf

Daheim bleiben konnten aber nicht alle. Die Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste in Bönen mussten ihren Pflichten nachkommen, wenn auch eingeschränkt, wie Nadine Schäfer vom Pflegezentrum Elshoff berichtete. „Wir haben einen Notfallplan aufgerufen“, erklärte die Bereitschaftsdienstleiterin. Sie klemmte sich am Sonntagmorgen rund eineinhalb Stunden lang den Telefonhörer ans Ohr, um die Kunden des Pflegedienstes darüber zu informieren, dass die Mitarbeiter an diesem Tag verspätet bei ihnen eintreffen würden. Und dort, wo Angehörige die Pflege übernehmen konnten, sagte Schäfer den Dienst ab. „Sicherheit geht vor“, bedauerte sie.

Einige ihrer Kollegen konnten sich aufgrund der Witterung überhaupt nicht auf den Weg machen und mussten von anderen vertreten werden. Andere stiegen in ihre Privatfahrzeuge um, weil die Firmenwagen die Strecken teils nicht bewältigen konnten. Und schließlich sprang sogar Chef Michael Elshoff ein, um die Mitarbeiter zu den Kunden zu fahren. „Die meisten Kunden sind sehr verständnisvoll. Es war aber wirklich ein wahrer Kampf heute“, so Nadine Schäfer. Sie rechnet damit, dass sich am Montag einige Pfleger zu Fuß zu ihren Schützlingen aufmachen werden, um diese zu versorgen. „Wir werden sicher nicht überall zu den Zeiten da sein, die die Leute von uns gewohnt sind“, befürchtete sie. Schäfer hofft, dass die Straßen in den kommenden Tagen aber wieder soweit befahrbar sind, dass sich der Dienst wieder normalisiert.

Immerhin ist es eine Ausnahmesituation. So viel Schnee hat es zuletzt im Winter 2010/2011 in der Gemeinde gegeben. Und so wie die Prognosen derzeit aussehen, wird es in den kommenden Tagen sehr winterlich bleiben. Die Wetterdienste sagen weiteren Schneefall und dauerhaft eisige Temperaturen an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare