160 Jahre altes Wahrzeichen

Wegen Schimmel und Pilzbefall: Sanierung der Alten Mühle dauert an

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Wann die Alte Mühle in Bönen vollkommen saniert ist, steht noch nicht fest. Architekt Klaus Filbert und Statiker Klaus Maaß (links) prüfen den Putz.

Mitte Dezember sollten die Sanierungsarbeiten an der Alten Mühle eigentlich beendet sein. Das verzögert sich jetzt aus zwei Gründen. 

Bönen – Zum einen sind zwei Teile des sogenannten Steerts aus Eiche morsch, zum zweiten müssen die Außenhaut und der Innenputz nahezu komplett entfernt werden, um das fast 160 Jahre alte Wahrzeichen atmen zu lassen.

„Der Putz hier im Trauzimmer war so ein Münchener Rauputz mit Platzanteil“, erklärt der von der Gemeinde Bönen beauftragte Architekt Klaus Folbert aus Hamm. „Teilweise sammelte sich dahinter das Wasser, es entstanden richtige Blasen.“ 170 Quadratmeter Ziegelwandfläche wurden freigelegt. „Nur oben unter der Haube konnten wir den Putz größtenteils lassen, der ist offensichtlich trocken“, erklärt der Sanierungsfachmann.

Die Arbeit innen ist soweit abgeschlossen. Der neue Silikat Putz, der noch aufgetragen wird, ist atmungsaktiv, aber wasserfest. Aufwendiger ist die Arbeit an der Außenhaut der Holländermühle. „Dort hat man die Elefantenhaut verwendet.“ Die ist extrem robust, und sie hält gut auf dem Außenputz.

Das Gebäude braucht noch Zeit und Liebe. Auch an den Flügeln ist noch Einiges zu tun.

„Wir haben hier schon zweimal Beize aufgetragen und zwar eine starke Paste“, erklärt Maler Mike Schulte das Vorgehen seiner Mitarbeiter. Mühsam muss die gelöste millimeterdicke, mit Gewebe armierte Schicht auf circa 220 Quadratmetern händisch abgeschabt werden. Das sei nicht angenehm und dauert. „Es ist schwer einzuschätzen, wann alles runter ist“, meint Schulte.

Morsche Eichenbalken und brüchige Schindel

Er und sein Team sind allerdings schon im oberen Bereich der Mühle angekommen. Probleme könnten noch die Risse im Putz der Außenwand bereiten. Aus Denkmalschutzgründen dürften die nicht einfach mit einer Gewebeeinlage überbrückt werden, auch wenn man die anschließend gar nicht sehe.

Die Sanierung der Alten Mühle in Bönen dauert länger

Eine Etage drüber, an der hölzernen Haube gibt es Einiges zu tun. eplant war die Erneuerung der Holzschindeln. „Wir werden die neuen aber hinterlüften, deutet Filbert auf die feuchte hölzerne Beplankung unter der theoretisch dampfdurchlässigen Membranfolie.

Schwerwiegender sind die Schäden am Steert aus Eichenholz, der die Flügel der Mühle in den Wind drehen soll. „Eiche hält normal 90 Jahre“, sagt Filbert. „Hier wurde wohl Splintholz verbaut“, vermutet er. Das ist der jüngere, äußere Bereich des Stammes. Das Holz dort ist nicht so dicht. „Sonst würde man da auch keinen Insektenfraß sehen“, weiß der Hammer Architekt und bröckelt große Stücke aus dem 40 cm starken Balken.

„Ein Übriges tat die Verkleidung mit Bleiblech.“ Feuchte, Schimmelbildung und Pilzbefall war die Folge. In diesem Fall hätten die Sanierer Glück im Unglück gehabt. Ein passender Eichenbalken oder besser ein Stamm sei schnell gefunden gewesen. „Die Mühlenbauer wissen, wo die nötigen geraden Eichen ohne Astlöcher zu finden sind“, erklärt Filbert.

Mühlenbauer sind untereinander vernetzt

Der für die Mühle beauftragte Tischlermeister Gerd Möller aus Melle bei Osnabrück, wusste gleich ein passendes Exemplar im Teuteburgerwald. „Die Mühlenbauer sind so gut vernetzt, halten die Standorte von guter Eiche auch geheim“, erklärt der Bauleiter den glücklichen Umstand. Erst wenn der Teil des Steerts vor Ort und eingebaut ist, wird die Haube neu mit Schindeln belegt. Die schädlichen Bleischürzen wird es nicht mehr geben. „Früher hat man sogenanntes Opferholz benutzt, das schützt die Stirnflächen und wird einfach ersetzt, wenn es mürbe ist“, deutet Filbert auf den besseren, konstruktiven Holzschutz, der in der Mühle ebenso angewandt wurde.

Schimmelbildung und Pilzbefall zählen zu den Problemen.

Eine weitere geplante Großbaustelle ist das Flachdach des nachträglich gebauten Anbaus. „Die Betondecke ist nicht das Problem“, sagt der Bönener Statiker Klaus Maaß. Die undichten Stellen im Dach rühren von den cica 30 Lichtkuppeln her, die erneuert werden. „Das wird aber über andere Mittel finanziert“, ergänzt Filbert. Nicht alle Lichtkuppeln werden bleiben. „Dass es eine Betondecke ist, ist auf alten Fotos zu erkennen. Wir suchen noch die statischen Unterlagen zum Flachdach, die müssten irgendwo im Bauarchiv sein, die Recherchen laufen“, erklärt Maaß.

Denn ein Teil der Fläche soll eine Art Terrasse mit Anschluss ans Trauzimmer werden, so der Plan. Die Nutzungsänderung ist bau- und denkmalschutzrechtlich beantragt. Ein Durchbruch für eine Tür schon wegen des Brandschutzes hinsichtlich eines zweiten Fluchtweges erforderlich. Ob die geplanten Sanierungskosten im Bereich der angesetzten 276 000 Euro bleiben ist wegen der Zusatzarbeiten fraglich. Wie auch der Zeitpunkt, an dem die Mühle wieder komplett zur Verfügung stehen wird.

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