Sanierung der Sankt-Bonifatius-Kirche soll bis Jahresende abgeschlossen sein

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Architektin Brigitte Schwager und der ehrenamtliche Bauleiter Werner Weßels freuen sich über die guten Fortschritte auf der Baustelle.

Bönen – Spätestens zu Weihnachten soll die große Orgel in der Sankt-Bonifatius-Kirche in Altenbögge wieder erklingen. Bis dahin ist das katholische Gotteshaus eine große Baustelle, denn innen und außen müssen notwendige Sanierungsarbeiten durchgeführt werden.

Allein die Orgel muss wieder aufgebaut werden. Sie liegt nämlich zurzeit sorgsam verpackt in Einzelteilen in einem Lager, um den Handwerkern nicht im Weg zu sein. Die Pfarrkirche wird momentan von innen und außen aufwendig saniert. Und schon jetzt lässt sich erkennen, dass dieser Aufwand sich lohnt.

Jeden Morgen kommt Werner Weßels pünktlich zu Arbeitsbeginn auf die Baustelle, um den Handwerkern die Türen aufzuschließen und nach dem Rechten zu sehen. Der Elektroinstallateur im Ruhestand hat ehrenamtlich die Bauleitung übernommen und unterstützt Architektin Brigitte Schwager aus Unna. Für beide ist die Aufgabe eine besondere, schließlich ist die Renovierung eines so außergewöhnlichen Kirchenbaus nicht unbedingt Alltag – selbst für die Fachfrau nicht.

Als das Gebäude 1959 errichtet wurde, war die katholische Kirche gerade im Umbruch. Diskutiert wurde unter anderem über die von vielen als veraltet empfundene Liturgie, die Gestaltung der Gottesdienste und Messen. „Die katholische Kirche sollte sich öffnen, und das hat sich auch in der Architektur niedergeschlagen“, erklärt Brigitte Schwager. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) sollte zum Beispiel der Pastor mit dem Gesicht zur Gemeinde predigen und nicht, wie bis dahin üblich, mit dem Rücken zu den Gläubigen stehen.

Die Katholiken in Altenbögge waren ihrer Zeit offenbar sogar noch ein Stück weit voraus. Nach dem jahrhundertelang Kirchen mit Seiten- und Mittelschiffen und mehreren Altaren gebaut wurden, planten sie ihren Neubau bereits Ende der 1950er-Jahre als moderne Hallenkirche, die als Stahlkonstruktion mit Flachdach von außen fast an ein Industriegebäude erinnert. Auch die Nord-Süd-Ausrichtung ist außergewöhnlich, weiß die Architektin. „Die meisten Kirchen haben eine Ost-West-Ausrichtung. Aber das hat hier der Platz wohl nicht hergegeben“, schätzt die Ingenieurin. 

Die bemerkenswerte Architektur hat der Sankt-Bonifatius-Kirche einen Denkmalschutz beschert, und den müssen alle Beteiligen nun natürlich beachten. Rund 500 000 Euro wurden für die Sanierung veranschlagt, die größten Teil der Kosten übernimmt das Bistum Paderborn. Bei einigen Gewerken muss die Pfarrei Sankt Barbara Bönen-Heeren aber auch 30 bis 50 Prozent beisteuern. Die Arbeiten waren jedoch dringend fällig. Die Kirche ist zuletzt vor rund 30 Jahren „überholt“ worden.

Das Dach wurde komplett neu eingedeckt und mit einem Steigschutz versehen.

„Das Hauptproblem war das Dach“, sagt Werner Weßels. Zwar wurde das mit Zinkblech gedeckte Flachdach in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen „geflickt“, doch regnete es immer wieder durch. Inzwischen ist es komplett neu eingedeckt worden, diesmal mit einem richtigen Unterdach, wie Brigitte Schwager berichtet. Zudem bekam das Dach den von der Baubehörde geforderten Steigschutz für spätere Reparaturen, und die drei Glaskuppeln über dem Altarbereich wurden erneuert. Sie wurden gleich mit einem Sicherheitsgitter versehen.

