Mal richtig auf die Pauke hauen: Spielmannszug Klingendes Spiel Bönen sucht Verstärkung

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Sie geben den Ton an beim Schützenfest: Der Spielmannszug Klingendes Spiel Bönen im Einsatz.

Bönen – Immer mehr Vereine leiden unter Mitgliederschwund. Oft fehlt der Nachwuchs. Auch der Spielmannszug Klingendes Spiel Bönen sucht aktive Mitglieder, um auch in Zukunft weiter bestehen zu können.

Seit 1987 besteht der Bönener Musikverein, ist aber mittlerweile bei Ausmärschen mehr auf Schützenfesten in Hamm als in Bönen unterwegs. Ein ähnliches Problem hatten die beiden anderen Spielmannszüge in der Gemeinde. Die Spielmannszüge Bönen und Nordbögge beschlossen 2016 zu fusionieren, um ihre Zukunft zu sichern. „Wir möchten selbständig bleiben“, sagt die erste Vorsitzende Ulrike Gehrke, die seit vielen Jahren für ihren Verein im Einsatz ist.

 „Aber es wird immer schwieriger, Menschen für die Mitarbeit in einem Verein zu begeistern“, ist auch ihre Erfahrung. „Immer mehr Menschen müssen auch am Wochenende arbeiten und wollen sich nicht an einen Verein binden.“ Dabei gebe die Gemeinschaft dem Einzelnen auch viel zurück, sagt sie. „Wir sind wie eine große Familie, wo man sich auch mal gegenseitig hilft.“ 

Dennoch zeige der Trend heute, dass sich der Einzelne immer mehr in seine vier Wände zurückzieht. Zwölf passive Mitglieder hat der Verein derzeit und 20 aktive. „Die Hälfte der Aktiven ist unter 18 Jahre alt. Der Jüngste ist sieben, die älteste bin ich selbst mit 52 Jahren.“ Von Überalterung kann also nicht die Rede sein. 

Aber mit 20 Musikern sei die Personaldecke einfach auf Dauer zu dünn. „Wenn da Leute krankheitsbedingt ausfallen oder arbeiten müssen, dann kann nicht mehr jede Instrumentengruppe ausreichend besetzt werden und Auftritte sind gefährdet.“ Deshalb tut Mitgliederzuwachs Not. „Wir freuen uns über Neuzugänge, egal in welchem Alter“, wirbt Ulrike Gehrke für eine Mitgliedschaft beim Klingenden Spiel. 

Die junge Garde des Spielmannszugs Klingendes Spiel Bönen: Noten und Instrument lernen die jüngsten Mitglieder des Vereins von den alten Hasen.

„Noten- und Instrumentenkenntnisse sind nicht erforderlich“, betont sie. „Das lernen die Neuen bei uns nach und nach.“ Die Jüngeren würden sich in der Regel erst mal auf die Perkussion stürzen – Pauken und Trommeln. „Weil sie glauben, das ist einfacher als Querflöte zu spielen, und dass man dafür keine Noten lernen muss. Das stimmt aber nicht“, erläutert die erste Vorsitzende, die selbst Schlagwerk spielt und unterrichtet. „Natürlich muss man auch an Trommel und Pauke Noten lesen können. Die Kunst sei dabei, zu variieren zwischen laut und leise.

Eine weitere Herausforderung für Spielleute: Sie bewegen sich bei Ausmärschen beispielsweise auf Schützenfesten möglichst im Gleichschritt ohne aus dem Takt zu kommen und ohne Noten, sondern spielen ihre Stücke auswendig. „Aber keine Angst, für Anfänger gibt es auch eine Armhalterung für Noten.“ 

Damit der musikalische Auftritt der Gruppe fehlerfrei klappt, ist eines wie bei jedem Orchester jedoch unerlässlich: üben. Deshalb finden in den Wintermonaten außerhalb der Schützenfestsaison jeden Samstag Übungsstunden statt. Aber auch da geht es nicht nur bierernst zu. Schließlich soll das Ganze ja Spaß machen. 

Auch das Repertoire umfasst nicht nur „Knüppelmusik“, betont Ulrike Gehrke. „Wir spielen nicht nur Märsche oder den Zapfenstreich, sondern auch moderne Stücke und die Hits aus den Charts.“ Schließlich spielen sie nicht nur auf Schützenfesten wie in Nordbögge oder in Pelkum und Unna-Massen, sondern können auch für Geburtstage oder Jubiläen gebucht werden. 

Uniform und Instrument müssen die Mitglieder übrigens nicht selbst anschaffen. „Das trägt der Verein, der sich aus Beiträgen, Spenden und Ausmärschen finanziert.“ 

Früher konnte der Verein in der Pestalozzihauptschule proben, inzwischen sind die Musiker seit drei Jahren provisorisch untergebracht im Bodelschwingh-Haus an der Niemöllerstraße, wo auch ein Großteil der Instrumente lagert.

„Bürgermeister Stephan Rotering hat uns damals an die evangelische Kirchengemeinde verwiesen, weil die Gemeinde uns nicht helfen konnte. Deshalb üben wir jetzt samstags im Kirchenraum“, so Ulrike Gehrke. „Allerdings wären wir froh, wenn wir irgendwo in der Gemeinde einen eigenen Probenraum finden könnten.“ Denn Bönen soll weiterhin Standort des Vereins bleiben.

Kontakt zum Verein

Wer Lust hat, mal richtig auf die Pauke zu hauen oder auch ein anderes Instrument wie Querflöte oder Lyra zu erlernen, der kann sich an Ulrike Gehrke wenden. Sie ist erreichbar unter Telefon 922 13 32 (Anrufbeantworter) oder per E-Mail unter u-gehrke@t-online.de. Die erste Probe im neuen Jahr findet am Samstag, 18. Januar, im Bodelschwingh-Haus an der Niemöllerstraße statt.

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