Sanierung Bahnhofstraße Ost

Öffentlichkeitsbeteiligung ausgewertet: Wunsch nach Tempo 30 nicht durchgehend umsetzbar

Östliche Bahnhofstraße Bönen
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Nicht überall weist der östliche Abschnitt der Bahnhofstraße ausreichend Breite auf, um getrennte Bereiche für Kraftfahrzeuge, Fahrräder, Fußgänger und Parkraum einzurichten.

Während der Umbau der Bahnhofstraße im westlichen Teil zwischen Adalbertstraße und Ortseingang mit der Fertigstellung des Kreisverkehrs bald abgeschlossen sein wird, geht das Ringen um den Ausbau der Bahnhofstraße Ost, der möglichst viele Interessen unterschiedlicher Gruppen berücksichtigen soll, weiter. Denn: Was jetzt umgesetzt wird, gilt für viele Jahre.

Bönen – Bürger und Interessengruppen waren aufgerufen, ihre Wünsche und Vorschläge im Rahmen einer Öffentlichkeitsbeteiligung der Verwaltung darzulegen. Erwartungsgemäß war die Resonanz mit 15 schriftlichen Rückmeldungen nicht so groß, weil pandemiebedingt eine direkte Anhörung nicht stattfinden konnte.

Die eingegangenen Vorschläge zeigen eine große Bandbreite an Blickwinkeln mit dem Hauptaugenmerk auf den Radverkehr, die Parksituation und fußläufigen Verkehr. Wo Anwohner und Gewerbetreibende mehr Parkplätze fordern, bemängeln andere, dass sie die Bahnhofstraße wegen zu vieler parkender Autos nicht einsehen können beim Überqueren. Die Radfahrer fordern mehr Platz, fühlen sich unsicher. Die Wunschliste ist lang.

Dennoch: Gemeinsam sei vielen Bürgern nach Auswertung der Öffentlichkeitsbeteiligung der Wunsch nach einer Temporeduzierung für die östliche Bahnhofstraße, zu diesem Schluss kommt die Verwaltung. „Die Einrichtung einer durchgehenden Tempo-30-Zone ist keine Option“, so Fachbereichsleiter Robert Eisler. „Möglich und anzustreben wäre eine Ausweitung der punktuell vorhandenen Tempo-30-Strecken.“

Status als Hauptverkehrsstraße entscheidend

Entscheidend sei, dass es sich bei der Bahnhofstraße um eine Hauptverkehrsstraße handelt. Die Verwaltung hatte die Bezirksregierung Arnsberg kontaktiert, um im Vorfeld weiterer Überlegungen eine Förderfähigkeit der Sanierung der Bahnhofstraße Ost bei einer Ausweitung der Tempo-30-Strecke zu prüfen. Die Bezirksregierung signalisierte, dass eine Förderfähigkeit der Sanierungsmaßnahme an der Bahnhofstraße Ost nur unter Beibehaltung der Funktion als Hauptverkehrsstraße gegeben ist.

Dies schließt durchgehende Tempo-30-Zonen aus. Tempo-30-Strecken sind demnach grundsätzlich möglich, aber nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung nur in bestimmten Abschnitten – etwa an Schulen oder Altersheimen. Eine genaue Fördersumme kann im Vorfeld nicht benannt werden, von regulär 70 bis 80 Prozent der Kosten geht Eisler jedoch aus, die den Haushalt entlasten.

Für die aktuelle Planung der östlichen Bahnhofstraße bedeuten die Vorgaben des Landes als Fördergeber, dass die derzeit geltenden Tempo-Vorgaben erfüllt werden müssen. Mittelfristig könnte dennoch eine Temporeduzierung möglich sein, wenn künftige Gutachten, wie die Fortschreibung des Lärmaktionsplans, oder grundlegende abweichende politische Vorgaben sich für eine Ausweitung der Tempo-30-Strecken aussprechen, so Eisler. Für die bauliche Planung mache eine Auszeichnung als Tempo-50- oder Tempo-30-Strecke keinen Unterschied.

Ergebnis der weiteren Planung noch vollkommen offen

Grundsätzlich sei das Ergebnis dessen, was in der weiteren Planung verfolgt wird, aber noch offen, betont Eisler. Im September 2020 hatte im Planungsausschuss das beauftragte Ingenieurbüro Masuch & Olbrisch in seiner Präsentation bestehende Möglichkeiten für die Sanierung der Bahnhofstraße Ost zusammengefasst. „Darin wurde aber keine bevorzugte Variante festgelegt“, betont Eisler.

Neben der Tempodiskussion stehen vor allem Fahrradwege und Parkangebote im Fokus. „Die Maximalversion wäre, dass jeder Verkehrsteilnehmer seinen eigenen Bereich hat. Mit Parkraum ergäbe das allerdings einen Bedarf von rund 20 Metern Straßenbreite“ rechnet Eisler vor.

Straßenbreiten reichen nicht für Maximalversion

Fest steht: Die örtlichen Gegebenheiten mit Straßenbreiten zwischen 14 und 19 Metern an der östlichen Bahnhofstraße lassen ein einheitliches Straßenquerprofil nicht zu. Deshalb sollen zusätzliche Varianten mit wechselnden Querprofilen – angepasst an die zu Verfügung stehenden Flächen – erarbeitet werden. „Das geht nur mit verschiedenen Profilmöglichkeiten in den unterschiedlichen Abschnitten“, so Eisler. „Da müssen wir nochmal schauen, wie wir mit dem vorhandenen Platz die jeweils beste Möglichkeit hinkriegen. Die sollten aber nicht zu Irritationen der Verkehrsteilnehmer führen, weil sie von einem System zum anderen wechseln müssen.“

Parkangebote sollen primär in Bereichen mit gewerblicher oder vergleichbarer Nutzung zum Beispiel an der VHS geschaffen werden. Dabei sollen Freiflächen in den Einmündungsbereichen der Nelken- und der Tulpenstraße einbezogen werden. Für den Fahrradverkehr werden sowohl separate Radwege, als auch kombinierte Fuß- und Radwege sowie Schutzstreifen auf der Fahrbahn berücksichtigt. Rad- und Gehwegbreiten können dabei punktuell und in moderatem Umfang unterschritten werden.

Die einzelnen Varianten sollen im ersten Planungsausschuss nach den Sommerferien am 16. September vorgestellt werden. Im Nachgang sei geplant, die Öffentlichkeit in die Planungen einzubinden im Rahmen einer Präsenzveranstaltung oder, pandemiebedingt, in einer Onlineveranstaltung.

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