Amtlicher Beleg der Vorwürfe gegen Dr. Petrak

Prüfer am MCG stellt Schulleitung ein mieses Zeugnis aus

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Schwarz auf weiß: Im QA-Bericht kein einziger Pluspunkt in der gelb markierten Kernaufgaben der Schulleitung, ein Doppelminus für die Konfliktlösungskompetenz.

Was ist dran an den massiven Vorwürfen gegen MCG-Direktor Dr. Peter Petrak? Der Blick ins Zeugnis für die Leitung spricht Bände: 

Bönen - Die Kritik der demonstrativ zurückgetretenen Eltern- und Schülervertretung an MCG-Direktor Dr. Peter Petrak ist nicht aus der Luft gegriffen: Dass „Führung und Management“ an Bönens Gymnasium zuletzt mangelhaft waren, steht in diesem Kapitel schwarz auf weiß in dem Zeugnis, das die Verfasser der im Februar vorgelegten Qualitätsanalyse (QA) der Leitung ausgestellt haben. In der Bewertung der von Petrak zu verantwortenden Führung im Zuge der im November gestarteten Erhebung findet sich kaum ein Pluspunkt, wie wa.de bei einem Blick in die Unterlagen feststellen konnte. Am frühen Abend äußerte sich erstmals die Bezirksregierung (Textanhang). 

Analyse bringt Steuerungsdefizite an den Tag

Die Schulaufsicht bei der Bezirksregierung Arnsberg bestätigte inzwischen, dass sie schon vor gut einem Jahr eine Beratung am Marie-Curie-Gymnasium installiert hat, weil die Schule gewissermaßen der Nachhilfe bedurfte, um die Lernziele zu erreichen. Die Analyse offenbarte dann einen größeren Bedarf in der Nachsteuerung. Das Schuldezernat stellte Dr. Petrak daher im Frühjahr einen Coach an die Seite. Aber auch das hat weder das Klima am MCG verbessern noch verhindern können, dass der seit Jahren schwelende Konflikt mit der gewählten Elternvertretung eskalierte. 

Eltern sahen sich nicht ernst genommen

Das Fass endgültig zum Überlaufen brachte die Geheimniskrämerei um den Qualitätsbericht, der den Schulgremien in einem Erläuterungsgespräch ohnehin schon mündlich vorgestellt worden war. Die Schriftfassung soll der Schulleiter trotz berechtigtem Anspruch der Pflegschaft erst gar nicht herausgegeben haben, dann nur einzelnen Mitgliedern und an den vorgeschriebenen Verteiler erst unmittelbar vor dem großen Knall in der letzten Schulwoche. Vor Eröffnung der Schulkonferenz traten die gewählten Vertreter von Eltern- und Schülerschaft zurück und wandten sich mit ihren Erklärungen an die Öffentlichkeit, weil sie den Eindruck hatten, dass ihre Eingaben bei der Schulaufsicht nichts bewirken. Nach der Protestaktion fordern die fordern eine schnelle Lösung am MCG.

"Doppelminus" für die Bearbeitung von Konflikten

Dabei versteht sich der abgetretene Pflegschaftssprecher Stein auch als Anwalt der Lehrerschaft, die er nach vier Jahren unter Petraks Leitung als vielfach frustriert und aufgerieben beschreibt. Nur dienstrechtliche Verpflichtungen hinderten Lehrer daran, sich öffentlich zur Misere des MCG zu äußern. Zumal dem Chef auch vorgeworfen wird, auf andere Ansichten oder Kritik im Kollegium teils rüde reagiert zu haben. Hier gab’s im Zeugnis bezeichnenderweise quasi eine glatte Sechs. In der „Bearbeitung von Konflikten auf dem verabredeten Weg“ geben die Prüfer dem Direktor die schlechteste Note im Tableau: Doppelminus. 

