Kritik an der Gemeinde

Schimmel an der Alten Mühle: Verzögerungen bei Sanierung sorgen für Frust bei der VHS

Alte Mühle Bönen VHS
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Außen hui, das sanierte Schmuckstück Alte Mühle – innen muss es das noch werden. Die Mühle ist vom Holzschindeldach abwärts restauriert, der Fachdachbau davor ist in Verzug. Es gibt einen Wasserschaden im laufenden Bau.

Eigentlich sollten vor allem Wahlen im Mittelpunkt der VHS-Zweckverbandsversammlung der VHS Kamen-Bönen stehen. VHS-Leiter Thomas Freiberger nutzte die Sitzung aber auch für Kritik an der Bönener Vewaltung. Der Grund: Die Sanierung der Alten Mühle ist weiterhin nicht abgeschlossen.

Bönen/Kamen – Der Kamener SPD-Fraktionschef Daniel Heidler bleibt Vorsitzender der Zweckverbandsversammlung der Volkshochschule Kamen/Bönen. Neue Stellvertreterin ist Sabine Lutz-Kunz, SPD-Ratsmitglied aus Bönen und Vorsitzende des VHS-Fördervereins. Dafür gab es Applaus in der Verbandssitzung in der Stadthalle Kamen, aber als die Bönener Vertreter später das Thema Sanierung der Alten Mühle aufriefen, war die Stimmung hinüber.

Dirk Lampersbach, Bönens oberster Genosse im Rat, brachte den Stein ins Rollen: Der VHS-Standort Alte Mühle sei nur noch ein Anhängsel am „Haus der Bildung“ in Kamen. Es gebe Kommunikations- und Abstimmungsschwierigkeiten. Sabine Lutz-Kunz legte nach. „Die Alte Mühle ist als VHS-Standort in den Genen der Bönener verankert.“ Da wurmt es sehr, dass zuletzt viele Kurse nach Heeren gelegt werden mussten, weil die Mühle „seit ewigen Zeiten“ saniert werde. Fatal, so hieß es, dass just in Coronazeiten dort nicht mal Wlan verfügbar sei.

Gespräche mit der Verwaltung mühselig und ermüdend

„Die Umbaumaßnahmen ziehen sich wie Kaugummi“, schüttete darauf VHS-Leiter Dr. Thomas Freiberger geradezu sein Herz aus. „Wir sind in der Regel sehr kooperativ“, beteuerte er. Aber die Gespräche mit der Bönener Verwaltung seien mühselig und ermüdend. Nur eine nahm er von seiner von Lampersbach provozierten Kritik ausdrücklich aus: Caroline Kirchner, im Bönener Rathaus mit der Kultur samt VHS betraut. „Esther Hahm und ich sind auf einer Wellenlänge“, gab die so Gelobte sogleich über ihr Verhältnis zur VHS-Verantwortlichen für Bönen zurück.

Kirchner versprach, die Situation in der Verwaltung zur Sprache zu bringen. „Wir haben die Entwicklung im Blick. Es wird ein Spitzengespräch geben“, bekräftigte zudem Kamens Beigeordnete Ingelore Peppmeier.

„Und da möchte ich auch drum gebeten haben“, scheint sinngemäß die unausgesprochene Antwort aus dem Bönener Rathaus zu lauten. Bürgermeister Stephan Rotering ist wohl „not amused“, in Abwesenheit der Verantwortlichen dergestalt vorgeführt worden zu sein. „Wir hätten da gerne etwas zu gesagt und haben mit Herrn Freiberger schon einen Termin gemacht“, sagte Bönens Fachbereichsleiter Bauen Robert Eisler, als die Redaktion am Freitag wegen der angesprochenen Probleme beim Umbau nachfragte. Am Abend zuvor hatte Dirk Lampersbach im hiesigen Bauausschluss weitere konkrete Mängel angesprochen: Ob es denn stimmt, dass im halbsanierten Mühlenbau zu schimmeln begonnen habe?

Bitumendach war nicht dicht

In der Tat, es gebe Probleme mit dem Flachdach auf dem Anbau an das durchsanierte Denkmal Mühle, bestätigte Eisler dem Ausschuss wie dem WA. „Es hat da reingeregnet.“ Vor dem Umbau im Inneren seien die Lichtkuppeln im Bitumendach verschlossen worden. Doch das Ganze sei nicht dicht geblieben und Wasser in die Trockenbauwände für die neuen Räume gezogen. Neben der VHS-Verwaltung wird so gerade Platz für das Archiv geschaffen. Allerdings sei die Dachsanierung ausgeschrieben, so Eisler. „Im Januar kann sich ein Dachdecker an die Arbeit machen.“

„Bauen im Bestand ist immer schwierig. Das gilt erst recht für Denkmäler“, warb der Fachbereichsleiter um Verständnis. Ja, Ende Oktober hatte man fertig sei wollen, jetzt werde die Arbeit wohl erst im ersten Quartal 2021 erledigt sein.

„Wir haben durchaus Verständnis für Herrn Freiberger, wir haben ihm aber auch Alternativen angeboten.“ So sei der Yoga-Kurs etwa in den Zechenturm verlegt worden. Anderes fand, bis zum Lockdown, in den VHS-Räumen in Heeren statt – was Bönens SPDler so grummeln lässt. „Man muss hier halt etwas Geduld aufbringen“, appellierte Eisler.

Freifunk-Verbindung ist vorhanden

Einige der Vorwürfe seien auch nicht haltbar. Dazu zähle, dass kein Wlan verfügbar sei. Die Arbeit der VHS betreffe das ohnehin nicht, per Richtfunkverbindung sei an den Arbeitsplätzen selbstverständlich für Internetzugänge gesorgt. Ausgefallen, aber längst wieder hergestellt, sei nur der öffentliche Hotspot für die allgemeine freie Nutzung. „Das habe ich nach der Sitzung noch selber überprüft“, versicherte der Bau-Fachmann. „Dort besteht eine Freifunk-Verbindung wie wir sie auch an unserem Rathaus eingerichtet haben.“

Zurück zur Verbandsversammlung: Die 25 Delegierten wählten Daniel Heidler einstimmig zum Vorsitzenden, Sabine Lutz-Kunz kam mit Enthaltungen ins Amt. Die Bönener Friedhelm Lange (Grüne) und Thomas Cieszynski (BgB) ließen die Hand unten. Sie selbst wurden in den Rechnungsprüfungsausschuss der VHS gewählt, Bönens Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte und Caroline Kirchner haben da außerdem noch das Geld im Blick.

Im Zeichen von Corona sei der VHS-Etat „sehr konservativ geplant“, so Freiberger. Der Stellenplan sei konstant, nur der Job einer pädagogischen Mitarbeiterin der Integrationskurse nicht vollends sicher. Es zeichne sich aber eine Verlängerung ab.

Bis zum Semesterende im Januar werde der Stillstand wohl anhalten. Das „Haus der Bildung“ in Heeren werde, entgegen der Unkenrufe, gut angenommen, so der Leiter. 5000 Teilnehmer gab’s zuletzt, nur 190 weniger. Finanziell stabilisiere sich die Einrichtung. Auffällig aber: Das Klientel der VHS Kamen-Bönen sei älter als im Bundesschnitt.

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