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Buchhandlung BuK in Bönen schließt Ende August

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Von: Sabine Pinger

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Buch und Kunst in Bönen schließt am 20. August
Anke Baumgärtner (Mitte) kauft wohl zum letzten Mal ein Buch bei Verkäuferin Nicole Sief (links) und Jasmin Behring von BuK. © Robert Szkudlarek

Jetzt machen sie wirklich Schluss. Nachdem Sabine und Wilfried Lentz ihrer Bönener Filiale mit dem Umzug in das deutlich kleinere Ladenlokal in der Fußgängerzone eine letzte Chance gegeben hatten, ziehen sie nach dreieinhalb Jahren die Reißleine. Am 20. August wird Buch und Kunst (BuK) endgültig geschlossen

Bönen - Schon lange hat sich diese Entwicklung abgezeichnet. Als BuK vor rund 25 Jahren an der Bahnhofstraße 75 öffnete, lief das Geschäft gut. Zum einen gab es genügend Leser, die glücklich darüber waren, sich vor Ort mit neuen Schmökern und Fachliteratur eindecken zu können, zum anderen haben die Inhaber dort geschmackvolle Geschenk- und Dekorationsartikel in ihr Sortiment aufgenommen. Wer also ein Präsent für die Freundin, den Vater oder den Kindergeburtstag suchte, wurde dort bestimmt fündig.

Noch wohler fühlten sich die Buchhändler und ihre Angestellten später an der Bahnhofstraße 94. Dort konnten sie Bücher und andere Artikel auf geräumigen, ebenerdigen 120 Quadratmetern präsentieren. Zudem lockte die Auslage in den großen Schaufenstern zahlreiche Kunden ins Geschäft.

Nicht nur in der Gemeinde, sondern überall hat sich das Kaufverhalten der Menschen allerdings inzwischen drastisch verändert. Bestellt wird im Internet, die Ware nach Hause geliefert. Gerade der Buchhandel bekommt die übermächtige Konkurrenz von Amazon und Co. schmerzhaft zu spüren. Auch bei BuK gingen die Umsätze zurück. Sabine und Wilfried Lentz wollten daher bereits vor dreieinhalb Jahren die Bönener Filiale aufgeben. Letztlich überzeugten sie aber in erster Linie die Stammkunden, dem Standort noch eine Chance zu geben. So zog der Buchladen auf die andere Straßenseite in das mit knapp 30 Quadratmetern beträchtlich kleinere Geschäft.

Wenig junge Kunden kommen nach

Zugleich reduzierten die Inhaber die Öffnungszeiten auf sechs Vormittage und zwei Nachmittage in der Woche. Ein Versuch, wie Sabine Lentz erzählt. „Im alten Laden konnten die Leute freier gucken, sich umschauen. In das kleine Geschäft kamen dagegen eher Stammkunden oder diejenigen, die sich beraten lassen wollten.“ Doch die wurden gleichfalls weniger, stellt die Buchhändlerin fest. „Viele sind inzwischen alt geworden und nicht mehr so mobil“, erklärt sie. Allein die wenigen Stufen vor der Eingangstür würden ihnen zu schaffen machen. Junge Kunden, die das gute, alte Buch mit Papierseiten zu schätzen wissen, würden hingen bedeutend weniger nachkommen. Und Geschenkartikel mussten die Lentz’ aufgrund des beschränkten Platzangebotes weitestgehend aus dem Angebot nehmen.

Ein Punkt, warum sie es sich überhaupt noch leisten konnten, das Geschäft in Bönen zu betreiben, war die Schulbuchbestellung der Gemeinde. Jahr für Jahr lieferte BuK die Bücher an alle fünf Schulen im Ort – ein verlässliches Geschäft. „Dass wir die Schulbücher liefern dürfen, war für uns die Voraussetzung dafür, in Bönen zu bleiben“, so die Inhaberin.

Schulbuchlieferung an Kölner Händler vergeben

Die wichtige Einnahmequelle ist jetzt weggebrochen. Bereits im vergangenen Jahr hat die Gemeindeverwaltung den Auftrag ausgeschrieben und dann an einen anderen Lieferanten vergeben. Seit Januar kooperiert Bönen nun mit der Stadt Bergkamen: Alle Vergabeverfahren werden seitdem zentral aus dem dortigen Rathaus durchgeführt. Die zuständigen Mitarbeiter haben die Schulbuchvergabe ebenfalls bundesweit nach der sogenannten Unterschwellenvergabeordnung (UVGo) ausgeschrieben, den Zuschlag hat ein Buchhändler aus Köln bekommen.

Für Sabine und Wilfried Lentz ist damit der Punkt erreicht, der für sie aus wirtschaftlichen Gründen einen Abschied unumgänglich macht. „Das Geschäft in Bönen war für mich immer einer meiner Lieblingsläden“, sagt Sabine Lentz. „Wir haben uns hier immer sehr wohl gefühlt. Vor allem war das Miteinander sehr kollegial und angenehm.“ Sie bedauert die Schließung insbesondere für ihre Angestellten. „Unsere vier Mitarbeiterinnen in Bönen waren immer mit sehr viel Herzblut und Engagement dabei. Für sie tut es mir besonders leid. Sie haben so gerne hier gearbeitet.“ Das hätten auch die Kunden stets gespürt. Ihre anderen Geschäfte in Hamm-Heessen, Beckum und Neubeckum bleiben weiter geöffnet, versichert die Inhaberin. „Wer also noch einen BuK-Gutschein hat, kann diesen auch dort einlösen.

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