Leitung urteilte und agierte nicht immer rechtskonform

Diese verheerende Bewertung spiegelt sich in den Auswertungen der Interviews wider, die nach einem mit allen Schulgremien abgestimmten Verfahren mit Lehrern, Schülern und Eltern für die QA geführt werden. Mit Bezug auf die Interviews sei „anzumerken, dass die Einhaltung und Umsetzung rechtlicher Bestimmungen nicht immer gewährleistet ist“, heißt es darin. Auf Anfragen oder Anträge habe die Leitung teils „mit großer Verzögerung und nicht immer rechtskonform“ reagiert. Zum besseren Verständnis der Formulierung muss man wissen, dass die Prüfer gehalten sind, Missstände nicht scharf zu benennen, sondern sich stets „pädagogisch“ zu äußern.

Kommunikation eine große Schwachstelle

Ins Bild passt, dass es für das QA-Team „unabdingbar ist, dass die Kommunikation zwischen Schulleitung und Lehrerkollegium ökonomisch strukturiert und wertschätzend geführt wird. Dies gilt auch für die Beteiligung von Eltern und Schülerinnen und Schülern.“ Die dafür gebildete „offene Steuerungsgruppe“ erfülle diese Zwecke nicht und sei kaum arbeitsfähig, weil sich Lehrer zurückzögen. Sie beklagtem zudem, dass es keinen „roten Faden“ für all dies gebe. 

Verwirrung über Verantwortlichkeiten und Ansprechpartner

All die kritischen Punkte zu benennen, würde hier den Rahmen sprengen. Das QA-Team führt unter anderem die Unterrichtsentwicklung und Erfolgskontrolle zur schuleigenen Qualitätssicherung als Felder auf, die weiter beackert werden müssen. Das Schulprogramm lasse eindeutige Ziele und Umsetzungsschritte vermissen. Auch seien wesentliche organisatorische Pflichten vernachlässigt worden. Es gebe keinen Geschäftsverteilungsplan mit klar benannten Verantwortlichkeiten und Ansprechpartnern. Die Interviews bestätigten, dass in der Schule in diesen Punkten Unklarheit herrsche, so die Prüfer. Das erlaube kaum eigenverantwortliches arbeiten. 

Pluspunkt Lehrerausbildung - Aber Fortbildung ohne Struktur 

Immerhin: Mit dem Vertretungsplan konnte die Leitung punkten, speziell bis zur zehnten Klasse. In der Oberstufe sei die Kontinuität durch Weitergabe von Material aber sehr von der Lehrkraft abhängig und gemäß der Standards nachzubessern. Auch die Lehrerausbildung im Referendariat ist gut bewertet. Ganz anders die schulinterne Fortbildung: Die lasse den Bezug zu den Zielen im Schulprogramm überwiegend vermissen und zeige keine rechte Systematik. Lehrer berichteten, ihre Fortbildungswünsche würden nicht ernst genommen oder mit fadenscheinigen Gründen abgelehnt.

ERSTE REAKTION DER BEZIRKSREGIERUNG 

Als „intensiv, offen und konstruktiv“ beschrieb die Bezirksregierung Arnsberg in einer Mitteilung am frühen Abend das gestrige Gespräch mit der Gemeinde Bönen zur Situation am hiesigen Gymnasium. Die Leiterin der Schulabteilung, Monika Nienaber-Willaredt, und juristische und schulfachliche Dezernenten des Hauses haben mit Bürgermeister Stephan Rotering und Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte den Eklat am MCG erörtert. Schulaufsicht und die Gemeinde als Schulträgerin seien sich einig, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um der Schule eine nachhaltige Perspektive zu ermöglichen. In Verantwortungsgemeinschaft werde – so zeitnah wie möglich – eine für alle Beteiligten akzeptable und rechtssichere Lösung entwickelt. Es gelte, das MCG zukunftsfähig zu machen. Bürgermeister Rotering bestätigte den konstruktiven Geist der Runde. Er habe die zahlreichen Eingabe der Eltern übermittelt und den Eindruck, dass all dies ernst genommen werde. Er hoffe auf eine schnelle Lösung.

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