Für die Dacharbeiten musste das Gebäude komplett eingerüstet werden, und das kam dann auch den Fensterbauern zugute. Die haben in den vergangenen Wochen die völlig vergilbte Schutzverglasung aus Acryl an der Gebäudefront entfernt und durch Sicherheitsklarglas ersetzt. So kommen die kunstvoll gestalteten Bleiglasfenster, die die Pfarrkirche schmücken, endlich wieder zur Geltung. Geschaffen hat sie der bekannte Maler und Glasbildner Wilhelm Buschulte aus Unna. Mit den Jahren haben sie ihre Strahlkraft verloren, die Farben waren zum Teil verblasst. Auch daran legten die Fachleute nun Hand an, tauschten defekte Scheiben aus und polierten das Glas auf.

Damit die Besucher die Kunstwerke demnächst richtig bewundern können, sollen sie von innen angestrahlt werden. Überhaupt soll die Kirche mehr ins Licht gerückt werden. Dafür werden im Außenbereich und am Weg Strahler angebracht.

Während das Baugerüst allmählich von der Außenfassade verschwindet, wurde derweil im Inneren der gesamte Kirchenraum eingerüstet. Dabei war das Können der Gerüstbauer gefragt. „Sie durften es nicht an den Wänden befestigen und mussten es so über die Mitte stabilisieren“, erklärt Brigitte Schwager das raumgreifende Konstrukt.

Von innen ist die Kirche mit einer aufwendigen Konstruktion eingerüstet. Dahinter lässt sich die renovierte Bleiglasfront erkennen.

Die Befestigung hätte die Wandgestaltung beschädigen können. Die Ornamente in Pastelltönen wurden zwar erst vor 30 Jahren aufgebracht, stehen aber dennoch ebenfalls unter Denkmalschutz. „Sie werden gereinigt und restauriert, die Wände gestrichen“, zählt die Architektin auf. Der Steinboden in der Pfarrkirche wurde inzwischen gereinigt, ausgebessert und vorsorglich abgedeckt, damit er bei den Restarbeiten keinen Schaden nimmt. 

Die Seitenfenster wurden gleichfalls saniert, die Nebenräume, wie die Werktagskapelle, sind frisch gestrichen worden und haben eine neue Beleuchtung erhalten. Der kleine Andachtsraum bekommt in Kürze eine Rampe, damit er künftig einfacher mit Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl zu erreichen ist.

Ebenso barrierefrei ausgestattet wird demnächst die Nebeneingangstür. Sie soll des Weiteren einen elektrischen Türöffner bekommen. Nicht nur dafür musste die in die Jahre gekommene Elektrik im Gebäude erneuert werden. Diesen Punkt haben Brigitte Schwager und Werner Weßels auf ihren langen „To-do-Listen“ aber bereits abgehakt.

Trotz der vielfältigen Aufgaben sind sie mit dem Verlauf der Sanierung sehr zufrieden. Bislang hat alles gut geklappt, die Arbeiten liegen im Zeitplan. Und im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen hat sich die Corona-Pandemie nicht auf die Sanierung ausgewirkt. „Wir planen seit zwei Jahren“, erzählt Brigitte Schwager. Und ursprünglich sollte vor Beginn der Arbeiten noch der „Weiße Sonntag“, der Sonntag nach Ostern mit der Erstkommunion, im Gotteshaus gefeiert werden. Daraus wurde nichts, dafür konnten die Handwerker das Gebäude zügig übernehmen. Ausfälle bei den Betrieben gab es nicht.

Werner Weßels hat seitdem so gut wie keinen Tag auf der Baustelle gefehlt. Wenn abends alle Arbeiter eingepackt haben, dreht er noch eine Runde, schaut ob alles sicher an Ort und Stelle ist. Dann schließt er die Türen ab und macht ebenfalls Feierabend. „Das kann jemand, der sich um 14 Gewerke kümmert, gar nicht leisten“, ist Brigitte Schwager dankbar für den engagierten „Kollegen“, der ihr vieles abnimmt. Weihnachten, wenn dann die Orgel hoffentlich wieder an ihrem Platz steht und ein mitreißendes „Oh du fröhliche“ erschallen lässt, kann der Bönener die Messe in der frisch renovierten Sankt-Bonifatius-Kirche sicher ganz besonders genießen.

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